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Kultur Kraftlinien in Malerei und Druckgrafik
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00:03 10.04.2018
Gerd Otto: „Die Möwe“
Ahlbeck

Gravierender könnte der Unterschied nicht sein. Noch hängen auf einigen weißen Wänden in der gleisnahen Halle die derb-provokanten Illustrationen und Karikaturen von Peter Muziniek, da hat Galerist Horst Herkner schon die neue Exposition gehängt und eröffnet. Unter der Überschrift „Kraftlinien“ zeigt er mehr als 20 Arbeiten des Berlin-Neuköllner Künstlers und leidenschaftlichen Kunstpädagogen, Gerd Otto (1924-2017).

Die Kunsthalle im Bahnhof Ahlbeck zeigt ab sofort Arbeiten von Gerd Otto, einem leidenschaftlichen Kunstpädagogen

Auf den wenig bekannten, aber „sehr starken“ Maler ist Herkner durch Zufall und die Begegnung mit Ottos Tochter Claudia Brüggemann aufmerksam geworden. Sie, die sich der Musik verschrieben hat, berichtete bei einer Begegnung von der lebenslangen Sehnsucht ihrer malenden Eltern nach dem Norden, der flachen Landschaft und dem Meer.

Wie ihr Mann Gerd hat auch Ursula Otto ausgesprochen fleißig und intensiv gemalt. „Wenn sie an der See waren, vorrangig auf Hiddensee, nach dem Mauerbau dann auf Fehmarn und besonders gern auf Bornholm, gingen sie morgens getrennte Wege, um – jeder für sich – künstlerisch zu arbeiten“, berichtet ihre Tochter. Zurück in der Herberge folgte die Diskussion darüber, eine Art Zeremonie sei das gewesen. Ausgang ungewiss, Herangehen aber immer respektvoll. Während Ursula Otto vor allem Aquarelle malte, hatte es ihrem Mann die Ölmalerei angetan. Die Stilistik völlig verschieden, „aber dennoch große Kunst“, findet Galerist Herkner.

Er entschloss sich daher schon vor Jahresfrist, die Bornholmer Motive Ursula Ottos auszustellen. Farbenfrohe, lebensbejahende Hafen- und Inselmotive kann man noch heute auf reizenden Postkarten von Ahlbeck aus mitnehmen. Ein ungewöhnlich schönes Mitbringsel vom Ostseeurlaub.

Und nun also ihr Mann – beide sind im Jahr 2017 verstorben. Und doch begegnen sie sich, die zeitlebens nicht auf Karriere und Ruf aus waren, in einer Usedomer Kunsthalle wieder. Was das Dasein an Unwägbarkeiten doch bereit hält. Und um der familiären Situation wie der Perspektive der gemeinsamen Tochter gerecht zu werden, lädt die Kunsthalle am 13. April zum Künstlergespräch ein. Claudia Brüggemann wird erzählen, wie sie ihre Kindheit und Jugend mit und zwischen den malenden Eltern erinnert. Wie dies ihr Leben beeinflusste – Experimentierfreude, Brüche, Loslösungen von Form und Farbe, Abstraktion und sehr Individuelles eingeschlossen. War das ermunternd oder einengend? Gar liebevoll? Prägte es? Man darf gespannt sein, zuzuhören.

Gerd Otto hat an einer Schule in Neukölln den Fachbereich Kunst aufgebaut und blieb der Einrichtung, vor allem aber den interessierten jungen Leuten stets verbunden. Er galt als Pädagoge mit Leib und Seele und hatte in der Bühnenbildnerei eine zweite Liebe. Als er 1985 pensioniert wurde, gab es ein großes Künstlerfest, von dem man noch Jahre später sprach. Otto musste eine „Überprüfung der Pensionsreife“ ablegen. Es soll grandios gewesen sein.

Steffen Adler

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