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Kreativ hier und jetzt

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Im Schloss Plüschow präsentieren ausgezeichnete Nachwuchskünstler ein breites Spektrum ihrer Arbeiten

Plüschow. Ein Mann im Ringelpulli steht inmitten von erhobenen Daumen, dem Like-Zeichen des Internetdienstes Facebook. Über dem Kopf stülpt ein Eimer, vorne in der Hose eine enorme Beule. So geil macht die Selbstbespiegelung im Internet.

Der Mann im Ringelpulli ist Paetrick Schmidt, 1980 in Wismar geboren, wo er Kommunikationsdesign studiert hat und derzeit lebt und arbeitet. Mehr als 100 Selbstporträts hat er in den vergangenen Monaten aufgenommen – mit den unterschiedlichsten Verkleidungen und Requisiten stellt er Bezüge her zu aktuellen Themen. Paetrick ist einer von sechs jungen Künstlern, deren Arbeiten im Künstlerhaus Plüschow (Nordwestmecklenburg) in der Ausstellung „Hier & Jetzt“ zu sehen sind – Preisträger und Nominierte des Nachwuchskunstpreises, der in diesem Jahr erstmals vom Mecklenburgischen Künstlerhaus in Kooperation mit dem Verband der Kunstmuseen, Galerien und Kunstvereine für Nachwuchskünstler aus MV ausgelobt wurde.

Ramona Seyfarth aus Neubrandenburg sitzt im großen Saal und faltet winzige Papierboote. Sie hat den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis abgesahnt, dazu Coachings und ein Stipendium. Schon ihre preisgekrönte Arbeit setzte sich mit der Flüchtlingsthematik auseinander. „Inzwischen habe ich in einem Integrationsprojekt mit Geflüchteten persönlichen Kontakt, aus diesen Erfahrungen heraus fand ich einen neuen Zugang zu dem Thema.“ Ihre in Kreuzstich- Optik gestalteten Zeichnungen zeigen tanzende Syrer, ihre mehr als 3000 Papierboote symbolisieren das wieder aktuelle Flüchtlingselend auf dem Mittelmeer.

Junge Talente zu fördern und den Kreativen eine Plattform zu geben ist ein Herzensanliegen von Miro Zahra. „In den Nachwuchs zu investieren, bedeutet, bewusst zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen positiv zu beeinflussen. Es ist allgemein bekannt, dass unser Land von einer allgemeinen Überalterung gekennzeichnet ist.

Diese Entwicklung macht sich auch in der Künstlerszene von Mecklenburg-Vorpommern bemerkbar“, sagt die Leiterin des Künstlerhauses. Die Ausstellung zeige, dass die Künstler nicht nur über eine breite Palette von künstlerischen Arbeitsweisen und Strategien verfügen, sondern dass sie auch mit ihrem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern künstlerisch auf vielfältige Art und Weise verbunden seien.

So arbeitet sich Alexander Glandien, gebürtiger Schweriner und jetzt in Linz zu Hause, an dem gestrandeten Beton-Frachter in der Wismarer Bucht ab. Mit einem kleinem Außenbootmotor und anderen Aktionen versucht er vergeblich, den Koloss zu reaktivieren – zu sehen in seinem Video „Untitled Relict“.

Die Bilder von Christin Wilckens, 1982 in Güstrow geboren, wirken eher klassisch. Mit Graphit und Farbpigmenten erzeugt sie fast meditative Stimmungen, Schattierungen geben den Bildern Tiefe. Eine eigene Bildsprache hat auch Linda Perthen, 1981 in Neubrandenburg geboren, gefunden. Sie ist sowohl in Malerei, Objektkunst wie Fotografie und Animationsfilm zu Hause. In Plüschow füllen ihre stark raumbezogenen Bilder ein eigenes Zimmer.

Mannsgroße Objekte von Marie Jeschke, die in Stralsund und Berlin lebt, begrüßen den Besucher im Foyer: Auf leichtfüßig wirkenden hellen Metallbeinen stehen tiefschwarze, dicke glasierte Tontafeln – die wahlweise an Gebetstafeln oder Tablets erinnern.

Die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten widerspiegeln für Miro Zahra einen internationalen Trend. „Wie andere Künstler weltweit lassen sie sich zudem nicht mehr auf ein bestimmtes Medium festlegen.

Diese Auswahl beweist eindrücklich, dass die Kunstszene in Mecklenburg-Vorpommern an weltweit geführte Diskurse anschlussfähig ist. Diese Erkenntnis stärkt die heimische Kunstszene und macht deren Akteuren Mut, selbstbewusster aufzutreten.“

Petra Haase

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