Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Künstlerpaare zum Jubiläum

Ahrenshoop Künstlerpaare zum Jubiläum

Die Galerie Peters-Barenbrock zeigt Werke von Ulrike Hansen, Jürgen Reichert, Tamara Suhr und Peter Hermann

Ahrenshoop. Liebe und Kunst zu vereinen birgt zwar kreatives Potenzial, ist aber oft ein schmaler Grat – das zeigen berühmte Künstlerpaare, wie Picasso und Françoise Gilot, Frida Kahlo und Diego Rivera oder Christo und Jeanne-Claude, die sich in ihrem Schaffen beeinflussten, inspirierten, aber auch künstlerische Machtkämpfe austrugen. Denn: Oft ist der Partner auch der schärfste Kritiker.

Dies ist auch in der neuen Ausstellung der Galeristin Sabine Peters-Barenbrock der Fall, die in der zweiten Auflage ihrer Jubiläums-Reihe „Weggefährten“ zwei Künstlerpaare nach Ahrenshoop geholt hat: Ulrike Hansen und Jürgen Reichert (Malerei) sowie Tamara Suhr und Peter Hermann (Skulptur). „Patchwork“ hat sie die Ausstellung genannt – vom Ergebnis ist sie mehr als begeistert. „Es ist noch besser geworden, als ich es mir vorgestellt habe“, sagt die Galeristin mit einem Lächeln.

Und wirklich fügen sich die liebevoll gefertigten Figuren von Peter Hermann und Tamara Suhr scheinbar perfekt in die Farb- und Bildwelten von Jürgen Reichert und Ulrike Hansen ein. Die „Frau mit rotem Zopf“, der Hermann eine weiße Hose und ein Bikini-Top aufgemalt hat, scheint soeben dem Strandmotiv „Paar in Ahrenshoop“ von Ulrike Hansen entstiegen zu sein. Hermanns „Paar mit Hund“ ist in denselben Farben gestaltet wie das Reichert-Bild „Nebulium“, vor dem es auf seinem Lindenholzsockel steht. „Dass das Pärchen und das Bild eine farbige Harmonie bilden, war vorher nicht geplant“, sagt Peters-Barenbrock. „Beide Paare kannten sich bis zur Ausstellung nicht und waren beim Auspacken der Kunstwerke selbst überrascht, was da zutage kommt.“ Entstanden ist eine perfekte Symbiose verschiedener künstlerischer Handschriften, die neben der Liebe zum Detail vor allem die Intensität der Farben eint.

Als Quadrate, Rechtecke, Punkte und Kreise hat Jürgen Reichert sein elementares Werkzeug – die Farbe – auf Leinwand gebannt. Doch was wie ein wildes Spiel mit dem Pinsel wirkt, hat durchaus System.

„In all seiner wilden Farbigkeit hat er eine bestimmte Ordnung in seinen Bildern, sonst würde es nicht funktionieren“, sagt Sabine Peters-Barenbrock.

Leicht und intuitiv wirken auch die Bilder von Ulrike Hansen. Im Gegensatz zu Reichert, der sich der reinen Farbmalerei verschrieben hat, bindet die Künstlerin ihre Bilder jedoch an konkrete Situationen, bannt in expressiver Farbigkeit Szenen aus Ahrenshoop und der Region auf Leinwand. „Ihre Bilder sind eine Liebeserklärung an die Küste“, weiß Sabine Peters-Barenbrock. Gemeinsam mit Reichert lebt und arbeitet Hansen in Berlin und Zingst, ist daher in der Region tief verwurzelt.

Peter Hermann und Tamara Suhr, die gemeinsam im baden-württembergischen Ludwigsburg leben und arbeiten, haben die Galerie in Ahrenshoop mit kleinen und großen menschlichen Figuren bevölkert. Mit großen Augen, schräg geneigtem Kopf und eindringlichem Blick scheinen sich die Bronzefiguren von Tamara Suhr an denen der Besucher festzusaugen. Dabei arbeitet die Künstlerin mit filigranen Details, fängt mit Koffer und wehendem Schal am Bahnsteig oder einer Tulpe in der ausgestreckten Hand selbst kleinste Bewegungen ein.

Im Gegensatz dazu haben die Holzskulpturen von Peter Hermann etwas Statisches, die Hände in den Taschen, den Blick fast gleichgültig in die Ferne gerichtet, verharren sie in ihrer Position, wirken seltsam entrückt und ziehen gerade dadurch die Aufmerksamkeit auf sich. Vorwiegend aus weichem Lindenholz arbeitet Hermann dabei Details wie Gesichtszüge und Hände heraus. Dabei werden durchaus Ähnlichkeiten zu den Arbeiten seiner Frau deutlich. „Adam und Eva gab es vorher nur in Holz, nun hat er sie in Bronze gießen lassen“, sagt Sabine Peters-Barenbrock. Auch die übergroßen Füße und die verfremdeten Körpermaße lassen bei den Skulpturen beider Künstler Spielraum zur Interpretation.

Seit 25 Jahren betreibt die gebürtige Chemnitzerin ihre Galerie, die sie einst 1991 in Braunschweig eröffnete. „Zum Jubiläum wollte ich einige meiner engsten Weggefährten zeigen“, sagt sie. Dazu gehören auch Hubertus von der Goltz und die Leipziger Malerin Annette Schröter. Über den Jahreswechsel ist eine Gruppenausstellung geplant. Noch gut erinnert sich die studierte Bibliothekarin an ihre Anfänge an der Ostsee. „Ich war schon als Kind oft in Ahrenshoop, die Liebe zur Ostsee ist mir in die Wiege gelegt worden.“ 1995 richtete sie in der ehemaligen Strandhalle die erste Sommergalerie ein. „Ich hatte Sand unter den Füßen, das war schon etwas Besonderes“, sagt sie heute. Nach mehreren Jahren Sommergalerie eröffnete sie 1997 mit ihrem Mann Ralph im ehemaligen Atelierhaus Elisabeth von Eicken ein kleines Künstlerhotel mit Galerie, zog 2013 an den jetzigen Standort am Hafenweg. Dort ist die Galeristin nach 25 Jahren angekommen.

Stefanie Büssing

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
DCX-Bild
mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.