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Kultur Klassikreihen in MV enden mit Besucherrekord
Nachrichten Kultur Klassikreihen in MV enden mit Besucherrekord
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19:45 11.10.2018
Einer der diesjährigen Höhepunkte beim Usedomer Musikfestival: der Auftritt von Opernstar Anne Sofie von Otter. Quelle: Geert Maciejewski
Peenemünde/Schwerin

Klassik begeistert in Mecklenburg-Vorpommern immer mehr Zuhörer. In diesem Jahr besuchten rund 125 500 Musikfreunde die Veranstaltungen der sieben großen Musikfestivals im Land, etwa 4500 mehr als im Vorjahr. „Damit feiern die Festivals im vierten Jahr in Folge einen neuen Besucherrekord“, sagte der Koordinator im Musikland MV, Thomas Hummel. Als denkbare Ursache für den Anstieg nannte Hummel den „Elphi-Effekt“. Die Elbphilharmonie in Hamburg habe einen Klassik-Hype ausgelöst, der offenbar auch bis nach Mecklenburg-Vorpommern ausstrahle.

Am Samstag geht auf der Insel Usedom die letzte der großen Klassikreihen im Land - das 25. Usedomer Musikfestival – zu Ende. Das Konzert im Kraftwerk Peenemünde mit der NDR-Radiophilharmonie Hannover gedenkt mit einer deutschen Erstaufführung der Opfer der stalinistischen und nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Ostseeraum.

Die Festivals in Mecklenburg-Vorpommern seien starke Markenbotschafter für Mecklenburg-Vorpommern, resümierte Hummel. Die Rückbesinnung auf Klassik wie auch der Trend zur Schallplatte seien möglicherweise Ausdruck der Menschen, sich einen Gegenpol zum schnellen Alltag zu verschaffen.

Unter der Marke „Musikland MV“ haben sich sieben Veranstaltungsreihen im Bereich der Klassik, des Jazz und der Neuen Musik zusammengeschlossen. Die größte Veranstaltungsreihe sind die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern mit insgesamt mehr als 86 000 Besuchern. Mit 4000 Gästen mehr als im vergangenen Festspielsommer verzeichnen die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern auch den größten Zuwachs. „Dass in diesem Jahr mehr Menschen als je zuvor die Festivals in Mecklenburg-Vorpommern besucht haben, ist für uns eine große Freude“, so Intendant Markus Fein. „Der stetig wachsende Besucherzuspruch zeigt, dass die Kultur eine Stimme hat, die unsere Region maßgeblich prägt, und Mecklenburg-Vorpommern auch über die Landesgrenzen hinaus repräsentiert.“ Insgesamt 150 Konzerte konnten Besucher beim diesjährigen Festspielsommer besuchen. Bespielt wurden 86 Orte im gesamten Bundesland. Zu den Höhepunkten zählten Veranstaltungen mit Daniel Müller-Schott, Harriet Krijgh und Anastasia Kobekina in Ulrichshusen, die Premiere von „2 x Hören“, der „Jahrmarkt der Sensationen“, „Unerhörte Orte“ in der Torgelower Eisengießerei, der Freester Bootswerft, dem Plenarsaal im Schweriner Schloss und dem Medienhaus der Ostsee Zeitung sowie Open Airs und ein Kinder und Familienprogramm.

Thomas Hummel, zugleich Intendant des Usedomer Musikfestivals erwartet, dass die Jubiläumssaison seines Festivals den Besucherrekord vom letzten Jahr mit 14 000 Gästen einstellt oder sogar noch überbietet. Seit 1994 präsentiert das Festival das Musikleben aller Staaten rund um die Ostsee mit jährlich wechselnden Länderschwerpunkten.

Zu den kleineren Veranstaltungsreihen gehören die Eldenaer Jazz Evenings, die in diesem Jahr mit rund 1000 Besuchern ebenfalls einen Zuwachs verzeichneten. „Sonst liegen wir durchschnittlich bei 800 Besuchern. Im vergangenen Jahr waren es 600, das war aber der begrenzten Platzzahl in der Klosterscheune geschuldet, in die wir wegen des schlechten Wetters ausweichen mussten“, sagt Mitveranstalter Andreas Sappelt vom Amt für Bildung Kultur und Sport der Stadt Greifswald. „Das Wetter und das Programm haben in diesem Jahr einfach gepasst, es war eine durchweg schöne und erfolgreiche Veranstaltung“, so Sappelt.

Zum Musikland gehören zudem der Schönberger Musiksommer (4500 Besucher), die Greifswalder Bachwoche (11 000 Besucher), der Neubrandenburger Jazzfrühling (3000) und See more Jazz Rostock (1000). 5000 Besucher kamen zum Festspielfrühling auf die Insel Rügen.

Beim Abschlusskonzert des Usedomer Musikfestivals erlebt das Publikum unter der Leitung des US-Dirigenten Robert Trevino am Samstag eine deutsche Erstaufführung. Erklingen wird das Werk „Norilsk, the Daffodils“ des estnischen Komponisten Jüri Reinvere. Die Komposition erinnere an die Opfer der sibirischen Nickelindustrie, die von 1935 bis 1956 durch Gulag-Gefangene des Norilsker Besserungslagers gebaut und betrieben wurde.

Martina Rathke/Stefanie Büssing