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00:28 19.04.2018
Wustrow

Fast wirkt es, als bewege sich die weiße Orchidee mit der zartrosa Maserung leicht im Wind. Mit filigranem Pinselstrich hat Bertha Gerresheim (1846-1916) jedes Detail der Pflanze eingefangen und liebevoll in Szene gesetzt. „Auf dem eingefärbten Papier kommt die Leuchtkraft der Farbe besonders gut zur Geltung“, sagt Katrin Arrieta begeistert. Das Passepartout schaffe eine Art Räumlichkeit. „Als würde die Orchidee in einem Schaukasten schweben“, sagt die künstlerische Leiterin des Kunstmuseums Ahrenshoop. Sie hat die Ausstellung „Bertha Gerresheim – Florale Welten“ im Fischlandhaus kuratiert, die dort bis zum 10. Juni zu sehen ist.

Bis zum 10. Juni ist im Fischlandhaus in Wustrow die Ausstellung „Florale Welt“ von Bertha Gerresheim zu sehen.

Dass der mittleren der drei Gerresheim-Schwestern eine eigene Ausstellung gewidmet wird, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken: „Die bekanntere Schwester ist natürlich Anna Gerresheim“, sagt Arrieta. Arbeiten der Landschafts- und Portraitmalerin, die gemeinsam mit Paul Müller-Kaempff (1861-1941) zur Gründergeneration der Künstlerkolonie gehört, zieren als Dauerausstellung eine Wand im Kunstmuseum Ahrenshoop. Die Werke sind Dauerleihgaben aus dem Familiennachlass, den Helga Gerresheim, Großnichte der Malerin, dem Museum zur Verfügung gestellt hat. „Bei einem Besuch habe ich dort auch Bilder von Bertha Gerresheim entdeckt. Wir fanden sie so faszinierend, dass wir sie unbedingt zeigen wollten“, sagt die Kuratorin. Zum einen natürlich aus ästhetischen Gründen. „Zudem wollten wir, dass Bertha Gerresheim entsprechend gewürdigt wird“, so Arrietta. Denn, während Anna Gerresheim ihre künstlerisch ausgeprägtere Begabung rückhaltlos auslebte, ohne dabei wirtschaftlich erfolgreich zu sein, hatte Bertha Gerresheim – von Beruf Erzieherin und in jüngeren Jahren weit herumgekommen – die nötigen finanziellen Mittel, um ein Künstlerhaus in der Dorfstraße 20 in Ahrenshoop zu bauen. Dort lebte sie mit ihrer Schwester bis zu ihrem Tod. „Die Ausstellung wirft ein anderes Licht auf das Zusammenleben der Schwestern. Letztlich ist Anna das Leben hier erst von Bertha ermöglicht worden“, sagt Arrieta. Heute steht das Haus nicht mehr. Aber in der Ausstellung sind alte Fotoaufnahmen davon zu sehen. Gezeigt werden zudem drei Gemälde Anna Gerresheims, darunter das Portrait der Schwester Bertha.

Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Arbeiten Bertha Gerresheims, die sich mit Hingabe der heimischen Pflanzenwelt widmete. Gezeigt werden rund 50 Arbeiten, die Arrieta in die Zeit um das 19 Jahrhundert einordnet. Darunter frühe Bleistiftzeichnungen und vorwiegend mit Wasserfarbe gemalte Blätter, auf denen Gerresheim blühende Blumen und Zweige jeder Art herbariumartig konserviert hat.

„Die Abdeckungen mit Seidenpapier lassen vermuten, dass sie eine Sammlung angelegt hat, mit der sie arbeiten wollte. Ich kann mir vorstellen, dass sie auch als Unterrichtsmaterial verwendet wurden“, so Arrieta. Obwohl sie mit ihren Arbeiten keinen künstlerischen Anspruch verfolgt habe, sind die Blätter für Arrieta ästhetisch überaus reizvoll. „Ich bewundere ihre Akribie und ihr Einfühlungsvermögen“, sagt Arrieta. „Das innere Leben der Pflanze strahlt aus all diesen Blättern.“ Gemeinsam mit Antje Hückstedt, Leiterin des Darß-Museums, hat Arrieta versucht, die einzelnen Pflanzen zu bestimmen. „Das war teilweise ganz schön knifflig. Das zeigt, dass viel von diesem Wissen bereits verloren gegangen ist.“

Infos zur Ausstellung

Die Ausstellung „Bertha Gerresheim – Florale Welt“ ist noch bis zum 10. Juni 2018 im Fischlandhaus in Wustrow zu sehen.

Öffnungszeiten: jeweils Montag und Dienstag von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Donnerstag von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen jeweils von 11 bis 16 Uhr.

Fischlandhaus Wustrow, Neue Straße 38, 18347 Ostseebad Wustrow,

☎ 038220 / 80465

Stefanie Büssing

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