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Kunsthalle zeigt preisverdächtige Werke

Rostock Kunsthalle zeigt preisverdächtige Werke

Heute sind die Arbeiten der fünf Kandidaten für den elften Rostocker Kunstpreis 2016 zu sehen

Rostock. Eine zarte Pflanze liegt in der Hand von Künstlerin Anne Carnein. Immer wieder legt sie das Objekt ab, betrachtet ihre Ausstellungsstücke und verändert deren Positionen. „Ich schaue, was gut zusammenpasst“, erklärt die gebürtige Rostockerin. Verblüffend echt sehen die Wurzel- und Pflanzengebilde aus, die sie in ihrem Teil der neuen Ausstellung „Rostocker Kunstpreis 2016. Kleinplastik“ ab heute in der Kunsthalle Rostock präsentiert.

Die Ausstellung wird von den fünf Kandidaten gestaltet, die dieses Jahr für den elften Rostocker Kunstpreis im Genre Kleinplastik nominiert sind. „Wir haben hier ganz unterschiedliche Auffassungen von Skulpturen“, erklärt der Kurator der Kunsthalle, Ulrich Ptak. Kleinplastiken bis 50 Zentimeter, die in den letzten fünf Jahren entstanden sind, konnten für die Ausschreibung eingereicht werden.

Anne Carnein, Katrin Lau, Rainer Kessel, Anna Martha Napp und Cindy Schmiedichen haben sich mit ihren Werken aus dem Kreis von 49 Bewerbern durchgesetzt.

„Die Auswahl ist gut gelungen, denn jeder macht etwas anderes“, meint Carnein. Sie arbeite an Pflanzenobjekten, die als Stellvertreter für den Menschen zu verstehen sind – modelliert aus Draht, Kleidung, Stoffen und Garnen.

Neben ihren Pflanzenobjekten sind schwer anmutende Figuren, bleierne Helme, charakterstarke Terrakotta-Figuren, vielschichtige Farbkörper zu sehen. So stehen in hartem Gegensatz zu Carneins Plastiken die Objekte von Anna Martha Napp, die im Bereich gegenüber positioniert sind. Die fraktalen Figuren menschlicher und tierischer Art aus Gips, Steinguss oder Bronze wirken im Raum präsent und gewichtig.

Ruhig und anmutig erscheinen hingegen die Terrakotta-Figuren von Katrin Lau. „Besonders wichtig ist mir die Farbe, mit der ich versuche, den Figuren einen Charakter zu verleihen“, sagt die gelernte Restauratorin, die in ihre Werke Erfahrungen aus dem Umgang mit antiken Plastiken und spätmittelalterlichen gefassten Holzskulpturen einbringt.

In Kontrast dazu stehen gegenüber die klassischen Werke von Rainer Kessel, der neben dem Pferdmotiv auch aus dem Abfall von Dachdeckerarbeiten wie ein Hutmacher Helme gießt und formt. Ganz anders geartet sind wiederum die Kleinplastiken von Cindy Schmiedichen. Ihre Farbkörper aus Gips und Pigment stehen ohne Sockel direkt auf dem Boden, damit nichts von den Objekten ablenkt. „Reduktion ist eine Kunst“, sagt Schmiedichen, die sich von Anregungen in der Welt – wie Gesteinsschichten, Verwitterungen oder Himmelsgebilden – inspirieren lässt.

„Kleinplastiken sind vielseitig. Das sieht man in dieser Ausstellung“, erklärt Kurator Ptak. Die kontrastreiche Anordnung war dabei fast nur dem Zufall geschuldet, denn die Ausstellungsplätze wurden verlost. „Einige Künstler haben aber im Nachhinein noch getauscht“, sagt Ptak.

Der Kurator lässt den Künstlern in der Gestaltung der Ausstellung freie Hand – auch um die Preisvergabe nicht unnötig zu beeinflussen. „Die Jury hat jetzt die Chance sich anhand der Originale ein Bild zu machen.“ Die Kommission besteht aus externen Fachleuten, Vertretern der Kulturstiftung Rostock e.V., der Hansestadt Rostock, der Kunsthalle Rostock sowie der Provinzial-Versicherung als Unterstützer der Auszeichnung. Auf welchen Künstler ihre Entscheidung fällt, wird am 3. Dezember um 16 Uhr im Rahmen einer Festveranstaltung in der Kunsthalle Rostock bekanntgegeben.

Mit dem Rostocker Kunstpreis werden Künstler gefördert, die in MV leben oder deren Werke einen Bezug zur Region haben. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 10000 Euro dotiert.

Lisa Fritsche

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