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Kultur Kornbrand, Witz und Böllerei
Nachrichten Kultur Kornbrand, Witz und Böllerei
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00:00 10.09.2018
General Antje Schulze (Anika Laß) und Kapitän Jan Schulze (Torsten Wiedemann).
Anklam

Mit einem stimmungsvollen Spektakel beiderseits der Peene verabschiedet sich die Vorpommerschen Landesbühne von seinem Open-Air-Publikum 2018. Vor ausverkauften Rängen machten die Akteure um Intendant und Regisseur Wolfgang Bordel dem Publikum bei der Premiere von „Die Peene brennt“ am Samstagabend neuerlich klar: Je ernster die politische, wirtschaftliche und soziale Lage in Vorpommern, Deutschland und der Welt, desto lauter können die Schenkelklopfer nach deftigen Witzen der Mimen am abendlichen Ufer des Peeneflusses ausfallen. Die 17. Auflage des nicht nur für pyromanisch veranlagte Zuschauer bestens geeigneten Spiels dürfte als beschwingte Inszenierung in die Theaterannalen eingehen; vor allem wegen der begeisternden Tänze (Choreografie Anika Laß) und farbenfrohen Ausstattung (Jörg Masser & Team). Kein Wunder, dass die große Crew auf der Bühne nicht umhin kam, mehrere Zugaben zu bieten.

Die Premiere der Neuauflage von „Die Peene brennt“ wurde am Anklamer Hafen am Samstag lautstark umjubelt.

Die Story ausführlich zu erzählen, nähme all jenen den Reiz, die „Die Peene brennt“ noch bis einschließlich 15. September sehen wollen. Deshalb in gebotener Kürze: Entfacht wird ein Handelskrieg, bei dem zwei Amerikaner (köstlich in Akzenten wie mit supercoolen, aber dummen Sprüchen Erwin Bröderbauer und Wolfgang Grossmann) ihre schmutzigen Hände im Spiel haben. Brandenburger und Schweden nehmen die Freie Republik Peeneland ins Visier ihrer Waffen, um die jeweilige Thronfolge nach eigenem Gutdünken durchzusetzen. Liebe meistert natürlich alle Hürden, umstritten indes sind Herstellung, Transport und Verkauf gebrannten Korns, der im Laufe des Abends immer wieder dafür herhalten muss, für Ideen zur Lösung kleiner und größerer Probleme zu sorgen. Gesoffen wird genausoviel wie gefochten und geschossen, was dem Ensemble niemand übel nimmt. Im Norden ist man trinkfest. Erst recht, wenn es darum geht, Intrigen zu spinnen, sich Konkurrenz aus dem benachbarten Loitz vom Leibe zu halten oder Hochzeiten (um noch mehr trinken zu können) erfolgreich anzubahnen.

Im Buch zur Geschichte hat Wolfgang Bordel – wie üblich – jede Menge Aktuelles bemüht, etwa zur Abwechslung mal bayrische Flüchtlinge in Anklam ankommen lassen, was für reichlich belächelte Mundartmonologe sorgte. Nahezu keine Szene ist ohne Bezug zur aktuellen, traurigen Realität, doch muss niemandem das Lachen im Halse stecken bleiben. Im Gegenteil, das Publikum amüsiert sich prächtig; egal, ob Profis wie Schauspieler Torsten Schemmel und Torsten Wiedemann (vom Fritz-Reuter-Ensemble) oder Laien am Werke sind. Der schwedische Admiral Larsen (Detlef Volkmann) weiß mit seinen staubig-spröden Zitaten genau so zu gefallen wie Ex-Schulverwaltungsamtschef Uwe Ulrich Schulz (als Brandenburger General Tassilo). Bravo! Sehr hübsch am Rande der Handlung außerdem: das absolut unpädagogische Tauziehen zwischen Anklams Bürgermeister (Andreas Brüsch) und seiner Frau (Andra Tzschoppe-Gulla) um Sohnemann Jerome Kevin (Ben Riechert).

Wenn zu später Stunde mit rasch entflammten Gerätschaften mutig hantiert wird und das Publikum das lautstarke wie farbenfrohe Feuerwerk erlebt, laufen die Akteure noch einmal zur Höchstform auf.

Anklam gewinnt (wie immer!) die kriegerischen Scharmützel, steht in der Not zusammen und sieht daher der Zukunft optimistisch entgegen. Ach wenn dem doch das wahre Leben folgen würde!

Dabei besteht durchaus Grund zu Optimismus. Denn bevor das Stück startet, versichert Bürgermeister Michael Galander dem Intendanten noch einmal, dass nun zehn Jahre lang 175 000 Euro jährlich von der Stadt an die Landesbühne fließen werden. Als Gegenleistung habe man aber im Kleingedruckten des Vertrages ausgehandelt, dass Bordel persönlich für ein weiteres Jahrzehnt die Peene brennen lassen muss. Vorpommern- Staatssekretär Patrick Dahlemann versichert, mit dem Anklamer Theatervirus infiziert zu sein. Und die Landesregierung wolle sich weiter für die Bühne und ihre diversen Musentempel einsetzen. Ja sogar die in der Vorwoche vor Ort präsentierten Ikareumspläne hätten Landesmutter Manuela Schwesig zutiefst beeindruckt.

Weitere Vorstellungen: täglich 19.30 Uhr bis einschließlich 15. September; Tickets unter Telefon 03971 /

26 888 00

Steffen Adler

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