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Kultur Künstler auf der Suche nach ihrem Sehnsuchtsort
Nachrichten Kultur Künstler auf der Suche nach ihrem Sehnsuchtsort
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00:30 23.08.2014

Als das Reisen noch bildete, machten sich die Künstler auf, um die Welt zu erkunden. Italien war das Sehnsuchtsziel, und das nicht nur für die weit gereisten Romantiker.

Der Wechsel der Perspektiven, der Landschaften und der Menschen brachte den Einfallsreichtum zum Glühen.

Der Maler Ferdinand von Kobell (1740 bis 1799) war ein Vorläufer der Romantiker: Er reiste durch Europa, seine Bilder zeigen nicht selten Wanderer in überwältigender Landschaft. Udo Rathke vom Künstlerhaus Schloss Plüschow ist es zu verdanken, dass dieser eher unbekannte Künstler hier nun einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Dabei steht der Goethe-Zeitgenosse gar nicht im Mittelpunkt dieser Schau mit dem Titel „Nahe Ferne“, die in Kooperation mit der Landesinitiative „Natürlich romantisch“ entstand. Vielmehr liefert Kobell gleichsam den Aufschlag für acht Positionen von Zeitgenossen. „Wie gehen heutige Künstler mit den romantischen Themen Reise und Fernweh um“, fragte sich Rathke und lud Künstler ein, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse sind, wie könnte es anders sein, äußerst unterschiedlich.

Während die Malerin Ulrike Seyboth (geboren 1970) in ihren abstrakten Bildern diese Themen eher durch leuchtende Farben, Rot vor allem, und gestische Zeichenhaftigkeit eher sublimiert als darstellt, wird zum Beispiel der Kühlungsborner Wilfried Schröder (geboren 1945) konkret. Er bereiste Pompeji auf den Spuren seines Großvaters und schauderte: „Sehnsuchtsorte, zu touristischen Überfallsorten degradiert.“ Von den Bausünden wandte er sich ab — hin zu den schmucken Erdenkindern. Seine Blätter zeigen Porträts von jungen Männern, beobachtet in der Alltäglichkeit des Stadtlebens.

Das Reisen an sich thematisiert der Schwede Lennart Alves (Jahrgang 1971), der ebenso wie Maix Maier (1960 geboren) mit einer Video-Arbeit vertreten ist. Der für seine seriellen Arbeiten bekannte Künstler filmte die Überfahrt von Malmö nach Klaipeda und zurück von einer Fähre aus und komprimierte das Material auf gut acht Minuten. Die stundenlange Reise wird zum Katzensprung. Aber die Heftigkeit, mit der nach Minuten reiner Horizontlinie das Ufer ins Bild bricht, kann schwindelig maschen.

Eher kühle Sehnsuchtsorte zeigt der Fotograf Andre van Uehm (geboren 1963). Weiße Felder, Schnee oder Raureif, Bauminseln und Horizontlinie. Mecklenburg oder Alaska? Die Zuordnung ist unmöglich.

Seine Landschaften sind Essenzen, die Sehnsucht wird abstrakt.

Anders bei Mike Strauch (Jahrgang 1966). „Ich habe kein Fernweh“, sagt der Friedrichshagener. Überhaupt sieht er den Hang zum Reisen, zumal zum Pauschaltourismus, eher kritisch. „Man kann sich auch anders bilden.“ Informationen, Reisen im Kopf — oder auch am Rechner. Strauchs aktuelle Bilder wurden von „Google Earth“ inspiriert. Ein großformatiges Gemälde heißt sogar „Streetview“, benannt nach den Ansichten fremder Gegenden, die per Internet abrufbar sind. Zu sehen ist ein Haus — ausgerechnet in Italien. Verarbeitet zu einer jener Strauch‘schen Landschaften in Blau und Weiß.

Ein Rest Romantik dürfte aber doch in Strauchs rätselhaften und geheimnisvoll grünen Kulturpflanzen stecken, die schon seit Jahren typisch für die Bilder des Malers sind.

Ein Skeptiker des Reisens dürfte auch Sven Drühl (geboren 1968) sein, dessen tiefschwarzes Bild „H.Y.T.R.N.N. (Undead)“ wie das Negativ einer Landschaftsdarstellung wirkt, die allein durch Umrisse erkennbar ist. Drühl zitiert denn auch den Schriftsteller Thomas Bernhard. Der grantelte: „Warum malen die Maler eigentlich, wo es doch die Natur gibt?“ Weil der Mensch, vor allem der Künstler, immer wieder seinen Blick auf die Natur, auf die Umgebung neu schärfen muss. Und was dabei entsteht, ist nicht nur sehenswert, es offenbart im Idealfall auch dem Betrachter einen neuen Blick auf die Natur.

Wer, wann und wo?
Die Schau „Nahe Ferne“ zeigt Werke von Lennart Alves, Sven Drühl, Maix Maier, Wilfried Schröder, Ulrike Seyboth, Maria Sewcz, Mike Strauch, Andre van Uehm und Ferdinand Kobell.



Die Ausstellung ist bis zum 28. September geöffnet, immer dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.



Ort: Mecklenburgisches Künstlerhaus Schloss Plüschow, 23936 Plüschow, Am Park 6.



• Internet: www.plueschow.de



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