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Künstlerin Lubaina Himid erhält Turner-Preis

Hull Künstlerin Lubaina Himid erhält Turner-Preis

Sklavenhandel, schwarze Dienstmädchen: Die Vergabe des Turner-Preises an Lubaina Himid hat starke politische Aussagekraft

Hull. Als erste schwarze Künstlerin bekommt Lubaina Himid den renommierten Turner-Preis, die wichtigste britische Auszeichnung für moderne Kunst, für ihre politisch geprägten Werke. Die Jury lobte ihre „kompromisslose Herangehensweise“ an schwierige, schmerzhafte Themen wie Kolonialgeschichte und Rassismus. Himid, Vorreiterin der British Black Arts-Bewegung, widmet sich in Gemälden, Grafiken und Installationen dem Einfluss schwarzer Einwanderer auf die westliche Kultur. Ihr Wirken gilt als zentral für die Neuorientierung des Denkens über westliche Kunstgeschichte und die museale Praxis in den letzten 30 Jahren.

Die in Sansibar geborene Himid ist mit 63 Jahren die älteste Künstlerin, die bislang die hohe Auszeichnung bekommen hat. Dies hat sie auch einer Änderung des Regelwerks zu verdanken: Erstmals wurde in diesem Jahr eine Altersgrenze von 50 Jahren aufgehoben. Die Jury ehrte die Professorin für zeitgenössische Kunst der Universität von Central Lancashire am Dienstagabend in der britischen Kulturstadt Hull. Für den Preis werden nur Künstler nominiert, die aus Großbritannien stammen oder dort leben und arbeiten.

Himid sei wahrscheinlich eine der verdientesten unter den vier nominierten Künstlern gewesen, sagt Deutschlandfunk-Kultur-Kritiker Carsten Probst. Ungewöhnlich sei die Wahl allerdings schon, denn neuere Arbeiten Himids rechtfertigten den Preis eigentlich nicht. „Auf mich wirkt das eher wie eine Auszeichnung für ein Lebenswerk“, sagt Probst. Die Kritik britischer Kunstfans an der diesjährigen Auswahl der Nominierten sei nachvollziehbar, weil der große Aufreger gefehlt habe. „Man erwartet vom Turner-Preis einfach, dass dort Dinge passieren, die die Leute aufregen“, sagt Probst.

Die Auszeichnung, benannt nach dem englischen Maler William Turner (1775-1851), wird seit 1984 vergeben. Das Preisgeld für den Gewinner beträgt 25000 Pfund (etwa 28000 Euro). Die Auszeichnung befeuerte etwa die Karrieren von Damien Hirst oder Chris Ofili, die in der Kunstbranche als „Young British Artists“ bekannt wurden.

Zu den vier Nominierten gehörte in diesem Jahr auch die in Stuttgart geborene Andrea Büttner. Sie machte durch Solo-Ausstellungen auf sich aufmerksam, etwa in der Kunsthalle St. Gallen (Schweiz).

Büttner schuf Drucke, Radierungen und Gemälde, in denen es um das Thema „Scham und Verlegenheit“ geht. Außerdem waren der Maler Hurvin Anderson und die Filmkünstlerin Rosalind Nashashibi nominiert.

Bislang wurden erst zwei Deutsche mit dem Turner-Preis geehrt: der Fotograf Wolfgang Tillmans (2000) und die Malerin Tomma Abts (2006).

Die Vergabe des Turner-Preises wird von der Londoner Tate Gallery organisiert. Die vier Künstler werden ihre Arbeiten noch bis zum 7. Januar 2018 in der Ferens Art Gallery in Hull ausstellen.

Silvia Kusidlo

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