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Land kauft das Erbe des Herzogs

Schwerin Land kauft das Erbe des Herzogs

MV zahlt nach zähen Verhandlungen 9,5 Millionen Euro — und behält damit seine Kulturschätze.

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Das Gemälde „Prinzessin Charlotte Frederike von Mecklenburg“ (1791) wurde von Christoph Friedrich Reinhold Lisiewsky gemalt und gehört zum jetzt erworbenen Kulturschatz.

Schwerin. Königin Charlotte ist wieder nicht dabei. Das 1781 entstandene Gemälde der Königin von England und geborenen Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, eine Replik des im englischen Schloss Windsor hängenden Originals, ist eigentlich ein Prunkstück der viel diskutierten „Sammlung Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg“, die das Land Mecklenburg-Vorpommern jetzt käuflich erworben hat. Doch dieses Bild bleibt mit sieben weiteren „Erinnerungsstücken“ im Familienbesitz des ehemals herzoglichen Hauses.

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Vergoldete Pappmachéverzierungen schmücken diesen Schrank aus der Ludwigsluster Kartonfabrik (um 1790).

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Nach zähen Verhandlungen mit Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff, der Chefin des Hauses Mecklenburg-Schwerin, gehen die Schätze für einen Paketpreis von 9,5 Millionen Euro ins Eigentum des Landes über. Dies sei vor acht Tagen vereinbart und gestern vom Kabinett gebilligt worden, erklärte ein Sprecher des Kultusministeriums in Schwerin. Für alle Sammlungsstücke, die nicht angekauft werden, sei eine zehnjährige unentgeltliche Leihgabe sowie ein zeitlich unbeschränktes Vorkaufsrecht vereinbart worden, hieß es. Die Kulturstiftung der Länder wird den Ankauf der herzoglichen Sammlung voraussichtlich mit 1,3 Millionen Euro unterstützen, eine halbe Million Euro wird die Bundesbeauftragte für Kultur beisteuern.

„Die Herzogin“, so teilt das Kultusministerium mit, obwohl es in Deutschland seit 1920 keine Herzöge mehr gibt und die ehemaligen Titel seither nur noch als Bestandteil des Namens geführt werden — „die Herzogin“ und Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) bezeichneten den Abschluss übereinstimmend als „fairen Kompromiss“. Kulturpolitisch besonders bedeutsam sei dabei die Tatsache, dass die Sammlung nahezu vollständig dem Land, seinen Bürgern und Besuchern erhalten bleibe.

Über den Ankauf des herzoglichen Erbes aus Gemälden, Möbelstücken, Waffen, Uhren, Porzellan und anderen Gegenständen war mehr als zehn Jahren lang verhandelt worden. Die „Sammlung Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg“, benannt nach Donatas Vater, war 1997 wieder der Familie zugesprochen worden. Bis 2014 durfte das Land die Kunstgüter aber nutzen.

Nach einem ersten Verhandlungsergebnis 2010 unter Kultusminister Henry Tesch (CDU) lag der Preis für die zu verkaufende Sammlung noch bei 7,9 Millionen Euro, sollte damals aber 18 „Erinnerungsstücke“

weniger umfassen als jetzt. Doch der Kauf kam nicht zustande. Zwei Jahre vor Ablauf der Nutzungsfrist für das sogenannte Nießbrauchsrecht der Sammlung durch das Land erhöhte Donata 2012 den Druck mit höheren Forderungen.

Der jetzige Kaufpreis liegt um 1,6 Millionen Euro höher als 2010, enthält dafür aber einiges mehr. Neben 18 der 26 Stücke, die Donata früher noch als sogenannte „Erinnerungsstücke“ aus der Sammlung lösen wollte, sind insgesamt 323 Stücke eines sogenannten „Dachbodenfundes“ auf dem Dach des Schlosses Ludwigslust hinzugekommen.

Der Direktor des Staatlichen Museums Schwerin, Dirk Blübaum, begrüßte das Verhandlungsergebnis: „Mit der Einigung ist die bestmögliche Lösung erzielt worden.“ Im Schloss Ludwigslust sei schon jetzt ein Teil der Sammlung in 13 Räumen des Westflügels zu sehen. Nach Abschluss der Sanierung im Ostflügel soll ein großer Teil der Sammlung in über 20 weiteren Räumen auf zwei Etagen zu sehen sein.

Eröffnung: 6. März 2016.

Die Erhöhung der Kaufsumme erklärt Blübaum vor allem mit der Preisentwicklung auf dem Kunstmarkt. „Stücke wie unser Schinkeltisch werden sehr nachgefragt, und selbst was den Dachbodenfund betrifft, wurden uns zu einzelnen Stücken Äquivalente für über 10 000 Euro angeboten.“ Mit dem jetzt erworbenen Konvolut sieht der Direktor gute Möglichkeiten, dauerhaft fürstliches Leben und damit einen Teil der Landesgeschichte zu präsentieren.

Erleichtert zeigte sich der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Helmut Holter. „Damit hat das jahrelange Tauziehen hoffentlich ein Ende“, meinte er. Grünen-Fraktionsvorsitzender Jürgen Suhr kritisierte die Höhe des Kaufpreises. CDU-Fraktionschef Vincent Kokert meinte, bedeutende Kunstgegenstände kämen nun wieder in den Besitz des Landes und könnten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das Erbe des Herzogs — warum der Preise gestiegen ist

9,5 Millionen Euro zahlt das Land Mecklenburg-Vorpommern für das Erbe von Christian Ludwig , des letzten Herzogs zu Mecklenburg (1912-1996). Die 260 Stücke wurden nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt, 1997 der Familie wieder zugesprochen, blieben aber bis 2014 in der Nutzung des Landes. Das bleibt nun auch weiter so.
7,9 Millionen Euro hätte der „Donata- Deal“ 2010 kosten können. Jetzt wurden die Verhandlungen mit der Chefin des Hauses Mecklenburg-Strelitz, Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff, um 1,6 Millionen teurer. Neu im Paket sind 323 Stücke, die auf dem Dachboden des Ludwigsluster Schlosses gefunden wurden.

 



Dietrich Pätzold

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