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Kunst aus Lyon im Hafen von Wismar

Wismar Kunst aus Lyon im Hafen von Wismar

Eine bemerkenswerte Doppelschau ist das Ergebnis deutsch-französischer Kultur- Zusammenarbeit. Jeweils elf französische und deutsche Künstler zeigen ihre Arbeiten.

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Carole Fromenty mit Installationen aus historischen Zeichnungen.

Wismar. Die Hansestadt Wismar ist derzeit der Schauplatz eines ambitionierten Ausstellungsprojektes: Künstlerinnen und Künstler aus der französischen Stadt Lyon und aus dem Raum Wismar stellen gemeinsam aus. Die Räume sind zwar noch getrennt, aber beide Ausstellungen wurden gestern am Nachmittag innerhalb der Stadtmauern von Wismar eröffnet: Den Gästen hatte man den originelleren Ort vorbehalten — sie zeigen ihre Arbeiten im großzügigen und charmant-maroden, weil nur partiell sanierten Erdgeschoss des imposanten Thürmann-Speichers direkt an der Wasserkante in Wismars altem Hafen.

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Der franz�sische K�nstler Christian Jacques stellt in Wismar unter anderem seinen aus Altmetall geschaffenen skurrilen Skateboarder aus. Fotos (2): Matthias Sch�mann

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Die Gruppe Wismarer Künstler zeigt ihre Arbeiten in der Gerichtslaube im Rathaus, wenige Laufminuten vom Hafen entfernt. Beteiligt sind jeweils elf Künstlerinnen und Künstler aus Lyon und aus Mecklenburg-Vorpommern.

Seinen Ursprung fand das Kunst-Projekt in der Kooperation der Universität Lyon mit der Hochschule Wismar. Diese Liaison besteht seit dem Jahr 1996 — zwischen den Wirtschaftswissenschaftlern. Das 50-jährige Jubiläum des Elysee-Vertrages habe den Anstoß gegeben, sich einmal in wirtschaftsfernes Terrain zu begeben, erklärt Dr. Joachim Winkler von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der HS Wismar. Gemeinsam mit Bernd Hoffmann von der Universität Lyon setzten sie das Projekt in Gang. „Es war schnell klar, dass es keine Veranstaltung mit Referaten geben würde“, sagt Mitorganisatorin Brigitte Neugebauer-Winkler.

Bereits im vergangenen November stellte die Gemeinschaft Wismarer Künstler in Lyon aus, für Wismar kuratierte der Lyoner Künstler Pierre Bonetto die Franzosen-Schau unter dem Titel „Von der Rhone zum Baltischen Meer“ im Speicher. Zu sehen sind Arbeiten einer losen Gruppe von französischen Künstlern, die häufig gemeinsame Projekte angehen.

Das Spektrum ist breit. Carole Fromenty zeigt in kleinteiligen Installationen zerschnittene Leiber aus historischen Zeichnungen, in den Leerstellen leuchten blutrote Ornamente wie Eingeweide.

Eher burlesk fallen die verspielten Skulpturen von Christian Jacques aus, die einen Skateboarder oder einen jugendlichen Schlagzeuger darstellen — angefertigt aus Altmetall. Der Fotograf Christoph Boulard zeigt „Ausweichende Landschaften“, die an Gerhard Richters Malerei erinnern mögen. Noel Podevigne zaubert verwunschene Landschafts-Fotos in Schwarzweiß.

Kurator Bonetto verbindet in seinen Bildern florale Motive mit der Kunst der Seidenmalerei, für die Lyon einst berühmt war.

In der Gerichtslaube sind unter dem Titel „Künstler aus Wismar blicken auf Europa“ unter anderem die Stadt-Grafiken von Britta Matthies zu sehen — kombiniert mit einer originellen Druckplatten-Skulptur. Wolf-Dieter Pfennig zeigt seine prägnanten Aquarelle, von Olaf Hoppe sind fotorealistische Acrylbilder zu sehen. Mit seiner „Tänzerin“, einem großen Pferdekopf aus Bronze und mehreren Kleinplastiken ist Rainer Kessel vertreten — Arbeiten, die den französischen Kurator Bonetto fasziniert haben. Eine künstlerische Seelenverwandtschaft offenbart sich da. Obwohl er ein Einzelgänger sei, könne er sich vorstellen, mit Kessel zu arbeiten. Vorerst dürfte es aber bei der Vorstellung bleiben, denn die Sprachbarriere sei immens, bekennt Pierre Bonetto.

Kulturelle Zusammenarbeit sei im Elysee-Vertrag von 1963 festgeschrieben, sagt Joachim Winkler. Die Hauptsache der Kooperation zwischen Wismar und Lyon, nämlich das gemeinsame Konzipieren und Organisieren der Ausstellungen, lasse sich gar nicht mehr abbilden. Aber gerade sie sei Kern des Projekts. „Zusammenarbeit, das ist kein Vertragsgegenstand, sondern ein Erleben“, so Winkler. Dass das Projekt erfolgreich ist, belegen nicht nur die Ausstellungen. Sondern auch die Tatsache, dass es vom Auswärtigen Amt anerkannt wurde. Außerdem: Wenn die Schau der Wismarer endet, geht sie direkt nach Brüssel in die Vertretung Mecklenburg-Vorpommerns.

Von der Rhone zum Baltischen Meer
An der Doppelausstellung in Wismar sind folgende Künstler beteiligt:


„Von der Rhone zum Baltischen Meer“ — Pierre Bonetto, Christoph Boulard, Carole Fromenty, Christian Jacques, Christophe Lachize, Pascal Michalon, Julien Minard, Noel Podevigne, Sylvie Sauvageon, Claire Terral, Uli Traunspurger.


„Künstler aus Wismar blicken auf Europa“ — Angelika John, Rainer Kessel, Klaus-Dieter Steinberg, Volkmar Förster, Britta Matthies, Susanne Tonn, Wilko Hänsch, Anna Martha Napp, Karin Zimmermann, Olaf Hoppe, Wolf-Dieter Pfennig.

Die Doppel-Schau dauert bis zum 28. April im Thormann-Speicher, Wismar. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr.

In der Gerichtslaube ist die Ausstellung täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Matthias Schümann

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