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22:49 07.03.2013
Das Making Of von "Psycho" spielt im Film nur eine untergeordnete Rolle. Quelle: 2012 Twentieth Century Fox
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Dass sich Paramount weigerte, Hitchcocks "Psycho" zu finanzieren, erscheint aus heutiger Perspektive fast genauso schwer nachvollziehbar wie die etwa gleichzeitig getroffene Entscheidung des Plattenlabels Decca, eine ominöse neue Band namens The Beatles lieber nicht unter Vertrag zu nehmen: "Psycho" dürfte von nachfolgenden Filmemachergenerationen formal wohl ähnlich oft zitiert worden sein wie der Beatles-Hit "All You Need Is Love" von nachfolgenden Musikergenerationen. Tatsächlich setzte Alfred Hitchcock bei diesem Projekt einiges aufs Spiel: seinen Ruf, sein Vermögen und, wie Sacha Gervasi in seinem etwas unentschlossenen Spielfilmdebüt "Hitchcock" zumindest behauptet, seine Ehe.

Obwohl "Hitchcock" auf Stephen Rebellos Sachbuch "Alfred Hitchcock And The Making of Psycho" basiert, gerät das Making Of des Filmklassikers ein wenig in den Hintergrund - wenngleich Stars wie Scarlett Johansson, Jessica Biel und James D'Arcy gecastet wurden, um Janet Leigh, Vera Miles und Anthony Perkins zu spielen. Drehbuchautor John J. McLaughlin und Regisseur Sacha Gervasi hatten offenbar ein anderes Anliegen, als dem Meisterwerk ein Denkmal zu setzen: Sie führen stattdessen vor Augen, dass sich hinter der Marke Hitchcock eigentlich ein Team verbarg - der Regisseur (Anthony Hopkins) und seine Frau Alma Reville (Helen Mirren).

Langsam wird "Hitchs" Besessenheit von seiner Arbeit - und vor allem von seinen blonden Hauptdarstellerinnen - für seine Alma unerträglich. Statt ihrem Mann beim problembehafteten Dreh von "Psycho" wie üblich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, stürzt sich die Autorin und Cutterin mit dem befreundeten Drehbuchschreiber Whitfield Cook (Danny Huston) in ein eigenes Projekt. Der Beginn eines kleinen Krimis, der sich für den Meisterregisseur ausnahmsweise nicht an einem Filmset abspielt.

Keinem anderen Menschen vertraute Hitchcock so sehr wie seiner Alma, gerade in fachlicher Hinsicht. Allein ihr soll es etwa zu verdanken sein, dass die berühmte Duschszene in "Psycho" mit dem furchterregenden Score von Bernard Herrmann hinterlegt wurde - Hitchcock selbst wollte auf Musik gänzlich verzichten. Helen Mirren legte Alma Reville folgerichtig als eine unauffällige, aber starke Frau an, die ihrem Mann das Rampenlicht überlässt, sich ihres Wertes aber durchaus bewusst ist. Mirren spielt sie mit so großer Autorität, dass man es kaum wagen würde, die Schauspielerin auf die mangelnde äußerliche Ähnlichkeit mit der kleinen Hornbrillenträgerin Reville hinzuweisen. Doch die dürfte bei Anthony Hopkins ohnehin viel mehr ins Auge fallen.

Zwar erhielt "Hitchcock" seine einzige Oscarnominierung in der Kategorie "Best Makeup and Hairstyling", doch die Physiognomie Hitchcocks ist wohl einfach zu speziell, um überzeugend kopiert werden zu können: Die Wangen müssten mehr hängen, Augen und Nase schmaler sowie das Kinn kleiner sein, um Hopkins tatsächlich wie Hitchcock aussehen zu lassen. Also behalfen sich Darsteller und Regisseur auf andere Weise: Hopkins studierte Hitchcocks Haltung und Sprechweise, und Gervasi nutzte alle ihm verfügbaren gestalterischen Mittel, um die Hitchcock-ness seines Films zu unterstreichen.

Sein Film beginnt und endet beispielsweise so wie einst die Fernsehsendung "Alfred Hitchcock Presents" mit einem schwarzhumorigen Monolog des Meisters. Später zeigt Gervais seinen Hitchcock in jener Pose, in der der Regisseur für den Vorspann der Sendung mit wenigen Strichen porträtiert wurde. Der Schattenwurf von Hitchcocks massigem Profil, ebenfalls ein wichtiges Element der TV-Reihe, ist im Film gleich mehrfach zu sehen.

Nur eines lässt sich eben nicht so leicht imitieren: Hitchcocks Erzählweise. Natürlich hatte Gervasi nicht den Anspruch, einen Thriller zu drehen - doch ein bisschen mehr Suspense hätte seiner gemächlich erzählten Hitchcock-Betrachtung gut gestanden. Vor allem, weil der Film bei Weitem nicht nah genug an seiner Titelfigur dran ist, um als Charakterstudie durchzugehen: Viel mehr, als dass Alfred Hitchcock ein Perfektionist mit Vorliebe für düstere Themen und schöne Blondinen war, kommt in "Hitchcock" unterm Strich auch nicht raus. Das aufschlussreichste Werk über den Meisterregisseur wird also weiterhin das bleiben, das er selbst der Nachwelt hinterließ: sein Lebenswerk.

teleschau

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