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Kulturmensch und Mime – Peter Sodann wird heute 80

Staucha Kulturmensch und Mime – Peter Sodann wird heute 80

. Locker und launig empfängt Peter Sodann kurz vor seinem heutigen 80. Geburtstag die Journalisten, die sich im einstigen Rittergut des Dörfchens Staucha bei Meißen die Klinke in die Hand geben.

Staucha. . Locker und launig empfängt Peter Sodann kurz vor seinem heutigen 80. Geburtstag die Journalisten, die sich im einstigen Rittergut des Dörfchens Staucha bei Meißen die Klinke in die Hand geben. Noch im Herbst traf man eher auf seine polternde, zuweilen bärbeißige Seite. Mit der Gesundheit stand es nicht zum Besten und ein Zwischenlager für seine mittlerweile auf rund drei Millionen Bände angewachsene DDR-Bibliothek bereitete ebenfalls Sorgen.

Heute probiert er wieder seine frühere Treppenläuferqualität. Nur den Rückenschmerzen kann er nicht abhelfen. Auf mindestens drei Lebenswerke kann Peter Sodann jetzt schon zurückblicken. Als Schauspieler wurde er am bekanntesten. Der Weg dahin lief für den Arbeitersohn aus Meißen nicht geradeaus. Eine Werkzeugmacher-Lehre, ein angefangenes Jurastudium standen vor dem Wechsel an die Theaterhochschule Leipzig 1959. Doch Spitzen im Studentenkabarett „Rat der Spötter“ brachten ihm eine Verurteilung wegen staatsgefährdender Hetze ein, bevor er 1963 sein Schauspielstudium fortsetzen konnte. Dass er ein Jahr später am Berliner Ensemble auf Vermittlung seines Freundes Heinz Kahlau bei Helene Weigel einsteigen konnte, bezeichnet er als „einsame Spitze“. Nach Stationen in Erfurt und Karl-Marx-Stadt, heute wieder Chemnitz, avancierte Sodann 1975 zum Schauspieldirektor in Magdeburg. In diesen Jahren begann seine Filmlaufbahn, die er ab 1992 mit zahlreichen „Tatort“-Folgen als Kommissar Ehrlicher krönte.

Seit 1980 lag sein Lebensmittelpunkt in Halle. Der Ausbau des „neuen theaters“, ja die gesamte Kulturinsel kann als sein zweites Lebenswerk gelten. Als Intendant schied Sodann 2005 vorzeitig und gegen seinen Willen aus. Noch heute gebe es Leute dort, „die sich ärgern, wenn sie mich sehen“, lächelt er.

In Halle begann nach 1990 auch die Rettung von Büchern aus DDR- Verlagen, die sonst vernichtet worden wären. Zufällig fand er in Staucha für viele Bücher ein Domizil. Mit bescheidener Hilfe, die Sodann sich für das „Kulturgut“ der nach ihm benannten Bibliothek reichlicher wünschte, aber mit schier unerschöpflicher Energie hat der Mime im Ex-Rittergut auch ein kleines Kulturzentrum geschaffen. Diese vitale Hartnäckigkeit bewundert sein Sohn Franz, seit 2014 sächsischer Linke- Landtagsabgeordneter. „Wo andere aufhören würden, bleibt er stur“, sagt dieser.

„Meist habe ich gesagt, was ich dachte, das war anderen oft nicht angenehm“, betont Vater Peter. Als ihn die Linke 2009 als Kandidat für das Bundespräsidenten-Amt nominierte, kritisierte er den Zustand unserer Demokratie. Auch mit seiner Linken liegt er zuweilen quer. Sodann, der sich Sozialist nennt, war schon als Schüler Gerechtigkeitsfanatiker. Im Alter beschäftigen ihn zunehmend Gott und Christentum. Er habe nie begriffen, dass Christen und Kommunisten sich streiten, wo es doch verblüffende Ähnlichkeiten zwischen Bergpredigt und Kommunistischem Manifest gebe.

Michael Bartsch

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