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00:00 21.02.2017
Stralsund

„Gucken Sie mal, was für Steine sie uns in den Weg gelegt haben, und wir sind trotzdem weitergegangen“, sagt Christine Beyer. Die Inhaberin der Stralsunder Hansegalerie, die sich in stilvollem Ambiente im historischen Rathaus befindet, blickt auf ein altes Foto. Das Bild könnte kaum symbolträchtiger sein. Mehr als 30 Jahre lebt Beyer, die im Staatlichen Kunsthandel der DDR begonnen hat, nun schon für die Kunst. Der Weg in die Selbstständigkeit, mehrere Umzüge, private und finanzielle Klippen hat die 63-Jährige erfolgreich umschifft. Und bis heute hat sie sich die Begeisterung für ihren Beruf erhalten.

„Hier wird nicht gehandelt und nichts verschenkt!“ steht an der Kasse auf einem Schild. „Das muss man sich erst mal trauen“, sagt Beyer und lacht. Es ist ein kleiner Seitenhieb auf die Dienstleistungsmentalität im heutigen Kunstbetrieb. Seit Gründung der Hansegalerie 1985, damals noch als Staatlicher Kunsthandel, ist Beyer im Kunstgeschäft. Zunächst als Angestellte, später als Leiterin. „Ich möchte die Zeit nicht zurückhaben, aber damals ging es viel mehr um die Künstler und die Kunst, heute steht der Kunde im Mittelpunkt“, sagt sie.

Dabei war der Weg zur Kunst für Christine Beyer kein direkter. Zunächst absolviert die gebürtige Stralsunderin eine Lehre zur Bankkauffrau, studiert später an der Fachschule Ökonomie für Informationsverarbeitung. „Es sollte auf jeden Fall etwas Seriöses sein“, sagt sie und lacht. Doch schon während der Schulzeit lernt sie ihren späteren Mann Peter Beyer kennen. Sein Vater ist der Stralsunder Künstler Tom Beyer (1907-1981). „Ich habe schon früh das Leben im Künstlerhaushalt kennengelernt, in dem enge Freunde wie Jo Jastram und Otto Niemeyer-Holstein ein- und ausgingen. Es war eine andere Welt, in die ich eingetaucht bin“, sagt Beyer. „Ich denke, das war das Entscheidende, sonst gäbe es die Galerie heute nicht.“

Nach der Arbeit in verschiedenen sozialistischen Betrieben, unter anderem als Planungsleiterin, bewirbt sie sich in der neu gegründeten Hansegalerie und arbeitet bis zum Ende der DDR für den Staatlichen Kunsthandel. „1991 war ich eine der Ersten, die sich selbstständig gemacht haben“, erzählt Beyer. Neben dem Namen nimmt Beyer auch Kollegin Solveig Wallmann-Weck mit, die bis heute an ihrer Seite ist. „Wir ergänzen uns sehr gut. Es ist schon fast wie eine Ehe“, sagt Beyer mit einem Augenzwinkern. Treu geblieben ist sie auch ihren Künstlern. „Diejenigen, die mir damals wichtig waren, sind es auch heute noch“, sagt sie. Dazu gehört natürlich Tom Beyer, inzwischen auch ihr Sohn, der Fotograf Peter Conrad Beyer, der Ueckeritzer Künstler Otto Manigk (1902-1972), Beyers inzwischen verstorbener Lebensgefährte, der Stralsunder Künstler Hermann Lindner (1934-2000), in dessen Haus die Hansegalerie eine Zeit lang beheimatet war, sowie Künstlerspross Jan Jastram, der Sohn von Inge und Jo Jastram, von dem Beyer seit Neuestem auch Arbeiten auf und aus Papptellern zeigt.

Neben bildender Kunst, die vorwiegend aus dem nordischen Raum stammt, hat Beyer auch angewandte Kunst in ihrem Programm, wie die Keramik der gebürtigen Hannoveranerin Hedwig Bollhagen (1907-2001), mit der Beyer besondere Begegnungen verbindet. „Ich war oft in Marvitz bei Berlin und weiß noch, wie sie mit 90 Jahren mit Käthe-Kollwitz-Krönchen und kariertem Kittel morgens um sieben in der Werkstatt stand“, sagt Beyer und lächelt.

Ähnlich motiviert ist auch die Stralsunderin: „In den vergangenen 30 Jahren gab es ziemliche Durststrecken, trotzdem ist die Kunst für mich eine Lebensaufgabe. Wenn es die Gesundheit zulässt, stehe ich hier noch, wenn ich 80 bin.“

Stefanie Büssing

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