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Kein Stück für Feiglinge

Stralsund Kein Stück für Feiglinge

Premiere von „Der gute Tod“ am Theater Vorpommern in Stralsund.

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Das Stück „Der gute Tod“ hatte in Stralsund Premiere. Hier eine Szene mit Susanne Kreckel und Marco Bahr.

Quelle: Gunnar Luesch

Stralsund. „Der gute Tod” war die letzte Premiere dieser Spielzeit am Theater Vorpommern. Das preisgekrönte und äußerst populäre Stück des niederländischen Autors Wannie de Wijn ist berührend und auch schräg und sogar manchmal komisch, wortwitzig. Aber nichts für Feiglinge. Solche, die sagen: Da geht es um Tod! Neenee!

Auf der Bühne im Stralsunder Großen Haus ist am Sonnabend auch gestorben worden. Aber wer auf gutes Theater abfährt, für den war es Droge und reines Glück.

Zuerst einmal war die Besetzung so perfekt, als sei den Schauspielern das Stück auf den Leib geschrieben worden. Marco Bahr als großer Schmerzensmann, brutal vernünftig in seiner Entscheidung. Markus Voigt, als Mike, eine laute Nervensäge aus der Businesswelt, der sicher nie in so ein Stück gehen würde. Hannah, gespielt von Katja Steuer, „Mrs. Nightinale“, durch und durch gut, aber man erträgt sie kaum. Sammy (Susanne Kreckel), die ihren Vater eigentlich nicht loslassen kann und sich nur fügt. Lutz Jesse als befreundeter Arzt Bob: Mörder, Gott oder Heilsbringer? Und Alexander Frank Zieglarski, der kleine behinderte Bruder. Mit ihm auf der Bühne wird das Wort „Euthanasie“, übrigens griechisch für „Der gute Tod“ ohrenbetäubend. Durch ihn wird der Tod überhaupt nur Thema, weil man ihm ganz deutlich erklären muss, was passieren wird. Ansonsten wurschteln sich alle sprachlos am Eigentlichen, an letzten Gesprächen vorbei. Wichtig ist, wo man essen gehen wird oder wer was trinken will.

Die Familie kommt zusammen, weil Ben zwar sterben will, aber nicht alleine. Morgen früh um 9 Uhr. Das ist schon krass. Was soll man denn da sagen? Regisseur Hannes Hametner hat eine ganz fantastische Ensembleleistung gesetzt. Das Spiel ist so authentisch, dass man sich einer eigentümlichen Sog-Dynamik gar nicht mehr entziehen kann. Man nimmt betroffen Anteil an einer aktiven Sterbehilfe. Hat denn jemand gefragt, ob man zusehen möchte, wie Marco Bahr stirbt? Ach nein, das ist ja Ben. Und, wie auch immer, es ist überwältigend traurig. Und wenn man wach wird, ein überwältigend guter Theaterabend.

Juliane Voigt

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