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00:03 09.05.2018
„Ahrenshooper Dünen“ (Öl auf Pappe, 2018)
Ahrenshoop

„Geortet“ – so ist die Ausstellung im Ahrenshooper „Atelier im Dornenhaus“ betitelt. Dahinter verbirgt sich viel mehr, ein spannendes Künstlerleben. Denn Wolfgang Severin-Iben ist ein sanfter, aber auch unbeugsamer Mann. Ein kreativer Geist, der seinen eigenen Weg gegangen ist, als Maler und als Schriftsteller.

Malerei und Zeichnung: Wolfgang Severin-Iben stellt neuere Arbeiten in Ahrenshoop aus

Die neue Ausstellung im Atelier im Dornenhaus zeigt vor allem jüngere Arbeiten des Künstlers. Galeriebetreiberin Renate Löber hat die Ausstellung kuratiert und neuere Werke des Künstlers ausgewählt.

Der Schwerpunkt liegt nun bei Landschaftsaufnahmen – passenderweise einige Ahrenshooper Ansichten, aber auch viele Motive, die in Bützow entstanden sind.

Wolfgang Severin-Iben ist fest mit seiner Heimatstadt Bützow verbunden. Dort hat er eine schwierige Kindheit verbracht, später kam er mit der DDR-Obrigkeit in Konflikt. Wenn er davon erzählt, dann tut er das ohne Bitterkeit. Zum Beispiel von seinem halbjährigen Haftaufenthalt, den er ausgerechnet in seiner Heimatstadt Bützow verbringen musste. In der dortigen Justizvollzugsanstalt waren sowohl sein Vater als auch sein Großvater als Wärter tätig. In der Haftzeit half ihm das Schreiben; ein junger Justizbeamter unterstützte ihn dabei, besorgte Schreibmaterial und bewahrte seine erste Erzählung auf. Längst wurde das Schreiben für den Maler zu einer zweiten Passion.

Severin-Iben wurde, allen Widerständen zum Trotz, autodidaktisch zum Künstler. Seine Passion hat er nie aus den Augen verloren, auch wenn er sich in der DDR mit allen möglichen Arbeiten über Wasser halten musste. Erst in den 1980er Jahren wandte er sich vollständig seiner künstlerischen Leidenschaft zu. Nach der Wende kam für ihn die große Freiheit auch kreativ, verbunden mit Freundschaften zu Rainer Stuchlik, Dieter H. Lohse, Gotthard Böhme, Werner Richter und Joachim John.

In den vielen Jahren hat Wolfgang Severin-Iben seiner Heimatstadt Bützow immer die Treue gehalten, sie auch vielfach in Motiven festgehalten, in guten und in schlechten Zeiten. Einige Motive davon sind nun in Ahrenshoop zu sehen. Eine Bilderserie ist übrigens nach dem Tornado von 5. Mai 2015 in Bützow entstanden, als Wolfgang Severin-Iben mit seinem Malerkollegen Horst Zettier durch die Stadt zog, um die Schäden in Bildern festzuhalten.

Neuere Arbeiten von Severin-Iben haben sozialkritische Bezüge. Es sind die Abgehängten unserer Gesellschaft, die „Straßenbrüder“, die er in seinen Bildern festhält; vielleicht ist auch eine Art Seelenverwandtschaft im Spiel. Von diesen Bildern ist die „Flaschensammlerin“ in Ahrenshoop zu sehen. Wenn der Künstler Menschen zeigt, dann mit großer Liebe, so im Ölbild „Fuffzehn oder Frühstückspause“ in Ahrenshoop. Dort ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Schaffen ausgestellt – so könnte diese Schau auch ein Anlass sein, um Wolfgang Severin-Iben neu zu entdecken. Jetzt geht der Künstler langsam auf die 70 zu, hat aber seine Gelassenheit nicht verloren. „Ich stehe nicht mehr jeden Tag im Atelier“, so Severin-Iben. Dann schreibt er lieber. „Aber im Geiste male ich jeden Tag ein Bild“, bekräftigt der Künstler.

Wolfgang Severin-Iben: „Geortet – Malerei und Zeichnung“; zu sehen bis zum 23. Juli im „Dornenhaus“, Bernhard-Seitz-Weg, geöffnet von Freitag bis Mittwoch von 10 bis 18 Uhr

Leben und Werk

Wolfgang Severin- Iben wurde 1949 in Bützow geboren, wo er heute noch lebt. Der Autodidakt widmete sich stets der Malerei und arbeitete nebenher in Berufen wie Eisenbahner, Anstreicher, Rohrleger, Park- und Friedhofsgärtner. 1979/80 saß der unangepasste Künstler wegen „Schändung der DDR-Staatsflagge“ in Bützow ein. Mit der Wende von 1989/90 begann für Wolfgang Severin-Iben eine Zeit des künstlerischen Aufbruchs.

1993 etablierte sich mit seiner Unterstützung der Bützower Kunstverein. Es entstanden Landschaftsbilder, aber auch sozialkritische Werke. Neben der Malerei ist Wolfgang Severin-Iben auch als Schriftsteller aktiv.

Thorsten Czarkowski

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