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Kultur Keine Angst vorm großen Fluss
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02:33 12.06.2018
Rostock

Wer bin ich? Wie will ich leben? Wo komme ich her und wo will ich hin? Was ist mir wichtig? Um diese und andere Fragen, die Jugendliche auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben beschäftigen, geht es in dem Familienstück „Die Abenteuer des Tom Sawyer“. Zurzeit ist die unterhaltsame Bühnenversion des Mark-Twain-Klassikers in der Halle 207 in Rostock zu sehen.

Die drei Jugendlichen auf ihrer Reise über den großen Fluss: Sophia Platz als „Becky“, Benjamin Kramme als „Tom Sawyer“ und Dan Glazer als „Huckleberry Finn“ (v.l.). Quelle: Foto: Häntzschel/nordlicht

Die Liedzeile mit Ohrwurmpotential „Wer hat keine Angst vorm großen Fluss?“ aus dem letzten Gesangsstück kann nicht nur bildlich betrachtet werden. Die zwei Protagonisten Tom und Huck und ihre Freundin Becky machen sich auf den Weg über den großen Fluss Mississippi – ein Wagnis, das auch als der Beginn einer Reise ins Leben betrachtet werden kann.

Das Bühnenbild von Olaf Grambow zeigt einen Dorfplatz, welcher als zentraler Ort des Stückes mit Holztreppen die Hauseingänge der Bewohner darstellt – eine der Treppen wird später zu einer Gefängniszelle umfunktioniert. Hinter einem Vorhang verbirgt sich der Friedhof mit Grabsteinen und einem knorrigen Baum. Die Bühne lässt sich im vorderen Bereich drehen, wodurch die „Bootsfahrt“ über den Mississippi lebendig erscheint.

Mit eindrucksvollen Licht- und Soundeffekten wie Blitzen, Donner und geheimnisvollem Rauch wird der Zuschauer in die Geschichte gezogen. Bereichernd ist der Musiker und Komponist Christian Kuzio, der vorrangig als Instrumentalist auftritt, aber auch als Schauspieler auf der Bühne agiert. Er spielt nicht nur Klavier, Gitarre, Mundharmonika und singt auf der Bühne, sondern entführt das Publikum mit dem besonderen Klang des Banjos in die Welt des Mississippi-Deltas.

Die abgewandelte Handlung in Anlehnung an den großen Jugendroman von Mark Twain handelt von dem Lausbuben Tom (Benjamin Kramme). Während einige Charaktere der ursprünglichen Geschichte komplett gestrichen wurden, wird Becky zu einer zentralen Figur. Tom schwänzt die Schule, spielt seinen Mitmenschen Streiche, will seine Freiheit genießen und lehnt sich gegen die Erwartungen der Erwachsenen und der Gesellschaft auf.

Sein Freund Huckleberry Finn (Dan Glazer) und er beobachten heimlich einen Mord und schwören sich, aus Angst vor dem Bösewicht Indianer Joe, niemals etwas zu verraten. Als dem unschuldigen Dorfbewohner Muff der Mord untergeschoben wird, soll dieser gehängt werden. Mit dem Spruch „Schluss mit der Todesstrafe“, den Becky entschlossen in die Höhe hält, bezieht der Regisseur eindeutig politisch Stellung.

Das von Stephan Thiel inszenierte Theaterstück ist spannend, lustig und hebt die Freundschaft als zentrales Thema und wertvolles Gut hervor. Mit Gesangseinlagen der Darsteller entsteht ein Gesamtwerk, welches nicht nur Kindern Spaß macht. Die acht Künstler wurden nach der 90-minütigen Aufführung von den nur knapp 200 Zuschauern in der Halle 207 mit Applaus belohnt. Die Kinder trampelten vor Begeisterung mit den Füßen, klatschten und jubelten , nachdem sie mit Tom Sawyer und seinen Freunden mitgelacht und mitgefiebert haben. Das Familienstück (ab acht) ist das zweite von Dreien im „Volkstheatersommer“. Die Oper „Der Bajazzo“ ist bereits gestartet. Das Musical „Hair“ feiert am 26. Juni in der Halle 207 Premiere.

Nora Reinhardt

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