Volltextsuche über das Angebot:

0 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Längst Bekanntes neu gestaltet

Längst Bekanntes neu gestaltet

Zwei Flaggschiffe des sinfonischen Repertoires präsentierten die Geigerin Julia Fischer (31), der Dirigent Michael Sanderling (47) und sein Orchester, die Dresdner ...

Voriger Artikel
Der Kaiser bringt Schlossinsel zum Beben
Nächster Artikel
GPS führt Radfahrer zu Feiningers Malorten

Heinz-Jürgen Staszak über ein Konzert mit Geigerin Julia Fischer in Redefin

Zwei Flaggschiffe des sinfonischen Repertoires präsentierten die Geigerin Julia Fischer (31), der Dirigent Michael Sanderling (47) und sein Orchester, die Dresdner Philharmonie, in einem Festspielkonzert am Sonnabend in Redefin: das Violinkonzert (1879) von Brahms und die Sinfonie Nr. 7 (1813) von Beethoven. Aber nicht die Fülle des bloßen Wohllauts, der blank geputzte Hörgenuss, das Déjà-vu beim oft Gehörten waren der Kern dieses außergewöhnlichen Erlebnisses, sondern die aufregende Erfahrung, dass das längst Bekannte immer wieder neu und originell gestaltet werden kann.

Julia Fischer ist eine exzellente Geigerin, die die volle technische Kontrolle über ihr Spiel hat und damit einen schier unerschöpflichen Reichtum von Gestaltungsmöglichkeiten. Den setzte sie zu einer spannenden Entfaltung des sinfonischen Prozesses ein, als dessen Entwicklungsmotiv sie offenbar das lyrisch-gesangliche Melos auffasste, das nicht mehr bloß die virtuos-konzertierende Energie kontrastiert. Die edle Kantabilität und ihre Figurationen gestaltete sie mit solch tief durchdachter Nuancierung, dass man begriff, so viel Schönheit ist unsicher und fragil, bedarf des Schutzes durch energische Tatkraft: Es ist solche Schönheit, die zu ihrer Bewahrung die Energie hervorbringt.

Das Orchester, das hier noch nicht ganz auf der Höhe der Solistin war, entfaltete dann seine eigentliche Leistungskraft mit der großen Sinfonie von Beethoven. Auch Michael Sanderling beeindruckte hier mit einem originellen Zugriff. Er löste diese Sinfonie, komponiert zur Zeit der bejubelten Niederlage des napoleonischen Frankreich, von dem durch Richard Wagner in die Welt gesetzten gemütlichen Vorurteil, dass es sich dabei um die „Apotheose des Tanzes“ handele. Er wich keiner ihrer klanglichen und rhythmischen „Gewaltsamkeiten“ aus, machte sie gleichsam zur Geburt des Marsches aus dem konfligierenden Geist des Rhythmus und führte sie schließlich zur Apotheose des revolutionären Geschwindmarsches, der sich den ganzen Erdkreis unterwerfen will — jenes Geschwindmarsches — List der Geschichte oder Beethovens —, der ein entscheidendes taktisches Mittel des besiegten Napoleon war.

 



OZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.