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Kunst für Kaarz: Ein Mandala aus 430 Reflektoren

Wismar Kunst für Kaarz: Ein Mandala aus 430 Reflektoren

Die Installation von Annette Leyener, die im Mai im Schlosspark gezeigt werden soll, lässt Raum für Interpretation

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Kunsttableau: alte Reflektoren von Lastkraftwagen als interessanter Blickfang. Sie sind im Schlosspark Kaarz zu sehen.

Wismar. Die Künstlerin Annette Leyener hat in ihrem Leben schon einiges erlebt: Sie hat mit Helge Schneider auf der Bühne gestanden, mit Verhüllungskünstler Christo zusammengearbeitet und ist als Studentin mit der Kamera durch stillgelegte Zechen im Ruhrgebiet gezogen. Jener Neugier verdankt sie auch ihren heutigen Beruf. Ihr neues Projekt: eine Installation aus mehr als 400 Reflektoren für die Ausstellung „Das grüne Zitat“ im Mai auf Schloss Kaarz.

 

OZ-Bild

Annette Leyener zeigt ihr Modell für das 1,70 mal 1,70 Meter große Kunstwerk aus Reflektoren.

Quelle: Fotos: Diemar Lilienthal

„Schon als ich 14 Jahre alt war wollte ich trotz des Protests meiner Eltern Künstlerin werden. Im Künstlerischen habe ich die Möglichkeit gesehen, den Geheimnissen der Welt auf den Grund zu gehen“, erinnert sich die 57-Jährige, die zunächst visuelle Kommunikation in Essen studiert, danach Fotografie in Köln. „Für mich war das eine Möglichkeit, zu forschen, an die Substanz zu gehen und die verrücktesten Projekte umzusetzen“, sagt sie. Mit der Kamera macht sie sich auf die Spurensuche der Vergangenheit, dokumentiert im Ruhrgebiet die sterbende Zechenlandschaft und das Leben auf dem Hamburger Kiez. „Es war eine harte Begegnung, aber auch sehr berührend“, sagt Leyener über Letzteres.

Neben der Fotografie widmet sie sich weiteren Verfahren. „Zu Beginn wollte ich malen, bin dann aber sehr schnell auf den Holzschnitt gekommen, das hat so etwas Skulpturales“, sagt sie. Ein für Leyener existenzielles Thema ist der Umweltschutz. „Durch die Beschäftigung mit Pflanzen bin ich auf Strukturen gekommen und habe Pflanzensilhouetten oder Schatten im Holzschnitt verarbeitet“, sagt sie.

Eine generelle Frage, die ihrer Kunst bis heute zugrunde liegt, lautet: Wie weit haben wir uns von der Natur entfernt und damit von uns selbst? Das zeigt sich auch an ihren Holzschnitten, auf denen Leyener zum Beispiel Hasen auf dem Kopf arrangiert hat. „Wir Menschen versuchen oft Dingen, die eine eigene Ordnung haben, unsere Ordnung aufzuzwingen und scheitern daran“, sagt sie. Dabei entbehren ihre Kunstwerke nicht eines speziellen Humors, vereinen so Existenzielles mit einer gewissen Leichtigkeit. Und: Leyener spielt mit Vorliebe mit der Wahrnehmung des Betrachters. Das zeigt sich auch an ihren Skulpturen und Installationen, von denen zwei bereits im vergangenen Jahr im Park von Schloss Kaarz zu sehen waren.

„An“ und „Aus“ hatte die Künstlerin per Schablone mit weißer Kreide auf die Rinde einer Gruppe von sieben Bäumen geschrieben. Um die abwechselnde Wortlinie der Installation zu sehen, kam es auf den Standpunkt des Betrachters an. Auch in diesem Jahr hat sich die 57-Jährige etwas Besonderes einfallen lassen: Sie wird ein Mandala aus 430 drei- und rechteckigen Reflektoren, die an einem 50 Meter langen Edelstahlseil aufgezogen sind, zwischen die Bäume im Schlosspark Kaarz hängen. Nachts soll das Kunstwerk von Scheinwerfern angestrahlt werden. „Dadurch kriegt es einen Goldschimmer. Um diesen zu sehen, muss der Betrachter allerdings parallel zum Lichtstrahl stehen“, erklärt Leyener. Interessant für die Künstlerin ist dabei nicht nur das Spiel mit der Wahrnehmung, sondern auch die Verbindung von Heiligem und Profanem. „Ein Mandala dient ja als Meditationshilfe, dafür, sich auf etwas Wesentliches zu konzentrieren. Hier trifft etwas, das in einem anderen Kulturkreis heilig ist, auf etwas Profanes wie Reflektoren.“

Mit der Installation wird die umtriebige Nordrhein-Westfälin, die in Düsseldorf und Wismar lebt und arbeitet, nebenbei als Professorin an der Hochschule Wismar ihr Wissen an Studenten weitergibt, auch in diesem Jahr wieder für Denkanstöße sorgen. Sie lassen Raum für Interpretation. „Früher war mein Thema eins zu eins der Mensch, heute arbeite ich abstrakter.“ Für Leyener ein Entwicklungsprozess: „Heute schaffe ich mit meiner Kunst Verknüpfungen, die eine andere Ebene aufmachen und den Horizont des Betrachters erweitern.“

Ausstellung „Das Grüne Zitat“ in Kaarz

7 Künstler werden in diesem Jahr unter dem Motto „Das Grüne Zitat — Tag und Nacht“ den Park von Schloss Kaarz (zwischen Schwerin und Güstrow) gestalten.

Dazu gehören Ramona Seyfarth, Regine Müller-Waldeck, Holger Stark, Bernd Engler, Annette Leyener, Broder Burow und Ruzica Zajec. Sie schaffen ihre künstlerischen Beiträge für einen bestimmten Ort im Park. Alle sieben Kunstwerke werden in der Nacht mit Solarstrahlern beleuchtet und formieren geheimnisvolle und magische Lichtoasen.Ausstellung: 8. Mai bis

20. November, Eintritt frei

Von Stefanie Büssing

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