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Kein Entkommen vor dem Vater

Berlin Kein Entkommen vor dem Vater

Florian Havemann, Sohn des DDR-Dissidenten Robert Havemann, wird 65

Berlin. Selten hat ein Sohn so gnadenlos mit seinem Vater abgerechnet. Als Florian Havemann vor zehn Jahren seine 1100-Seiten-Suada über seine Familie vorlegte, sprach die Kritik von „Vatermord“, „Größenwahn“ und „Hybris“. Der jüngere Sohn schilderte den einst so bekannten und bewunderten DDR-Dissidenten Robert Havemann als Säufer und Weiberhelden – „ein kleines, triebgesteuertes Männchen“, schrieb Havemann über seinen Vater.

Heute feiert Florian Havemann seinen 65. Geburtstag – und ist trotz aller erfahrenen Kritik und Häme mit sich im Reinen. „Ich konnte das Buch nur so schreiben, wie ich es geschrieben habe“, sagt er. „Für mich war das sehr wichtig, auch wenn es in der Konsequenz bitter war.“ Der Roman „Havemann“ löste einen Wirbel der Entrüstung aus.

Der Suhrkamp Verlag zog das Buch nach wenigen Wochen zurück, weil sich mehrere Menschen durch den Autor in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sahen. Nach drei Prozessen erschien schließlich eine inzwischen vergriffene Neuauflage mit vielen geschwärzten Stellen – „ein grafisches Kunstwerk“, wie der Autor frotzelt.

Ironie des Schicksals: Die rasende Anklage gegen den vermissten Übervater wurde keineswegs zu dem erhofften Befreiungsschlag. Mit dem Suhrkamp Verlag überwarf sich Florian Havemann bald. In Berlin führt er ein bescheidenes Leben als Künstler und Schriftsteller. „Kein Verlag will mehr etwas mit mir zu tun haben“, berichtet er. „Du bist verbrannt“, sagt mein Agent.“

Bittere Erfahrungen hat Havemann schon früher gemacht. Mit 16 protestierte er als einer der wenigen in der DDR gegen die gewaltsame Beendigung des Prager Frühlings und kassierte damals dafür eine viermonatige Haftstrafe. Als er drei Jahre später in den Westen floh, warf ihm der Liedermacher Wolf Biermann, ein Freund des Vaters, in einem Lied Verrat an der gemeinsamen Sache vor: „Wer abhaut aus dem Osten/Der ist auf unsere Kosten/von sich selber abgehaun“.

Dennoch arbeitete Florian Havemann, obwohl nicht Jurist, nach dem Fall der Mauer von 1999 an zehn Jahre lang als gewählter Richter am Brandenburger Verfassungsgericht. 2002 bewarb er sich um eine Bundestagskandidatur – ausgerechnet bei der SED-Nachfolgepartei PDS. Und eine Legislaturperiode lang war er Berater von Linken-Fraktionschef Gregor Gysi, dem einstigen Anwalt seines Vaters.

Dieser lässt ihn bis heute nicht los. „Mein Vater hat mich von Geburt an abgelehnt. Kein Mensch weiß warum“, sagt Florian Havemann. „Damit muss ich klarkommen im Leben.“ Nada Weigelt

OZ

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