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Kunst als begehbare Bildwelt

Putbus Kunst als begehbare Bildwelt

Bis zum 4. Dezember wird im Circus in Putbus die Ausstellung des Düsseldorfer Künstlers Lorenzo Pompa gezeigt

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Hat in Putbus ein räumliches Kunst-Szenario geschaffen: Künstler Lorenzo Pompa (54).

Quelle: Stefanie Büssing

Putbus. Es lässt sich vieles über die Werke von Lorenzo Pompa sagen – allen gemein ist aber eins: Sie bleiben im Gedächtnis. Bereits 2015 ließ der deutsch-italienische Künstler in einer Gruppenausstellung im Rügener Circus Eins eine Salatgurke sterben und die Besucher am Verfall teilhaben. In der aktuellen Ausstellung „Hoarded Centuries“, die er eigens für den Ausstellungsort konzipiert hat, zeigt er 25 Bilder und Skulpturen, die er in verschiedenen „Szenarien“ gestaltet hat.

OZ-Bild

Bis zum 4. Dezember wird im Circus in Putbus die Ausstellung des Düsseldorfer Künstlers Lorenzo Pompa gezeigt

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Es ist ein Spiel mit Körper und Raum – wer die Ausstellung im Circus Eins besucht, hat das Gefühl, eine eigene Kunstwelt zu beschreiten. Und das kommt nicht von ungefähr: Schon als Kind betrachtet Lorenzo Pompa, der aus einer Künstlerfamilie stammt, die Bilder seines Vaters, stellt sich vor, wie es wäre, die Bildwelten aus der Fläche in den Raum zu übertragen und sich darin zu bewegen.

Ähnliches schafft er nun mit seinen Skulpturen, Objekten und Gemälden, die in Form, Farbe, Inhalt oder Motivgebung miteinander korrespondieren und so zu einer Art begehbarem Bild werden.

Da sind zum einen großformatige Kakteenbilder in kräftigem indischen Gelb auf silbernem Hintergrund. Die Kakteen wirken wie abstrahierte Figuren und ermöglichen dem Betrachter über diesen Wiedererkennungseffekt den Einstieg ins Bild. „Ich wollte, dass der Körper ein Gegenüber findet, einen gegen-Stand, der einem das Gefühl dafür gibt, wer man ist“, erklärt Pompa. Dabei stehen sich auch auf den Bildern zwei Bildpaare gegenüber, die durch Gestus und Farbe voneinander getrennt sind und anmuten wie Täter und Opfer. „Die einen stehen aufrecht, die anderen liegen am Boden“, so Pompa. Dass trotz aller Ernsthaftigkeit auch ein gewisser Witz in seinen Werken steckt, zeigt sich unter anderem in seinem kleinen Kabinett, in dem Pompa als Mini-Porträts die Charaktere zusammengestellt hat, die sich in den großen Kakteenbildern wiederfinden.

„Die Bilder einfach an die Wand zu hängen, fand ich langweilig“, sagt Pompa. Im rechten Flügel des Circus hat er daher den Raum optisch zusammengezogen, indem er sein Kakteenbild an einer Befestigung mitten in den Raum gehängt hat. Darüber hat er ein Pendant in metallisch dunklen Tönen angebracht, das als eine Art Himmel fungiert, unter dem sich der Betrachter bewegen kann. Flankiert wird das Ganze von einer liegenden Gips-Skulptur. „So ergibt sich eine völlig neue Konstellation. Durch das Zusammenspiel entsteht eine Spannung, in die der Betrachter unweigerlich miteinbezogen wird“, sagt Pompa.

Den Ausstellungstitel „Hoarded Centuries“ hat Pompa mit Bedacht gewählt: „Centuries hoarded, to pull up a mass of algae and pearls“ oder auch „angehäufte Jahrhunderte, aus denen man Unmengen von Algen und Perlen hervorziehen kann“, lautet eine Zeile aus einem Canto des amerikanischen Dichters Ezra Pound. „Es ist ein tolles Bild für die Beschreibung des irdischen Daseins“, erklärt Pompa. Die angehäuften Jahrhunderte, für den Künstler sind sie gesammelte künstlerische Erfahrung und zugleich deren Rechtfertigung. „Ich sehe ich mich selbst als Glied in einer langen Kette“, sagt er. Das Bild der Jahrhunderte, für Pompa ist es zugleich ein Bild von Leben und Tod, das er auch auf seine Ausstellung überträgt. Oft sind es nur kleine, fast banal erscheinende Gesten, die Pompa in größere Sinnzusammenhänge stellt: wie sein Strich an der Wand, der sich langsam auflöst und so zum Symbol für Vergänglichkeit wird. Und dann, mit dem Glas eingelegter Essiggurken, die eine glasierte Keramik einfassen, kommt doch wieder der für Pompa so typische Humor durch: vermutlich auch eines der Werke, das sich dauerhaft einprägen wird.

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25 Werke sind unter dem Titel „Hoarded Centuries“ im Circus Eins in Putbus auf der Insel Rügen zu sehen. Die Ausstellung wird noch bis zum 4. Dezember gezeigt und ist von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

1962 wurde Lorenzo Pompa in Krefeld geboren, aufgewachsen ist er in Rom. Er studierte zunächst Architektur in Rom und später an der Fachhochschule Düsseldorf. Von 1997 bis 2003 studierte er an derKunstakademie Düsseldorf, unter anderem bei Georg Herold. Seit 1992 lebt und arbeitet der Künstler im nordrheinwestfälischen Düsseldorf. Ausstellungen von ihm waren unter anderem in Belgien, den Niederlanden, Frankreich und zahlreichen Städten in Deutschland zu sehen.

Stefanie Büssing

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