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Kunst statt Dieselmotoren

Rostock Kunst statt Dieselmotoren

In Rostock hat sich eine Gruppe von Künstlern in einer Industriebrache zusammengetan. Die Atmosphäre des alten Dieselmotoren- werks wirkt inspirierend.

Rostock. . Es ist eine WG ohne Übernachtung. Eine Art Künstler-Arbeitsgemeinschaft in der Industriebrache – generationenübergreifend, genrebrechend. Im alten Dieselmotorenwerk im Süden von Rostock arbeiten Fotografen, Schmuckdesigner, Maler, Grafiker, Bildhauer, Webdesigner in einer sehr eigenen Atmosphäre zusammen und auch nebeneinander. Unten im Hof ist das Künstlerkollektiv „Schaum“ um den Rostocker Fotografen Tim Kellner und die Bildhauerin und Grafikerin Alexandra Lotz aktiv.

2010 bezogen Kellner, Lotz, Janet Zeugner, Wanja Tolko und Mark Wiesel, die Gründergeneration von „Schaum“, die alten Fabrikräume. Den Kontakt hatte die Malerin und Grafikerin Barbara Kinzelbach (78) hergestellt, die schon seit 2001 dort ihr Atelier hat. Über die Jahre hatten sich weitere Künstler auf dem Gelände des alten Dieselmotorenwerkes, das unter Denkmalschutz steht, angesiedelt. Auch der Fundus des Rostocker Volkstheaters war dort untergebracht.

Jetzt hat jemand anderes die Hosen an. Freyja Ronja, die einjährige Tochter von Janet Zeugner krabbelt in Latzhose und mit Schnulli im Mund durch die Räume und schaut den Künstlern zu. Mama Janet hat sich als Kunstfotografin der experimentellen Fotografie zugewandt. Zeugner, wie auch Kinzelbach, Lotz und Kellner waren bereits Teilnehmer der OZ-Kunstbörse. Janet Zeugner (39) wurde in Berlin geboren und hat in Wismar studiert. Bei ihren experimentellen Arbeiten oder besser Entdeckungen lässt sie scheinbar Absurdes lebendig werden. Das Thema Zeit spielt in ihren Bildern eine elementare Rolle, da sie Menschen und Orte aufeinandertreffen lässt, die in der Realität einander nie begegnet wären. Menschen, die sie auf einer ihrer Chinareisen fotografiert hat, am Strand von Warnemünde.

Mit Hilfe chemischer Prozesse arbeitet diese Fotografie äußerst poetisch mit den Mitteln der Malerei.

Zuletzt waren Arbeiten von Janet Zeugner in der Ausstellung „Zugezogener Himmel, Wolkendecke“ im Neuen Kunsthaus Ahrenshoop zu sehen – eine Gemeinschaftsausstellung mit der Grafikerin Iris Thürmer und Lyrikern. In der ehemaligen Landesirrenanstalt „Auf der Domjüch“ in Neustrelitz setzt sie sich derzeit wieder in einer Gemeinschaftsschau mit acht Künstlern mit der Geschichte der Euthanasie dort bis 1945 auseinander. Es geht auch darum, den Opfern, ein Gesicht zu geben. Die Fotografie von Janet Zeugner ist eine sehr eigene, experimentell-fotografische Erinnerungsarbeit.

Barbara Kinzelbach (78) ist seit Jahren eine feste Größe im Mecklenburgischen Kunstbetrieb – als Malerin, Grafikerin, Bildhauerin, Fotografin. 2001 folgte sie ihrem Mann, dem Biologen Ragna Kinzelbach, der 1992 an die Rostocker Uni kam. Vorher hat sie sich erstmal zehn Jahre angeschaut, wie das mit der Kunstszene an der Ostsee so läuft, bevor sie ihre hessische Heimat verließ. Barbara Kinzelbach hatte in Mainz Biologie studiert und sich der Malerei, Tierstudien, dem Porträt und der Plastik zugewandt. 2001 gründete sie mit mehreren Künstlern in Rostock den Kulturgüterbahnhof.

Sie sagt über ihre Arbeit: „Ich bin Biologin. Mich interessieren Strukturen. In meinen Waldbildern zum Beispiel interessiert mich nicht der Wald selbst, sondern das Gefühl, das ich im Wald habe.“ Als Biologin schaut sie, trotzt sie der Landschaft, der Umgebung Strukturen, fast schon mathematische Formationen im Natürlichen ab – und das auf unterschiedlichste Weise und mit unterschiedlichsten Materialien. Trotzdem sagt Barbara Kinzelbach: „Das Porträt ist das Zentrum meiner ganzen Arbeit, um das alles kreist. Schon seit der Kindheit.“

Porträts, Landschaften, Abstraktionen, Strukturen, Bildhauerei, Fotografie – ein Großteil ihrer Motive findet sie weltweit auf Reisen, ob mit einer Serie vom Baikalsee oder einem ausgetrockneten Salzsee in Tunesien, dem sie ganze Kunstwelten abgewinnen kann. Ab 15. Juli sind Werke von Barbara Kinzelbach in der Gemeinschaftsausstellung „Transparenz“ auf Schloss Willigrad zu sehen.

Jens Wagner (43) ist seit 2011 Fotograf. Zuvor war der gelernte Koch aus Gera in der Gastronomie tätig – in Österreich, der Schweiz, Warnemünde. Jetzt widmet er sich Art en Vogue-Events, fotografiert Hochzeiten, Familien, Musikbands, arbeitet im Bereich Porträt, Nude/Sensual und Firmenfotografie. „Ich fotografiere hauptsächlich Menschen, übernehme aber auch Auftragsfotografie“, sagt Wagner.

Die schmale Grenze zwischen Kunst und Handwerk schreitet Antje Adam (33) aus Greiz in Thüringen täglich ab. Sie hat Goldschmiedin in der Klostergoldschmiede Rostock gelernt und in Wismar und Heiligendamm Schmuckdesign und am Caspar-David-Friedrich-Institut in Greifswald Kunstpädagogik studiert. In den Ohrläppchen trägt sie knallrote Ringe, die intensiv den Kontrast zu ihren schwarzen Haaren betonen und viel über ihre Arbeit aussagen. Antje Adam orientiert sich in ihrem Schmuckdesign an der Natur, an den Formationen und Farbgebungen der Pflanzenwelt – Knospen, Äste oder Gräser im Wind – die sie mit den Materialien Silber und Titan zu materialisieren scheint. Die Schmuckstücke verkauft sie auf Kunsthandwerkermärkten, via Internet und über die Galerie Teterow.

Michael Meyer

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