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Kultur Klassiklotterie des freien Denkens auf Schloss Ulrichshusen
Nachrichten Kultur Klassiklotterie des freien Denkens auf Schloss Ulrichshusen
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00:08 13.01.2015
Daniel Hope (l.) und Sebastian Knauer in Ulrichshusen. Quelle: FMV
Ulrichshusen

Was ist schon normal? Wenn es Normalität ist, das zwei Ausnahmekönner wie Daniel Hope und Sebastian Knauer die Sonate für Violine und Klavier von Edvard Grieg zelebrieren, wie Festspielintendant Markus Fein meint — gern! 380 friedfertige Gäste sitzen im Rittersaal des Schlosses Ulrichshusen, lassen sich von charmanten Musikern unterhalten, während sich draußen langsam die Dunkelheit wie ein Samtvorhang über diesen elften Januartag 2015 schiebt — gern! Mehr friedliche Atmosphäre als zum Neujahrskonzert der Festspiele MV geht gar nicht. Die Nicht-Normalität aus Sicht des Intendanten ist rein programmatischer Natur: „Es beginnt normal mit Grieg, doch es hört nicht normal auf.“ Im Anschluss an die Sonate gab es eine Musiklotterie — eine Art musikalisches Amuse-Gueule vor der Saison.

Ist das Normalität? Die Stücke, die Hope und Knauer spielten und in einem launigen Potpourri eines alten Klassikehepaars präsentierten — die beiden kennen sich 23 Jahre —, lassen sich auch lesen und hören als Querschnitt des freien Denkens durchs alte Europa von 1685 bis in die Musicalschule eines Gershwin um 1935. Zur exakt selben Stunde, als in Ulrichshusen die ersten Töne erklangen, setzten sich in Paris und ganz Europa Millionen Menschen im größten Demonstrationszug für die Freiheit seit 1945 in Bewegung. Wenn das normal ist, ist es bewegend.

Denn obwohl die meisten der Stücke aus der Feder von Komponisten stammen, die zu Lebzeiten in relativer Freiheit, wenn auch nicht immer in Frieden, ihrer Kunst nachgehen konnten, fanden sich auch die Arbeiten zweier Exilanten darunter. Kreislers „Liebesleid“ und Eislers Stück „An den kleinen Radioapparat aus dem Hollywood Liederbuch“. Beide waren in den 30er-Jahren nach Amerika emigriert, weil sie von den Nazis verfolgt wurden — der eine wegen seiner jüdischen Herkunft, der andere wegen jüdischer Herkunft und politischer Gesinnung. Da passt es, dass Hope und Knauer nach Eisler, Kreisler und Ravels 1. Kaddisch aus den „Deux mélodies hébraiques“ die „Méditation“ aus Massenets Oper „Thais“ der Freiheit widmen.

Schließlich sei man gerade in Frankreich und mit dem Ravel auch in der jüdischen Kultur. Und wenn man in eine Klassiklotterie das Publikum integriert, kann es passieren, dass der leichten „Méditation“ Brahms folgt. Oder, wie Hope sagt: „Das ist wie ein riesiges Filetsteak nach dem Dessert.“ Das kommt vom Freigeist. Freude und neue Sichtweisen!



Michael Meyer

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