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00:01 25.07.2016

Es ist die vierte Auflage des Festivals „Rostock rockt“, Veranstalter Thorsten Schulz ist entspannt. „Was Schlimmeres als im letzten Jahr kann ja nicht mehr passieren“, sagt er und grinst. Wegen eines Sturms hatte er 2015 den zweiten Festivaltag absagen müssen. An diesem Freitag gibt es wieder eine Hiobsbotschaft: Amoklauf in München. „Auf Facebook gab es Anfragen von besorgten Eltern, wir hatten aber schon vorher ausreichend Polizei- und Sicherheitspersonal eingeplant“, sagt Schulz. Und so geht das Rockspektakel am Freitag und Sonnabend mit insgesamt zehn Bands reibungslos über die Bühne – rund 9000 Besucher feiern ausgelassen im Iga-Park.

Auch Bosse und Sportfreunde Stiller bei „Rostock rockt“: Rund 9000 Besucher feierten im Iga-Park

„Immer wenn ich mich auf etwas freue, gebe ich so viel Gas, dass ich schon nach den ersten Liedern völlig fertig bin.“Bosse bei „Rostock rockt“

Es ist ein beeindruckendes Line-up, das Schulz und seine Crew nach Rostock geholt haben: Mit den Briten von The Subways der australischen The Smith Street Band, den aus der Region stammenden Punkrockern von Feine Sahne Fischfilet und der Rostocker Band Range of Movement steht der Freitag ganz im Zeichen von Indie, Punk und Ska. Optisches Highlight: Die Gruppe Russkaja aus Österreich, die mit Turbo-Polka die Bühne rockt. „Im Überschwang haben Feine-Sahne-Fans drei Bengalos abgefeuert, ansonsten war aber alles ruhig“, sagt Schulz. Auch die Feuerwehr ist im Einsatz, bespritzt erhitzte Festivalgänger bei knapp 30 Grad mit Wasser. Heiß ist es auch auf der Bühne, auf der am Sonnabend neben den Rostockern von Quatremundo und dem Neusser Rapper Olson, die Hamburger Band Tonbandgerät, Bosse und die Sportfreunde Stiller stehen.

„Immer wenn ich mich auf etwas freue, gebe ich so viel Gas, dass ich schon nach den ersten Liedern völlig fertig bin“, verriet Bosse, der vom ersten Lied an auf der Bühne alles gab und nach drei Liedern schon klatschnass war. Temperamentvoll, witzig und gnadenlos ehrlich: „Auch wenn ihr schief singt, haut es raus. Ich tanze auch wie ein Rumpelstilzchen.“ Die meisten Lieder, darunter Klassiker wie „Istanbul“ und „Schönste Zeit“, stammten von seiner CD „Kraniche“ (2013), aber auch Werke wie „Steine“ und „Krumme Symphonie“ von seinem im Februar erschienenen Album „Engtanz“ gab der Braunschweiger zum Besten. Für Letzteres, was mit dem Rapper Casper entstanden ist, holte sich Bosse als Unterstützung „Herrn Spiegelei“ von Deichkind auf die Bühne. Auch im Hinblick auf Amoklauf und Terrorismus nahm Bosse kein Blatt vor den Mund: „Lasst uns doch einfach die 80 Jahre, die wir hier vielleicht haben, mit so viel Empathie und Amore verbringen, wie es geht“, betonte er.

In die gleiche Kerbe schlugen die „Sportis“, die trotz süddeutscher Wurzeln nach Energiebündel Bosse zunächst nordisch unterkühlt wirkten, sich aber warmspielten. Ein neues Stück, das die Band nach den Anschlägen in Paris geschrieben hat, könnte aktueller nicht sein. „Wir hatten gerade eine wirklich gute Zeit, als die Anschläge verübt wurden. Daher handelt es von zwei Gefühlen gleichzeitig:

totalem Glück und totaler Trauer“, sagt Sänger Peter Brugger.

Totales Glück hatte auch Levke Scholz (20) aus Lübeck. Ihre beste Freundin hatte ihr zum Geburtstag eine Karte für „Rostock rockt“ geschenkt. „Weil sie so ein riesiger Bosse-Fan ist“, sagt Nele Pagel. „Hier wird zwar nicht gezeltet, trotzdem kommt echtes Festivalfeeling rüber“, sagt Levke begeistert. „Und das Bier stimmt auch.“

Für Veranstalter Thorsten Schulz hat sich mit „Rostock rockt“ ein Traum erfüllt. „Den hatte ich mit Anfang 20, aber da fehlte das Geld und in dem Alter nimmt einen niemand für voll“, so der Wismarer, der seit 13 Jahren in Rostock lebt. Gestartet war der 42-Jährige 2013 mit rund 2000 Besuchern, 2014 hat sich die Zahl verdoppelt. 2015 war das Festival auf zwei Tage erweitert worden, einer musste wegen eines Sturms abgesagt werden.

Stefanie Büssing

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