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Kultur Komödienstoff mit starker Widerstandskraft
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09:11 14.03.2018
Ein Kameramann filmt Szenen für die Produktion „Sein oder Nichtsein“ im Mecklenburgischen Staatstheater. Die Aufnahmen werden Teil der Aufführung, die am 13. April im Großen Haus Premiere feiert. Bei den Aufnahmen spielen Schauspieler und Statisten in Kostümen aus der Nazizeit. Quelle: Foto: Büttner/dpa
Schwerin

Im Konzertfoyer herrscht Gedränge. Wehrmachts- und SS-Uniformen bestimmen das Bild – aber auch ein kleines Filmteam. Hier entstehen Filmszenen, die für eine kommende Inszenierung am Mecklenburgischen Staatstheater gedacht ist: „Sein oder Nichtsein“ von Nick Whitby, ein Stoff, den Regisseur Ernst Lubitsch 1942 mit seiner Verfilmung in den USA weltberühmt gemacht hat.

Für „Sein oder Nichtsein“ wurden am Schweriner Theater Filmszenen gedreht

Steffi Kühnert inszeniert am Staatstheater in Schwerin. FOTO: DPA

Die Handlung spielt 1939 an einem Warschauer Theater. Das Ensemble probt gerade für ein antifaschistisches Stück, wird aber von den polnischen Kulturbehörden zurückgepfiffen, um Deutschland nicht unnötig zu provozieren. Stattdessen wird „Hamlet“ auf den Spielplan gesetzt. Dann beginnt aber der Zweite Weltkrieg. Und schließlich, Polen ist inzwischen von Deutschland erobert, werden die polnischen Schauspieler zu Widerstandskämpfern. Und auch mit schauspielerischen Mitteln.

Das Stück wird inszeniert von Steffi Kühnert, die als Schauspielerin vor allem aus Filmen des Regisseurs Andreas Dresen bekannt sein dürfte – unter anderem „Halbe Treppe“ (2002), „Halt auf freier Strecke“ (2011) oder „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ (2017). Auch als Theaterschauspielerin hat sich Steffi Kühnert einen Namen gemacht, unter anderem am Wiener Burgtheater, am Residenztheater München und am Schauspielhaus Bochum. In Schwerin inszenierte Steffi Kühnert bereits „Die Ratten“, nun also „Sein oder Nichtsein“, Premiere ist am 13. April.

„Steffi Kühnert hat die Idee für diesen Stoff mitgebracht“, sagt Dramaturgin Nina Steinhilber. „Im Vorfeld haben wird uns alle gemeinsam den Film von Ernst Lubitsch angesehen“, sagt sie. „Sein Film war eine doppelte Form des Widerstands“, erklärt Steinhilber. „Zunächst durch den Film – und dann innerhalb der Handlung noch mal durch den Widerstand der polnischen Schauspieler gegen die Nazis.“

Grundlage der Schweriner Inszenierung bleibt das Theaterstück. Und die Filmszenen, die am Montag gedreht wurden, sind für Einspielungen gedacht, die gegen Ende des Theaterstücks zu sehen sein werden.

Auch dabei führte Steffi Kühnert Regie, in enger Zusammenarbeit mit Kameramann Sebastian Hattop. Nur ein Drehtag ist vorgesehen, das heißt für alle Beteiligten: volle Konzentration! Denn für jede der Szenen sind mehrere Takes notwendig, die professionell abgespult werden. Dennoch: Eine etwas klaustrophobische Situation herrscht am Drehort, denn im Umgang im ersten Rang des Schweriner Theatergebäudes, wo sich die Eingänge zur Mittelloge und zur Loge befinden, stehen nur wenige Dutzend Quadratmeter zur Verfügung. Auch die hohe Präsenz von Wehrmachts- und SS-Uniformen trägt zu einer etwas beklemmenden Situation bei. Noch ist wenig davon zu spüren, dass hier eine Komödie entsteht. Die Einspielszenen werden übrigens in SchwarzWeiß gedreht und bekommen auf diese Weise auch einen dokumentarischen Charakter.

Das Personal bei diesem Dreh besteht aus Ensemblemitgliedern des Mecklenburgischen Staatstheaters und aus Statisten. In der Inszenierung werden unter anderem Martin Brauer als Josef Tura, Jennifer Sabek als Maria Tura, Flavius Hölzemann als Stanislaw Sobinsky und Özgür Platte als Professor Silewski zu sehen sein.

Steffi Kühnert, die zusammen mit Kameramann Sebastian Hattop am Set auf einem kleinen Monitor die gedrehten Szenen anschaut, wirkt sichtlich zufrieden. Der ganze Aufwand hat sich gelohnt. Welche Aufgaben diese Filmszenen im Stück haben und wie sie auf die Zuschauer wirken, wird am 13. April klar.

Bühnenstück und Filmklassiker

„Sein oder Nichtsein“ ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Ernst Lubitsch (1892- 1947) aus dem Jahr 1942. Die Tragikomödie wurde nach dem Text „Noch ist Polen nicht verloren“ von Melchior Lengyel inszeniert. Der Stoff hat heute auch als Theaterstück noch

große Bedeutung. Er handelt von einer Warschauer Schauspieltruppe, die in verschiedenen Verkleidungen die deutschen NS-Besatzer überlisten will. Während „Sein oder Nichtsein“ bei seiner Ver-

öffentlichung im Jahr 1942 noch kontrovers diskutiert wurde, gilt er heute – neben Charlie Chaplins „Der Große Diktator“ – bei der Filmkritik als Komödienklassiker über die Zeit des Nationalsozialismus.

Thorsten Czarkowski

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