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Kuschelig und brav: Offenbach als hübsche Revue

Rostock Kuschelig und brav: Offenbach als hübsche Revue

Volkstheater Rostock versucht mit dem Musiktheater „Paris! Paris!“ nach Motiven des deutsch-französischen Komponisten einen biederen Neustart

Rostock. Premieren-Saison-Start am leckgeschlagenen Volkstheater Rostock. Nicht als ambitionierter und spektakulärer „Stapellauf“, der eine neue Ära ankündigen soll, sondern als mit aller Kraft unternommener Versuch der Übriggebliebenen, mit einer Musiktheater-Produktion den Kahn wieder flott zu machen.

Dabei hatte man sich auf den genialen Jacques Offenbach besonnen, aber nicht auf eine seiner unsterblichen Operetten, sondern auf eine Bruchstück-Melange aus zehn von diesen, von „Pariser Leben“ bis zu den „Banditen“, darunter manch Ungekanntes, und seine nachgelassene Oper „Hoffmanns Erzählungen“ blieb auch nicht ausgespart. „Paris! Paris!“, nennt sich das Gebilde und verspricht einen „musikalischen Höllenritt durch die göttlichen Operetten Offenbachs“.

Zusammengestrickt hat dies die Hausregisseurin Babette Bartz. Sie traf die Auswahl, betextete einige Lieder neu, bearbeitete die Dialoge (machte auch noch das instruktiv-humorige Programmheft) und verknüpfte die einzelnen Episoden durch eine dünne, spannungslose Handlung, in der ein Südamerikaner in Paris sein Geld verjubeln will. Dabei geht ein Gutteil der gesellschaftskritischen Sotissen, mit denen Offenbach die Hohlheit der Zeit Napoleons III. attackiert hatte, verloren, wird aber nicht durch neue ersetzt – statt bissigem Witz und schlagkräftigen Pointen eher gemütlicher Humor und harmlose Späße.

Babette Bartz hat dies historisierend in Szene gesetzt, im kuschelig naturalistischen Bühnenbild von Mathias Bethyna, in der ansehnlich bunten abwechslungsreichen Kostümwelt von Ulrike Schlafmann, unter dem beständigen Zeichen des „Moulin Rouge“ – das es in Offenbachs Zeit noch gar nicht gab, ebenso wenig wie den Eiffelturm, mit dem als Requisit permanent hantiert wird.

Das schnurrt mit revueartig betriebsamem Tempo ab, ständig sind alle in immer wieder neuen Arrangements in Bewegung, nicht nur die ironisch agierende Tanzcompagnie oder der Opernchor, sondern ebenso alle Einzeldarsteller. Mit unverdrossener Spiel- und Darstellungslust albern sie herum und machen unschuldigen Comedy-Jokus aus der Klischeekiste, sich selbst vorsichtig auf die Schippe nehmend.

Auffällig dabei der unverwüstliche Titus Paspirgilis in vielfachen Faktotums-Rollen. „Höllisch“ war das nicht, eher unverbindlicher Spaßleerlauf, ohne Gegenwart und Wirklichkeit als zielgenauer Treffpunkt. So blieb es tatsächlich Offenbachs „göttliche Musik“, die die entscheidenden Akzente setzte. Und die war hier anhörenswert und durchaus vergnüglich und in den sängerischen Darbietungen auch von musikalischer Witzigkeit.

James J. Kee gab den Südamerikaner, der immer wieder in neue tenorale Rollen der Bruchstücke schlüpft, Matthew Peña und Maciej Idziorek taten es ihm kraftvoll und markant gleich. Zusätzlichen Glanz spendierten die Damen Jasmin Etezadzadeh und Elena Fink, besonders die letztere mit einer köstlichen bravourösen Parodie der Olympia-Arie und – auf andere Art – der Antonia-Arie aus „Hoffmanns Erzählungen“, und beide zusammen in der romantisch-süffigen Barkarole, die auch szenisch ironisch-hintersinnig waren.

Begleitet von der Norddeutschen Philharmonie unter Kapellmeister Manfred Hermann Lehner, mit maßvollem Schwung und nicht immer dem nötigen angespitzten Pep, mündete es schließlich in den Damenbein schwenkenden Cancan aus „Orpheus in der Unterwelt“ von solch übermütigem Temperament, das selbst das ältere Publikum mitklatschen konnte.

So feierte der wackere Stadttheater-Modus von anno dunnemals fröhliche, durchaus gekonnte Urständ. Als haltsuchender Neustart mag das angehen. Aber weiter gehen sollte es so nicht.

weitere Aufführungen:

24.09. – 19:30 Uhr, 2.10. – 15:00 Uhr, 6.10. – 15:00 Uhr, 28.10. – 19:30 Uhr

Heinz-Jürgen Staszak

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