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Leipziger Allerlei

Leipziger Allerlei

Mit glockenhellem A-cappella-Gesang entzückten die Sängerinnen von Sjaella in Schönberg – und setzen künftig ihre Stimme für SOS-Kinderdörfer weltweit ein.

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Swinging Sjaella: Viola Blache, Marie Fenske, Franziska Eberhardt, die Schwestern Helene und Felicitas Erben sowie Marie Charlotte Seidel (v.l.) aus Leipzig.

Quelle: Fotos: Heiko Preller

Schönberg. Dienstag, 20 Uhr: Musiksommerzeit in Schönberg (Nordwestmecklenburg). Abendlicht und Kerzenschein erhellen die ehemalige Bischofskirche St. Laurentius, und wie aus dem Nichts beginnt der Raum zu klingen. Sechs junge Frauen singen von der Orgelempore herab „Shimmering“ (Text: Hildegard von Bingen, Musik: Ola Gjeilo), und der erste Eindruck ist: überirdisch schön.

OZ-Bild

Mit glockenhellem A-cappella-Gesang entzückten die Sängerinnen von Sjaella in Schönberg – und setzen künftig ihre Stimme für SOS-Kinderdörfer weltweit ein.

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Als „Himmelsstimmen“ bezeichnen sich die Sängerinnen des Vokalensembles Sjaella auch, was ein bisschen esoterisch klingt. Falsche Fährte – die bodenständigen Leipzigerinnen sind schlicht und einfach professionell ausgebildete, bestens eingespielte Sängerinnen mit exzellenten Stimmen. Zum dritten Mal traten sie beim Schönberger Musiksommer auf, und das erklärt den Besucheransturm: Mit mehr als 350 Gästen ist die Kirche restlos gefüllt.

Geistliche Lieder wie „Jubilate Deo“, „Ave Maria“ und „Morgengesang“ in ungewöhnlichen Arrangements sind im ersten Teil des Konzertes zu hören, und es ist faszinierend zu erleben, wie die sechs Frauen – 21 bis 25 Jahre alt – mit ihren Stimmen zum Orchester werden. Kritiker überschlugen sich bereits in Lobeshymnen: „porentief rein“ sei der Gesang, von „mystischer Tiefe“, „in kontemplativer Geste stark“ und ein „schwebender Feenklang, sehr rein, ohne äußere Force“. Abgesehen von der Professionalität der Sängerinnen und der Originalität ihrer Arrangements berührt den Zuhörer eines: Sie singen mit Seele, und so ist der Name auch Programm – Sjaella kommt aus dem Skandinavischen und bedeutet im Ursprung Seele.

Felicitas Erben, Franziska Eberhardt, Helene Erben, Marie Charlotte Seidel, Marie Fenske und Viola Blache haben zusammen im Leipziger Kinderchor gesungen und sich 2005 als A-Cappella-Ensemble zusammengetan. Sie eroberten schnell die Konzerthäuser und Festivals, wurden Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe, unternahmen Konzertreisen und spielten mehrere CDs ein.

Abgesehen vom Wohlklang der Stimmen macht es einfach Spaß, Sjaella bei der Arbeit zuzuschauen, denn das sächsische Sextett nimmt die Zuschauer mit Charme und großer Bühnenpräsenz für sich ein. Die langen schwarzen, rücken- oder schulterfreien Kleider mit ein bisschen Spitze und Pailletten wurden in der Pause mit farbigen Outfits getauscht – und dann zogen sie mit Jazznummern, deutschen und internationalen Volksliedern weitere Register und entzückten die Zuhörer mit ihrem breiten musikalischen Spektrum – dieses Leipziger Allerlei war erste Sahne.

Demnächst werden die jungen Frauen ihre Stimme auch für humanitäre Anliegen einsetzen: als Botschafterinnen für SOS Kinderdörfer weltweit. Seit acht Jahren arbeitet der Schönberger Musiksommer mit diesem Hilfswerk zusammen und veranstaltet Kinderkonzerte – eines hat Sjaella gestaltet. Wilfried Vyslozil, Vorstand der SOS-Kinderdörfer, war extra aus München angereist, um Sjaella die Urkunde zu überreichen. „Versuchen Sie, mit Ihrer Musik Seelen zu öffnen und Menschen zu bewegen.“ Für die jungen Frauen, von denen sich viele bereits in unterschiedlichen Hilfsorganisationen engagieren, ist die neue Aufgabe „eine große Ehre“. Eine Reise wird sie im kommenden Frühjahr nach Israel und Palästina führen. „Bisher haben wir Menschen mit unserer künstlerischen Arbeit erreicht. Es ist schön, dass wir uns jetzt auch für ein soziales Projekt engagieren können“, sagt Helene Erben.

Bereits nach dem Konzert entstanden erste Ideen: So wollen sie für ihre Reise ein jüdisches und ein palästinensisches Lied ins Programm aufnehmen, und eine Spendenbox für SOS-Kinderdörfer weltweit könnte demnächst auch bei ihren Konzerten aufgestellt werden. Von ihren Eindrücken werden sie berichten – gerne wieder in Schönberg.

• Internet: www.sjaella.de

30. Schönberger Musiksommer

Noch vier weitere Konzerte finden im Jubiläumsjahr des Schönberger Musiksommers statt: Am 13. September ist das musikalische Reformations- Werk „Ritter, Tod und Teufel“ für fünf Sänger und zwei Chöre zu erleben. „Musik zwischen Meeresstern und Amazonenritt“ lassen Brita Rehsöft (Sopran), Bettina Ullrich (Stimme) und Simon Schumacher (Orgel) am 20. September in der Kirche Lübsee erklingen. Am 27. September wird der Stummfilm „Erde“ (UdSSR, 1930) mit Live-Musik gezeigt. Das Abschlusskonzert findet am Sonnabend, 1. Oktober, mit Werken von Arvo Pärt, Franz Liszt und Johann Sebastian Bach statt (Beginn jeweils 20 Uhr).

• Internet:

www.schoenberger-musiksommer.de

DREI FRAGEN AN...

1 Was ist die Aufgabe eines SOS-Botschafters? Unsere Botschafter sollen nicht medienwirksam als gute Engel zu Bedürftigen kommen, sondern als Lernende. Es finden Begegnungen statt, von denen hoffentlich beide Seiten etwas mitnehmen.

2 Warum fiel Ihre Wahl auf Sjaella? Sie sprechen in wunderbarer Weise unsere Sinne an, sie erreichen uns als Menschen, und genau das sollen sie auch als SOS-Botschafterinnen tun. Sie haben die Möglichkeit, in ihren Konzerten vor allem junge Menschen zu begeistern und eine Haltung zu vermitteln, sich für gesellschaftliche Fragen offenzuhalten. Bei unserer Reise nach Israel und Palästina wird Sjaella hoffentlich auch etwas für sich mitnehmen und lernen. Das kann eine besondere Rhythmik sein oder ein neues Instrument, das sie kennenlernen. Die Begegnungen können ihnen persönlich und als Ensemble neue Impulse geben.

3 Wie lange ist man SOS- Botschafter? Das ist unbefristet. Wir gehen einfach ein Stück des Weges gemeinsam.

Petra Haase

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