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Lässt sich Gott im Kernspintomographen fotografieren?

Hirnforscher im Theater Lässt sich Gott im Kernspintomographen fotografieren?

Das Performance-Kollektiv Rimini-Protokoll hat sich in seiner neuesten Arbeit „Brain Projects“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg mit den Grenzen der Hirnforschung auseinandergesetzt - und wissenschaftliche Experten zum Streitgespräch auf die Bühne geholt.

Hamburg. Was geschieht, wenn ich „ich“ sage? Wie entsteht aus dem organischen Material Bewusstsein? Mit „Brain Projects“ hat das Performance-Kollektiv Rimini Protokoll am Sonntag sein neuestes Projekt im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg zur Uraufführung gebracht.

Die Performance will sich mit der Geschichte und dem aktuellen Stand der Gehirnforschung auseinandersetzen. Dabei vertreten auf der Bühne im leergeräumten Malersaal wissenschaftliche Experten unterschiedliche Forschungsperspektiven.

Die Neurobiologin Irini Skaliora glaubt, das Zusammenspiel der Zellen mittels Experimenten an Mäusen erforschen zu können. Auf einer Videoleinwand sehen wir das Gehirn einer Maus, das in einer Schale mit Nährstofflösung auch dann noch arbeitet, wenn der dazugehörige Körper längst gestorben ist. Die Wissenschaftlerin kann die Verknüpfung der Zellen messen, erklärt sie, und zeichnet komplexe Strukturbilder des Gehirns in verschiedenen Situationen. Ob sie auch schon einmal probiert habe, LSD in die Nährstofflösung zu kippen, will ihr Kollege Felix Hasler wissen, der sich selbst als Zweifler an den Möglichkeiten der Neurobiologie vorstellt.

Hasler experimentiert lieber mit bewusstseinserweiternden Drogen und deren Auswirkungen auf die Hirnaktivität. Einmal sei einer seiner Probanden aus dem Kernspintomographen gefahren und habe aufgeregt erzählt: „Ich habe gerade Gott gesehen“. Auf den Bildern seines Gehirns sei aber nichts Auffälliges zu erkennen gewesen, Gott ließ sich mit den Mitteln der Wissenschaft nicht fotografieren. Während Hasler spricht, bauen seine beiden Mitstreiterinnen seine Geschichte mit kleinen Pappkulissen vor einer Videokamera nach.

Die Berge seiner Heimat Liechtenstein werden so wie im menschlichen Gehirn mit einem Miniatur-Labor zu einer Biografie zusammenmontiert und auf eine Leinwand projiziert: alles subjektiv, alles das Produkt eines individuellen Puzzles. So wie auch die Erinnerungen von Lobna Allamii. Vor der Kamera bauen die Performer eine Kulisse des Gezi-Parks in Istanbul auf. Bei den Protesten 2013 wurde Allamii zur Ikone wider Willen, erzählt sie. Ein Polizist schoss in die Menge. Eine Tränengas-Kapsel traf die junge Frau und fügte ihr schwerste Hirnverletzungen zu. Als sie nach langem Koma aufwachte, ging nichts mehr. Sie konnte nicht sprechen und lesen - wichtige Gehirnareale waren offenbar beschädigt worden.

Die Geschichte, wie sie sich mühsam den Weg ins Leben zurückkämpfte, berührt - und würde auch ohne die Vorträge der wissenschaftlichen Kontrahenten funktionieren, die irgendwo zwischen Hörsaal und Dokumentation wenig neue Erkenntnis transportieren. Und immer wieder in gespielten Wortgefechten münden.  

Dass heute das Gehirn der Demonstrantin wieder funktioniert, sieht Hasler als einen Beweis für die Grenzen der Neurobiologie. Müssen wir denn immer alle Antworten im Gehirn suchen, fragt der Skeptiker zum Schluss. Nein, aber wo sollen wir denn sonst suchen?, antwortet seine Kollegin. An diesem nicht allzu komplexen Abend werden jedenfalls keine neuen Antworten gefunden.

dpa

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