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Kultur Künstler im Widerstand: engagiert, spaßig, berührend
Nachrichten Kultur Künstler im Widerstand: engagiert, spaßig, berührend
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00:55 16.04.2018
Verwirrspiel: Martin Brauer (r.) als Schau- spieler Josef Tura in der Rolle des Professor Silewski; Andreas Anke (l.) als SS- Gruppenführer Ehrhardt. Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa
Schwerin

Das ist wahrlich ein Klassiker, auf der Leinwand und auch auf der Bühne: „Sein oder Nichtsein“ hatte am Freitag im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin Premiere.

Bekannt dürfte der Film sein: Die legendäre Verfilmung von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942 ist eine Premium-Komödie. Die Schweriner Fassung orientierte sich am Original, dem Theaterstück von Nick Whitby, nahm aber auch Elemente aus dem Film auf.

Warschau im Jahr 1939. Das Ensemble des Polski-Theaters will das Stück „Gestapo“ auf die Bühne bringen, wird aber von der polnischen Zensurbehörde zurückgepfiffen. Also greift es auf einen Klassiker zurück: „Hamlet.“ Dann bricht der Zweite Weltkrieg aus, die Darsteller gehen in den Untergrund. Ihre große Stunde kommt, als sie ihre schauspielerischen Mittel im Widerstand gegen die deutschen Besatzer einsetzen können.

Es geht darum, Professor Silewski, einen Nazikollaborateur, zu beseitigen. Die Schauspieler bauen ihr Theater zum Warschauer Gestapo-Hauptquartier um, ein fein inszeniertes Spiel beginnt. Parallel laufen die Intrigen des Theaterbetriebs weiter, auch das Allzumenschliche bricht sich Bahn. Starschauspieler Josef Tura (Martin Brauer) ist nämlich rasend eifersüchtig auf seine Frau Maria (Jennifer Sabel), die sich in einen schicken polnischen Flieger (Flavius Hölzemann) verguckt hat. Eigentlich geht es Josef Tura nur um eins: Der Schauspieler, der zur Untätigkeit verdammt ist, will endlich wieder spielen. Nun bekommt er seine großen Rollen! Er wird in diesem angezettelten Verwirrspiel den Warschauer Gestapo-Chef Ehrhardt und den Professor Silewski verkörpern. Auch die anderen Ensemblemitglieder bekommen ihre Rollen, die sie nun im Widerstand gegen die deutschen Besatzer spielen. Der Widerstand findet auf künstlerischer Ebene statt, bis zum fulminanten Ende, als Hitler Warschau besucht.

Die Mischung aus Politsatire und Gesellschaftskomödie funktioniert immer noch. Regisseurin Steffi Kühnert hat die Leichtigkeit des Originals erhalten, was nicht einfach ist. Schließlich ist das „Hamlet“-Zitat „Sein oder Nichtsein“ auch eine moralische Aufforderung. Die Schweriner Inszenierung fesselt trotz der Länge von zweieinhalb Stunden, die paar unnötigen Modernisierungen stören auch nicht weiter. Eine Paraderolle für Martin Brauer, der hier gleich in mehreren Verkleidungen zu sehen ist, von den kleineren Rollen berührt besonders Jochen Fahr als Schauspieler Grünberg. Und mit den zum Ende des Stücks eingespielten Filmaufnahmen wird sogar das Schweriner Theater zum Darsteller. Weitere Vorstellungen: 21. April, 19.30 Uhr; 22. April, 15 Uhr; 29.4, 18 Uhr, jeweils im Großen Haus der Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin

Thorsten Czarkowski

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