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Leicht modernisierter Klassiker

Schwerin Leicht modernisierter Klassiker

„Endstation Sehnsucht“ hatte am Freitag im Schweriner E-Werk Premiere

Schwerin. Einen wirklichen Klassiker hatte sich das Mecklenburgische Staatstheater da vorgenommen. Tennessee Williams’ „Endstation Sehnsucht“ kam am Freitag im E-Werk erstmals auf die Bühne. Die neue Inszenierung von Martin Nimz passte das Stück den Bedingungen des E-Werks an. Eine kleine gläserne Bühne – das Badezimmer der Wohnung in einer Unterflur-Anordnung – symbolisierte die beengten Wohnverhältnisse, in denen Stella Dubois (Hannah Ehrlichmann) mit ihrem Mann Stanley Kowalski (Robert Höller) ihr kleines Glück gefunden hat. Dort hinein platzt also Stellas Schwester Blanche (Katrin Heinrich), die eine schwierige Vergangenheit mitbringt.

Die Spannungen zwischen den Dreien treten erst allmählich zutage – ein kleines Anzeichen dafür ist Blanches Hang zum Alkohol. Aber es ist Stanley, der in seiner ungehobelten, ja, rohen Art, den Konflikt zuspitzen lässt. Denn schnell hat Stanley seine Schwägerin durchschaut und allerlei Erkundigungen eingezogen. Allmählich wird Blanche bloßgestellt – die sittsame Dame mit den guten Manieren lässt aber erst die Fassade fallen, als es nicht mehr anders geht.

Und selbst in der größten Not hält Blanche Dubois noch ihre Traumwelt aufrecht, zentrale Aussage: „Ich will keinen Realismus. Ich will Zauber!“ Ihr gescheiterter Lebensentwurf gerät hier zur kompletten Bankrotterklärung, zum Übergang in den Wahnsinn. Heute, in einer Welt also, in der mehrere Anläufe möglich sind, um sein Leben zu gestalten, wäre das anders. An der Stelle zeigt sich, wie die Zeit über den Stoff hinweggegangen ist, Tennessee Williams schrieb das Stück in den 1940er Jahren. Am bekanntesten dürfte die Verfilmung aus dem Jahr 1951 sein, mit Marlon Brando als Stanley (im berühmten Unterhemd).

Aber der Grundkonflikt bleibt. Regisseur Martin Nimz hat diesen Stoff leicht aktualisiert – sowohl in der Ausstattung als auch ein wenig im Text. Am deutlichsten wird diese Modernisierung im Poker-Abend, den Stanley mit seinen Saufkumpanen abhält – hier sind’s Affen, die sich vergnügen.

Die darstellerischen Leistungen sind allererster Güte. Katrin Heinrich spielt Blanche von lasziv bis verzweifelt, Robert Höller gibt Stanley fast beängstigend brutal. Die Spannung trägt über fast drei Stunden Spiel – dieser Klassiker kann den Zuschauer immer noch fesseln. Nächste Vorstellung von „Endstation Sehnsucht“ im Schweriner E-Werk, am 24. Februar um 19.30 Uhr

Thorsten Czarkowski

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