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Kultur Kinderbande überzeugt am Musicalhimmel über Stralsund
Nachrichten Kultur Kinderbande überzeugt am Musicalhimmel über Stralsund
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00:00 09.05.2016
Manfred Ohnoutka als Bösewicht Grundeis inmitten des Kinderensembles der Schüler und Schülerinnen aus Prohn. Fotos (2): Barbara Braun/Mutphoto
Stralsund

Das Musical „Emil und die Detektive“ hatte Sonnabend Premiere im Stralsunder Theater. Erich Kästners Geschichte von dem Jungen Emil Tischbein, der im großen fremden Berlin mit einer pfiffigen Bande Berliner Kinder einen Dieb jagt und am Ende eine dicke Belohnung bekommt. Wer es nicht wusste, war schon mit Blick ins Programmheft erstaunt: „Da spielen auch Kinder mit.“

Theater Vorpommern inszeniert gelungenes „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner mit Schülerinnen und Schülern der sechsten Klasse der Regionalschule Prohn

Genau genommen: Da spielen auch Schauspieler mit. Denn die Kinderbande sind Schüler der 6. Klasse der Regionalen Schule Prohn. Sie spielten auf dieser Bühne die Hauptrolle. So wie es war, vielleicht sogar kleine neue Sternchen am Musicalhimmel. Jedenfalls waren nicht nur die Eltern und Großeltern von ihren Kleinen hingerissen. Auch die vielen Zuschauer-Kinder hüpften aufgeregt von ihren Sitzen, so spannend war‘s.

Dieser Grundeis war so böse, dass man lieber Reißaus hätte nehmen wollen. Aber diese cleveren und gerissenen Berliner Gören hefteten sich ihm auch noch an die Fersen. Mit dem Song „Ich hasse Kinder!“

legte Manfred Ohnoutka in der Rolle des Bösewichts Grundeis noch eins drauf. Die Kinder im Publikum buhten aus Leibeskräften. Recht so. Denn Emil und Gustav und alle Kinder und auch die netten Erwachsenen auf der Bühne hatten das Publikum schon lange auf ihrer Seite. Emil, gesungen und gespielt von Alexander Komm, hatte das ganze Mitgefühl, als er da allein auf der Bühnenkante saß und sich herzzerreißend singend Freunde wünschte, die ihm helfen würden. „Ich mag am meisten, wenn ich diese Lied singe“, sagt er.

Beide 6. Klassen der Regionalschule Prohn machen hier mit. Sechs Wochen haben sie geprobt. Morgens ein bisschen Mathe oder Deutsch, damit sie Schule nicht ganz verlernen. Dann Probe. Theaterpädagogin Sabine Kuhnert erzählt von den ersten Castings. Wer kann gut singen, wer spielt besser? „Das haben wir richtig mit kleinem Vorsingen und Gruppenspielen herausgekitzelt.“ Die Hauptrollen sind so besetzt worden. Mit großer Unterstützung der Klassenlehrer Uta und Raik Höfs. Bessere Unterstützer hätten die Kinder gar nicht haben können. Die Lehrer schwärmen schon jetzt vom neuen Zusammenhalt und dem strotzenden Selbstbewusstsein der Kinder.

Gustav, gespielt von Malte Köhn, sagt, dass er es nicht fassen könne, dass sie ein ganzes Musical hingekriegt haben. „Ein ganzer Abend im Theater. Mit Publikum und allem.“ Alle Kinder müssen die Aufregung erst mal verkraften. Es sei, sagen Lehrer und Eltern, eine Riesen-Chance, die das Theater ihnen geboten hätte. Und dass die Schauspieler Kinder gar nicht wirklich hassen, haben die natürlich auch noch herausbekommen. Inszeniert hat Dirk Böhling. Die Kinder sagen „Dirk“. Sein Regiekonzept war voller Späße und lustiger Einfälle. In einer Bühne, die wie ein großes aufgeklapptes Kinderbuch von den Illustrationen des Autors Erich Kästner lebt — Bühne: Manfred Kadenk und Jaqueline Schienbein.

Marc Schubring ist der Komponist dieses Musicals. Es sind schmissige Songs der 20er Jahre, sehr flott, mal schräg, mal melodisch, ob als Solo oder Chor. Sechs Musiker-Köpfe lugten unter karierten Schirmmützen aus dem Orchestergraben heraus: die Band unter Leitung von Sebastian Undisz. Der mit großer Geduld die Songs eingeübt hat. Immer und immer wieder. Lobte der Regisseur. Heute Abend ist es wieder zu sehen in Stralsund. Dann aber in anderer Besetzung, denn das Musical ist mit zwei Gruppen einstudiert worden. „Die Sache mit Emil“ — wirklich gelungen.

Von Juliane Voigt

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