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Kultur Klassik anstrengend, aber lustvoll
Nachrichten Kultur Klassik anstrengend, aber lustvoll
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00:00 16.03.2016

Vor zwei Wochen hatte Gerrit Prießnitz (40), Dirigent an der Wiener Volksoper, das Classic-Light-Konzert der Norddeutschen Philharmonie geleitet. Jetzt war er für den erkrankten Dirigenten des 7. Philharmonischen Konzertes eingesprungen — und hatte es mit der schweren Klassik zu tun.

Das Programm spannte rückwärts den Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn, von Anton von Webern über Gustav Mahler bis Beethoven. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit erwies sich Prießnitz als erfahrener und umsichtig gestaltender Orchesterleiter, der die Philharmonie zu einer runden Leistung führte. Zunächst mit von Weberns Passacaglia op. 1 (1908), ein knappes Orchesterwerk, aber von konstruktiver Dichte und wechselnden Stimmungen — konzentriert dargeboten in der Vielfalt seiner internen Bezüge, aber nicht immer mit musizierender Lockerheit. Dann mit der farbenreichen Begleitung zu Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ (1896), die der Bariton Björn Bürger (30) mit sauberer Technik im Spannungsfeld von schwarzer Melancholie, verzweifelter Lustigkeit und naivem Volkston eindringlich gestaltete.

Schließlich in der Wiederbegegnung mit Beethovens großer Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“ (1804), noch immer überzogen mit der Patina des bürgerlichen Bildungsgutes und eines anbetungswürdigen musikalischen Denkmals. Aber unter Prießnitz‘ Händen verlor sie all dies hier, dank der heute modernen Aufführungsart — hohes Tempo, straffe, ja auch schroffe Klänge, Durchsichtigkeit bis auf den letzten Ton —, und gewann erfrischt ihre elanvolle Lebenskraft zurück: ohne pompösen Gigantismus und dennoch imposant, überwältigend und mitreißend.

Gemeinsam mit der gut aufgelegten Philharmonie machte er erlebbar, dass Beethovens sinfonisches Prinzip „Durch Nacht zum Licht“ keine bloße romantische Erhabenheit ist, sondern eine Sache der praktischen Wirklichkeit, anstrengend, aber auch lustvoll.

OZ

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