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„Keine Arbeit, sondern Schaffen“

Rostock „Keine Arbeit, sondern Schaffen“

Seit knapp 30 Jahren hält Theatermaler Fridtjof Busse am Volkstheater Rostock den Pinsel fest in der Hand. Zurzeit fertigt er die Kulissen für „Paris! Paris!“. Das Stück hat am 18. September Premiere.

Rostock. Routiniert zieht Fridtjof Busse einen feinen weißen Pinselstrich. Mit wenigen Strichen entsteht eine Leine mit weißer Wäsche, die am Fenster einer blauen Häuserfassade weht – oder vielmehr zu wehen scheint. Denn die Fassade ist lediglich ein mit Stoff bespannter Holzrahmen. Seit knapp 30 Jahren schafft Busse auf der Bühne des Rostocker Volkstheaters Illusionen für die Besucher. Sein aktuelles Projekt: die Kulissen für das Stück „Paris! Paris!“, das am 18. September Premiere hat.

Ob Kulissenwände, Stoffbahnen die von der Decke hängen, sogenannte Bühnenprospekte, Möbel oder Requisiten – es gibt fast nichts, was Fridtjof Busse noch nicht bemalt hat. „Wir machen die komplette Oberflächengestaltung, um auf der Bühne die perfekte Illusion zu schaffen“, sagt Busse.

Was auf der Bühne wirkt wie Marmor oder Sandstein, sind in Wirklichkeit Materialimitationen, was scheint wie auf- oder abgeplatzt, ist das Ergebnis mühsamer Kleinarbeit von Busse und seinem Kollegen Rüdiger Krasa, der seit zehn Jahren mit ihm im Malsaal steht. „Häufig muss man viel ausprobieren und rumtricksen, um den richtigen Effekt zu erzielen“, sagt Krasa. „Man lernt aber auch immer dazu.“

Auf Audrey, die Fleischfressende Pflanze aus dem Musical „Der kleine Horrorladen“ aus Peddigrohr, Jute und Schaumstoff, die er mitentwickelt und gebaut hat, ist Fridtjof Busse besonders stolz: „Das war eine große Herausforderung. Solche Materialien zusammenzufügen, das haben wir vorher noch nie gemacht“, sagt er.

28 Häuserkulissen und zwei weitere Elemente, die Busse vorab nicht verraten will, stehen bei „Paris! Paris!“ auf der Bühne. Bis auf einige Bauteile ist alles bereits fertig. Bis zu sechs Meter hoch sind die Kulissenwände in der Regel. „Manchmal bauen wir auch höher, dann arbeiten wir auf der Bühne mit Aufsätzen“, sagt Busse. Um die großen Kulissen zu bemalen, steigen die beiden Maler im 7,50 Meter hohen Malsaal auch schon mal aufs Gerüst. Was die wenigsten vermuten: Viele Kulissen, darunter auch der 12,50 Meter mal 7,50 Meter große Bühnenprospekt aus Stoff, liegen auf dem Fußboden, während sie von den Malern im Stehen bearbeitet werden. „Dafür verwenden wir sogenannte Landschafter, das sind Pinsel mit sehr langem Stiel, die auch in der Kirchenmalerei verwendet werden“, erklärt Busse. Für einen Perspektivenwechsel oder einen prüfenden Kontrollblick von oben nutzen die Theatermaler die Galerie des Malsaals.

Als Vorlage für das Bühnenbild, das nach Entwürfen von Falk von Wangelin von Bühnenbildner Mathias Betyna entworfen wurde, dienen in „Paris, Paris“ Straßenszenen des französischen Malers Michel Delacroix. Anhand von technischen Zeichnungen, Modellen und Farbvorlagen fertigen Busse und sein Kollege die Kulissen an. „Ob mit Schablone, Projektor oder als Rasterübertragung, alles ist erlaubt“, sagt Busse lächelnd.

Rund zwei Wochen haben die beiden Theatermaler und eine FSJ-lerin in der Regel Zeit, die Kulissen für ein Stück zu erschaffen. „Vor der Wende waren wir mal zu fünft“, sagt Busse. „Die Zahl hat sich dann immer weiter nach unten bewegt.“ An anderen Theatern gebe es deutlich mehr Theatermaler, „zumindest bei vier Sparten“, so Busse, der mit seinem Kollegen nebenbei auch alle Plastiken anfertigt.

Was ihn an seiner Arbeit fasziniert: „Man muss sich mit den verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte auskennen. Wenn man zum Beispiel etwas nach dem Vorbild von Rembrandt malen soll, muss man seinen Pinselduktus kennen. Auch das macht einen Theatermaler aus“, sagt Busse. Schon früh habe er gewusst, dass er diesen Beruf ausüben wolle. „Ich wollte schon in der neunten Klasse Theatermaler werden“, erinnert sich der 50-Jährige, der seit der ersten Klasse leidenschaftlich gern malt und zeichnet. „Trotzdem habe ich nach der Schule zuerst eine Malerlehre gemacht, weil ich das Handwerk lernen wollte“, erinnert sich der gebürtige Wismaraner. 1987 bewarb er sich beim Volkstheater – mit Erfolg. Für ihn ist sein Beruf keine Arbeit, sondern kreatives Schaffen: „Ich pinsel auch zu Hause den ganzen Tag herum“, sagt Busse. Mit seinem Job habe er sein Hobby zum Beruf gemacht. „Dazu kommt noch die Musik als Ausgleich, damit ist alles gut.“

Stefanie Büssing

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