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Kultur Leben in der Wärme der Hölle
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00:00 10.10.2017
Auf der Suche nach den Szenen ihrer Ehe: Beatrice Boca und Ulf Perthel als Lisa und Gilles. Quelle: Foto: Reiner Nicklas

Lisa und Gilles sind seit 15 Jahren zusammen, als er verunglückt und sein Gedächtnis verliert. Nach zwei Wochen Krankenhaus führt Lisa ihn in die Wohnung und damit zurück in ein Leben, das es neu zu entdecken gilt. Schnell wird klar, dass Krankheit als Symbol in dem Stück „Kleine Eheverbrechen“ an der Kleinen Komödie in Warnemünde verstanden wird. Gilles Amnesie ist die Antwort auf eine bislang noch unbekannte Frage.

Es geht also um eine generelle Revision des ehelichen Lebens, und nach und nach wird deutlich, dass die beiden keineswegs die harmonische Beziehung geführt haben, die Lisa ihrem heimgekehrten Ehemann vorgaukelt. Ebenso zerbröselt Gilles Amnesie, und beide liefern sich schonungslose Analysen, wobei sich eine Story aus Liebe, Lüge und Mordlust entwickelt. Manchmal ist es offenbar hilfreich, zu sich selber in Distanz zu gehen und die Rollen von Romanfiguren oder von Fremden einzunehmen: Die beiden wechseln oft zum „Sie“.

In der Kleinen Komödie in Warnemünde entfalten Beatrice Boca und Ulf Perthel dieses Zweierspiel auf engstem Raum. Mehr als einmal lässt Regisseur Peter Dehler sie mitten im Zuschauerraum agieren, Auftritt und Abgang erfolgt durch die Eingangstür zum Saal. Damit ist eine Intensität und Nähe gegeben, die das Kammerstück mit seiner Anatomie einer problematischen Ehe einfordert.

„Leben mit mir ist die Hölle“, stellt Gilles am Anfang fest, was Lisa bejaht. „Aber ich hänge daran“ – weil es so schön warm sei, antwortet sie. Das sei es in der Hölle immer, entgegnet er. Damit umschleichen sie sich und entlocken einander Bekenntnisse zweier Menschen, die sich irgendwie lieben und irgendwie verachten. Dass am Ende die Liebe dominiert und das Ganze „gut“ endet, scheint nur ein vorläufiges Ergebnis zu sein oder dem Harmoniebestreben des ein wenig zur Seichtigkeit tendierenden Bestseller-Autors Eric-Emmanuel Schmitt geschuldet zu sein.

Dehlers Inszenierung ist sparsam ausgestattet und konzentriert sich auf die Figuren. Warum die im Originaltext angesprochene Alkoholabhängigkeit Lisas verkürzt wurde, ist rätselhaft. Zudem relativiert sie manche Aussage bis hin zum Ende, das angesichts der Tatsache, dass Lisa sich während der Handlung mit Whisky vollaufen lässt, noch bitterböser erscheint.

Termin: 12. und 13. Oktober, 20 Uhr

Matthias Schã¼mann

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