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Kultur-Wagnis nahe Berlin: Bahnhofstheater am Wandlitzsee

Wandlitz Kultur-Wagnis nahe Berlin: Bahnhofstheater am Wandlitzsee

Die Schauspieler Sascha Gluth und Julia Horvath haben eine private Bühne inmitten der märkischen Provinz eröffnet.

Wandlitz. Sascha Gluth (46) und Julia Horvath (42) haben schon auf vielen Bühnen und vor zahlreichen Film- oder Fernsehkameras gestanden. Er war lange Jahre Titelheld der Störtebeker-Festspiele auf Rügen und spielte den Faust und den Jedermann in Wismar, seine Frau wirkte in Fernsehserien wie auch Telenovelas mit. Beide lernten sich in Ralswiek auf Rügen bei den Störtebeker-Festspielen kennen. Die Engagements bedeuteten für die freiberuflichen Schauspieler ein rastloses Leben, geprägt von der ständigen Suche nach neuer Beschäftigung.

Wenn sie sich jetzt mit einem eigenen Theater in der märkischen Provinz in Brandenburg niedergelassen haben, waren dafür ganz pragmatische Gründe ausschlaggebend. „Wir haben zwei kleine Töchter, zogen vor Jahren von Berlin in ein Haus in der Nähe von Wandlitz“, erzählt die gebürtige Österreicherin Horvath. Zudem seien beide Künstler „Alphatiere“, die sich nicht gern unterordneten. So wuchs der Wunsch, sich auch beruflich etwas Eigenes zu schaffen.

In der ersten Etage des denkmalgeschützten Bahnhofes Wandlitz-See eröffnete das Paar vor wenigen Wochen sein TaW, das „Theater am Wandlitzsee“, mit 100 Plätzen. Freitags gibt es Konzerte, samstags Schauspiel und sonntags Kindertheater. Die frischgebackenen Betreiber stehen nicht nur selbst auf der Bühne, sondern nutzen ihre Kontakte in der Künstlerszene. „Mit der Heidekrautbahn, die direkt vor unseren Fenstern hält, ist man in einer halben Stunde bei uns“, wirbt Gluth.

Zuvor war in den Räumen die Gemeindebibliothek untergebracht. Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), Eigentümerin der 1928 erbauten Bahnhofs-Immobilie, suchte nach einer neuen kulturellen Nutzung, wie Prokurist Sven Tombrink erzählt. „Die Chemie passte, wir brauchten keine neue Baugenehmigung vom Landkreis und ich bin zuversichtlich, dass die Sache funktionieren kann.“

Zwar gibt es bisher nur an drei Tagen Vorstellungen im TaW, doch während der Woche werden die Räume für Kinderballett- und -theater sowie von einer Musikschule als Untermieter genutzt. „Wir suchten eine Freizeitbeschäftigung für unsere Töchter und staunen über die Resonanz anderer Eltern“, erzählt Horvath, die zudem die Künstler bucht und sich um den Kartenverkauf kümmert. Ihr Mann ist für Marketing zuständig.

Die wöchentlichen Veranstaltungen auf der kleinen Bahnhofsbühne sind gut besucht – trotz der nahen, prallen Berliner Theaterszene. „Aufgrund des Überangebots sind die ein volles Haus gar nicht gewohnt. Hier im Brandenburgischen sind Kulturangebote überschaubar. Deshalb kommen die Leute gern zu uns“, hat Gluth beobachtet. Wer einmal im TaW aufgetreten sei, werde zum „Wiederholungstäter“.

Familien, die mit ihren Kindern bewusst ins Grüne am Rande Berlins gezogen sind, „wollen gerade am Wochenende Kultur genießen und dafür nicht immer erst nach Berlin fahren“, ergänzt Horvath.

Kollegen wie die Schauspieler Ursula Karusseit und Herbert Köfer oder die Sängerinnen Angelika Mann oder Angelika Weiz waren schon da oder treten wieder im TaW auf. Die frischgebackenen Theatermacher genießen es, auf ihrer eigenen Bühne zu stehen – in kleinen, feinen Inszenierungen, die Wohnzimmer-Atmosphäre verbreiten.

Sascha Gluth präsentiert in „Whiskey und andere irische Lebensläufe“ beispielsweise groteske Geschichten aus Irland, Julia Horvath schlüpft in „Marlene Unplugged“ in die Rolle von Marlene Dietrich.

Das seien „Glücksmomente“ nach Umbau-Stress und Finanzaktionen, sagen beide.

Jeanette Bederke

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