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Krimi einer Tatort-Kommissarin

Berlin Krimi einer Tatort-Kommissarin

Andrea Sawatzkis erster Roman „Ein allzu braves Mädchen“ ist erschienen.

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Schauspielerin Andrea Sawatzki (50).

Quelle: Christoph Michaelis

Berlin. Die Schauspielerin Andrea Sawatzki (50) spielte acht Jahre die Hauptkommissarin Charlotte Sänger im „Tatort“. Da wundert es nicht, dass ihr erster Roman ein Krimi ist.

Gestern erschien „Ein allzu braves Mädchen“ bei Piper. Das nur 176 Seiten starke Buch beginnt mit einer Szene, die auch der Prolog eines Film-Thrillers sein könnte: Eine junge Frau kauert sich in einem Wäldchen unter die Bäume, die Arme um den Oberkörper geschlungen, gleichgültig dem Regen gegenüber. Die roten Haare teilt sie mit der Autorin.

In knappen Szenen entwirft Sawatzki das fünfwöchige Protokoll von Therapie-Sitzungen in einer Psychiatrie, an deren Ende das nicht ganz so brave Mädchen Erschütterndes enthüllen wird. Im Rückblick erzählt die Patientin in naivem Ton, wie sie als Kind ihren Alzheimer-kranken Vater pflegen musste, der sie schlug, und wie sie Prostituierte wurde. Jedoch passt es nicht recht zu der anfangs schweigsamen Frau, ohne Motivation plötzlich intime Details in Monologen zu enthüllen. Da ist Sawatzkis Figurenentwurf nicht schlüssig. Auch beruht der Roman auf einer Binsenweisheit der Küchenpsychologie — dass sich die Beziehung zum Vater auf das Verhältnis zu späteren Partnern auswirkt. „Ich mag nicht, wenn Männer sich zu mir bekennen“, sagt die Protagonistin. Jedoch weiß die Autorin durchaus, die Geschichte, deren Auflösung der Leser früh erahnt, bis zum Ende spannend zu erzählen.

Die Frau, die im Beruf Schamgrenzen überschreitet, schämt sich beim Einkauf von Klopapier und Tampons, ekelt sich, wenn Fremde ihr Bad benutzen. In einer Szene gelingt es Sawatzki, die geistige Verwahrlosung der Protagonistin mit wenigen Sätzen einzufangen: „Sie hob den Kopf und beobachtete die kleine Fliege, die nun an der Zimmerwand hochlief. Sie rückte näher an das kleine Tier heran, es schien geschwächt zu sein und zeigte keine Reaktion. Sie nahm es behutsam zwischen zwei Finger und zerquetschte es.“ Beschützend und zerstörend — so ambivalent zeigt sich das allzu brave Mädchen auch gegenüber ihrem Vater und ihren Freiern.

Doch ist es deshalb auch eine Mörderin? Erst am Ende des Krimis wird verraten, was die Psychotherapie-Patientin mit dem toten alten Mann zu schaffen hat, der in seiner Villa gefunden wird. Und es lohnt sich durchaus, bis zur letzten Seite zu lesen.

Andrea Sawatzki: „Ein allzu braves Mädchen“, Piper, 176 Seiten; 16,99 Euro; Lesung: 17. April, Rostock, Buchhandlung Thalia.

Nina May

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