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00:00 02.12.2017
Marcus Schramm (41) aus Greifswald: „o.T. (laugh)“ aus dem Jahr 2013. REPROS (6): STAATLICHES MUSEUM SCHWERIN
Güstrow

Es ist wie ein Gang durch die zeitgenössische Kunstgeschichte im Güstrower Schloss. Der regionalen, ist man geneigt, spontan zu denken. Schließlich ist die Kunstsammlung des Landes mit 3500 Werken die umfangreichste Sammlung zeitgenössischer Kunst aus Mecklenburg und Vorpommern. Doch regional greift zu kurz, denn mit Oskar Manigk, Christian Frosch, Friedrich Wilhelm Fretwurst, Margret Middell, Lars Lehmann, Gerhard Stromberg, Rolf Wicker besitzt das Land Positionen, die im nationalen Diskurs Gewicht haben. Künstler wie Ramona Seyfarth, und Jacqueline Duhr, die wohl am Anfang großer Karrieren stehen, Annette Leyener, Marc Wiesel oder Sven Ochsenreither strahlen auch jetzt schon weit über den deutschen Nordosten hinaus.

Schloss Güstrow zeigt Kunstankäufe des Landes von 2015 bis 2017. Insgesamt 116 Werke von 23 Künstlern. 131000 Euro wurden dafür investiert.

„Land in Sicht“

13100 Euro hat das Land MV von 2015 bis 2017 in seine Kunstsammlung investiert: Von 23 Künstlern wurden insgesamt 116 Arbeiten erworben.

Ausstellung „Land in Sicht“: 2. Dezember bis 4. März 2018, Schloss Güstrow, Di-So 11-17 Uhr.

116 Ankäufe von 23 Künstlern sind seit 2015 zu dieser Sammlung hinzugekommen. 131000 Euro hat das Land dafür investiert. Diese Zukäufe zeigt das Staatliche Museum Schwerin, das im Auftrag des Kultusministeriums die kuratorische Verantwortung für die Sammlung trägt, nun in seiner Schau „Land in Sicht“ im Schloss Güstrow.

Die nationale Vernetzung lässt sich sehr gut ablesen, wenn man sich die Biographien der Künstler anschaut. Die meisten stammen zwar aus MV, leben, unterrichten und arbeiten aber an der Burg Giebichenstein in Halle , in Berlin oder Düsseldorf. Einen Teil der Künstler hat es erst später nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen – wie Annette Leyener aus Essen, die nun an der Hochschule in Wismar unterrichtet, Margret Middell, die 1976 von Berlin nach Barth-Glöwitz gezogen ist, oder Gerhard Stromberg aus Ludwigshafen am Rhein, der nach dem Studium nach Südengland zog und nun in Goldberg lebt. Regina Erbentraut, Leiterin des Güstrower Schlosses, sagt: „Die Kunst ist zwar in diesem Bundesland verortet und entstanden, entspricht aber der Formel des nationalen Diskurses – zum Teil auch international.“

Ihr ist es gelungen, spannende Gegenüberstellungen und Verbindungen zu schaffen. So finden sich in einem Raum Holzschnitte von Margret Middell und Annette Leyener und Zeichnungen von Holger Stark.

Während man dieses Genre von Stark, der ja eher für seine großformatigen, zum Teil destruktiven Installationen bekannt ist, nicht erwartet hätte, korrespondieren die drei Positionen sehr harmonisch.

Die Klarheit der grafischen Formen bei Stark trifft auf expressive Arbeiten einer fast archaischen Technik. Starks 20 Zeichnungen „Burnt Fingers“ , eine Hommage an den amerikanischen Aktionskünstler Terry Fox, greifen seine Rasterthemen Ordnung, Destruktion und Aufbrechen der Systematiken auf.

Die klaren politischen Positionen in den fotografischen Selbstinszenierungen von Jacqueline Duhr hängen in einem Raum mit verspielt expressiven Figurationsansammlungen eines Oskar Manigk. Ein Raum ist den Altmeistern Matthias Wegehaupt und Friedrich Wilhelm Fretwurst gewidmet – eine weise Entscheidung. Die Lichtinstallation „Lange Lichtschlange“ von François Morellet (1926-2016), ein Ankauf von 1997, scheint sich mit den Ölbildern von Wolfgang Tietze aus Finistère in der Bretagne zu unterhalten. Die klassischen Stillleben von Lars Lehmann geben der schrillen Bauschaum-Plastik „Blubb“ von Marcus Schramm ein wenig Ruhe. Die stolzen, geraden Kinder in den Bildern von Sven Ochsenreithers „Night Train“ sind ein schöner Kontrapunkt zu den fast manisch wirkenden, ästhetisch wie politisch aufgeladenen Werken von Ramona Seyfarth. Land in Sicht – das gilt.

Michael Meyer

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