Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Leben und Leiden eines Reformators
Nachrichten Kultur Leben und Leiden eines Reformators
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 08.07.2017
Primus inter pares: Joachim Slüter (Ulf Perthel, M.) will mehr Gerechtigkeit, nicht nur in der Kirche. Quelle: Foto: Volkstheater Rostock/beate Nelken
Rostock

Joachim Slüter (1490-1532) ist ein klarer Fall für das Reformationsjahr 2017. Seine Geschichte bekam jetzt einen richtig bedeutsamenTitel: „Leben und Sterben des Kaplans Joachim Slüter zu Rostock“ heißt das Schauspiel, das das Leben des Rostocker Reformators nachzeichnet.

Das Volkstheater Rostock konnte sich bei der Umsetzung dieses Stücks auf zahlreiche Partner verlassen: Regisseurin Sonja Hilberger inszeniert in Koproduktion mit der Singakademie Rostock und der Theatergruppe „Die Freigeister“, weiterhin sind die Compagnie de Comédie, das Kulturhistorische Museum sowie die Universität Rostock mit im Boot. Beteiligt sind am Ende rund 70 Darsteller, Musiker und Sänger, Volkskunst im besten Sinne. Sie soll auch Spaß machen.

Die Vielfalt setzt sich auch mit den drei Spielorten fort. Das Präludium wird im Garten der Klosters zum Heiligen Kreuz abgehalten, dann geht’s weiter zur plattdeutschen Predigt in die Universitätskirche, den turbulenten Kampf und auch das bewegende Ende Slüters erleben alle Beteiligten schließlich im Innenhof des Kulturhistorischen Museums. Mit diesen Ortswechseln werden die Zuschauer auch körperlich mit auf den Lebens- und Leidensweg des Rostocker Reformators genommen.

Und der ist voller Leidenschaft. Joachim Slüter wird vom reformatorischen Eifer Martin Luthers nicht nur angesteckt, sondern mitgerissen. Slüter – dargestellt von Ulf Perthel – beginnt in der Rostocker Petrikirche auf Plattdeutsch zu predigen, in der „Sprache der Fährleute und Fischweiber“ also. Das bringt ihn freilich in die Bredouille, denn nicht nur die katholischen Theologen der Rostocker Uni haben es nun auf ihn abgesehen. Es ist eine revolutionäre Situation, in der es auch um Leben und Tod geht, in anderen deutschen Städten werden in dieser Zeit Reformatoren noch als Ketzer hingerichtet. Slüter bleibt zeitlebens ein glühender Idealist, es ist ein langer Kampf, bis die evangelische Idee in Rostock 1531 offiziell Fuß fasst.

Autor Holger Teschke, dem das Thema vor zweieinhalb Jahren angeboten wurde, ist es gelungen, diesen Stoff zu einer großen Reformationsgeschichte auszuweiten und nicht in einer lokalen Würdigung steckenzubleiben. Das war sicher nicht einfach bei der schwierigen Quellenlage, denn es sind zum Beispiel keine plattdeutschen Predigten des Rostocker Reformators überliefert. Teschke arbeitete darum mit Bibeltexten, die er Slüters reformatorischen Bestrebungen zuordnete, so Teile der Bergpredigt.

Selbst der Humor kommt nicht zu kurz: „Den Aufruhr tragen Junggesellen in die Welt, die zu viel Zeit und zu wenig Besitztümer haben“ – dank dieser Einstellung finden die Kirchenoberen sogar positive Seiten an Slüters Heiratsplänen. Und als der Reformator nicht von seinen plattdeutschen Predigten lassen will, heißt es: „Der Heilige Geist spricht nicht Plattdeutsch!“

„Leben und Sterben des Kaplans Joachim Slüter zu Rostock“ ist Volksschauspiel, Mittelalterspektakel und auch Geschichtsstunde. Am Ende wird’s etwas theatralisch, da wankt Joachim Slüter todkrank über die Bühne, verfolgt vom Sensenmann. Dann wird’s zu viel mit der Heldenverehrung.

Nächste Vorstellung: am 8. Juli

um 19.30 Uhr beginnend,

im Rostocker Klostergarten

Thorsten Czarkowski

Mehr zum Thema

Nach langem Streit zwischen Kanzlerin Merkel und CSU-Chef Seehofer beschließt die Union in demonstrativer Einigkeit ihr Wahlprogramm. Es geht um mehr Arbeit, mehr Geld, mehr Sicherheit. Kaum ist die Tinte trocken, gibt es Kritik vom Koalitionspartner.

03.07.2017

Diese Woche treffen sich die führenden Staats- und Regierungschefs zum G20-Gipfel in Hamburg. Begleitet wird das Treffen am 7. und 8. Juli von zahlreichen Demonstrationen.

03.07.2017

Der Kanzlerin werden starke Nerven, gewaltige Ausdauer und viel Geduld mit schwierigen Männern nachgesagt. Beim G20-Gipfel in Hamburg wird sie das dringend brauchen. Die Welt ist aus den Fugen.

05.07.2017

2014, zwei Jahre nach seiner Gründung, erschien es zum ersten Mal mit einem knappen Auftritt bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern: das Berliner „vision string quartet“.

08.07.2017

Festakt zum 25. Geburtstag des Marinemuseums im Remter / Heute Tag der offenen Tür auf dem Dänholm

08.07.2017

Regenwetter bringt weniger Spontangäste, aber dennoch mehr Einnahmen

08.07.2017