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Kultur Kunst mit der Kettensäge: Vom Eichenstamm zum Turner
Nachrichten Kultur Kunst mit der Kettensäge: Vom Eichenstamm zum Turner
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00:12 15.05.2018
Robby Schubert bei letzten Feinarbeiten an seiner „Venusmuschel“ aus Lärchenholz. FOTOS (2): HENRIK NITZSCHE
Zinnowitz

Motorkettensägen kreischen, riesige Holzstämme werden per Radlader bewegt, Holzspäne fliegen durch die Luft – eine Woche lang ist der Platz vor dem Zinnowitzer Kulturhaus eine große Holzwerkstatt. Die Holzbildhauer sind wieder da, zum 15. Mal. Während des Symposiums entstehen Holzskulpturen aller Couleur. Da ist der Turner beim Handstand auf einem Pauschenpferd in Lebensgröße, den Thomas Lüscher aus dem Eichenstamm erschaffen will. Die Figur soll den Eingangsbereich der sanierten Sportschule schmücken. Thomas Lüscher ist Schweizer und zeigt es. Auf den Ohrenklappen seines roten Helms prangt das Schweizerkreuz. Der freischaffende Holzbildhauer ist zum fünften Mal beim Symposium. „Das ist hier wie eine Weiterbildung. Man tauscht sich aus und spricht über die Kunst, Holzarten, Schutzausrüstung oder auch die kleinen Gebrechen mit Gelenken und Rücken“, sagt der Schweizer, der noch einen weiteren Grund für sein Wiederkommen nennt: „Das Meer, ich liebe das Meer.“ Und wohl auch Ruinen, denn das marode Überbleibsel des Kulturhauses ist für den Eidgenossen „mit viel Charme verbunden. Wenn es Luxuswohnungen werden, ist der weg. Dann ist es 0815 und nicht mehr so speziell“.

17 Holzbildhauer arbeiten eine Woche in Zinnowitz / Zuschauen ist erlaubt

Das passiert noch

Heute: 15 Uhr Bronzegießen mit dem Schweizer Thomas Lüscher

Mittwoch: 16 Uhr Speedcarving mit anschließender Versteigerung von Exponaten

Samstag: 20 bis 23 Uhr

Skulpturennacht mit „Jam-Session“

Die Geschichte dieser Veranstaltung ist auch für den damaligen Ideengeber – „das ist mein Kind“ – aus Aue, Detlef Jehn, mit dem Zustand des Kulturhauses verbunden. „Jahr für Jahr wird uns erzählt, dass hier was passiert. Bauschilder standen schon viele. Nun scheint es ja endlich was zu werden“, sagt Jehn, der neun von zehn Kreativen der Künstlergruppe „exponart“ aus Sachsen mit nach Usedom gebracht hat. 17 Holzbildhauer sind es insgesamt – ein Schweizer und zwei Italiener machen es international. Und locken in der Woche mit ihrer „Kunst im öffentlichen Raum“ viele Schaulustige an. „Wir haben mittlerweile zahlreiche Stammgäste, die extra ihren Urlaub so buchen und das eine oder andere Stück erwerben“, so Detlef Jehn. Er war es, der 2002 bei seinem Urlaub in Zinnowitz mit der Familie auf der Promenade spazierte und eine Bank aus Marmor entdeckte. Da passen besser Holzskulpturen hin, sagte er sich, begeisterte seine Künstlerkollegen, überzeugte die damalige Kurdirektorin Monika Schillinger und startete am 13. Mai 2004 mit zwölf Bildhauern.

Seitdem heulen einmal im Jahr Mitte Mai in Zinnowitz die Kettensägen auf. Zum Turner vor der Sportschule soll sich noch ein Volleyballer gesellen, der aus italienischer Hand gefertigt werden soll.

Eine Vineta-Figur gibt es für die Promenade, einen „Bäcker“ aus Holz für ein Geschäft am Kreisel in der Neuen Strandstraße. Gespannt darf man sein, wer sich für „Erna springt ins kalte Wasser“

begeistern wird. Diese lustige Figur will Wolfgang Schott aus dem Eichenstamm erschaffen. Die Arme sind schon zugesägt.

Henrik Nitzsche

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