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Kinderfest und Tonnenbünde im Wettstreit

Barth/Schwerin Kinderfest und Tonnenbünde im Wettstreit

Vier Projekte aus MV bewerben sich um Status immaterielles Kulturerbe

Barth/Schwerin. Hans-Joachim Meusel (66) aus Barth ist leidenschaftlicher Amateurfilmer. Im vergangenen Jahr widmete der frühere OZ-Redakteur seinen neuesten Streifen dem seit fast 188 Jahren in seiner Heimatstadt gefeierten Kinderfest. Es ist damit das älteste Kinderfest Mecklenburg-Vorpommerns. „Mir ging es darum, die Historie des Festes zu erzählen, seine einzigartige Atmosphäre darzustellen“, meint Meusel.

In dem 58-minütigen Streifen „Ich möcht‘ vielleicht mal König werden“ nehmen die Kinder natürlich einen besonderen Platz ein. Den hatte ihnen anno 1828 erstmals der Barther Kantor Müller eingeräumt, der mit einer Schar Schulbuben vor die Tore der Stadt gezogen war, um den Besten von ihnen im Armbrustschießen zu küren. Das daraus entstandene Fest im Frühsommer löste eine bis in die Gegenwart anhaltende Begeisterung aus. Bis heute ist es der Traum eines jeden Barther Mädchens oder Jungen, einmal zum Kinderfest-Königspaar zu gehören. Ein Wunsch, der nur für den in Erfüllung geht, der beim Armbrustschießen oder beim Wurf mit der Taube ins Schwarze trifft. Den Festumzug zur Huldigung des Königspaares lässt sich kaum ein Barther entgehen. „Wir möchten uns bei der Landesregierung mit dem Kinderfest um die Aufnahme in das immaterielle Kulturerbe bewerben“, sagt Mario Galepp (41), Chef des Barther Heimatvereins. Die Doku über das Fest wurde gemeinsam mit weiteren Unterlagen eingereicht.

Auch die Interessengemeinschaft Tonnenbünde Darß-Fischland und die Interessengemeinschaft Martensmann (Rehna, Schönberg, Schwerin, Lübeck) sowie Parchim mit dem 330 Jahre alten Martinimarkt haben ihren Hut in den Ring geworfen. Noch im April will das Schweriner Kultusministerium entscheiden, wer die Chance bekommt, mit seinen regional verankerten Bräuchen, Ritualen und Festen in das immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen zu werden. In einem ersten Bewerbungsverfahren im Dezember 2014 schafften es das Reetdachdecker-Handwerk und das Malchower Volksfest ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

„Eine Besonderheit bei diesem zweiten Bewerbungszyklus besteht darin, dass sich in zwei Fällen Interessengemeinschaften zusammengefunden haben. Die eine zum Martensmann hat sich sogar länderübergreifend in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gebildet“, erklärt Henning Lipski, Ministeriumssprecher. Ein solcher Zusammenschluss stärke den Antrag. Die Unesco lege großen Wert darauf, dass verschiedene Projekte gemeinsam zur Geltung gebracht werden, unterstreicht er. Seit 2003 fördert die Unesco den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt von Kulturformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mehr als 350 Bräuche, Künste und Techniken stehen bereits auf der weltweiten Liste. Deutschland hat seit 2014 eine nationale Liste, auf der unter anderem der rheinische Karneval und das Chorsingen verzeichnet sind. Werner Geske

OZ

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