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Kultur Leni Riefenstahl — Prora zeigt die „Meisterin im Verdrängen“
Nachrichten Kultur Leni Riefenstahl — Prora zeigt die „Meisterin im Verdrängen“
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00:00 31.05.2013
Leni Riefenstahl posiert mit Kamera. Undatiertes Foto Quelle: A0009 Leni Riefenstahl-Produktio
Prora

Die wegen ihrer Nähe zum NS-Regime umstrittene Filmemacherin und Fotografin Leni Riefenstahl (1902-2003) steht seit gestern im Zentrum einer Ausstellung im Dokumentationszentrum Prora.

Dabei handelt es sich nach Angaben des Mannheimer Kurators Peter Reichelt um die erste nicht von Riefenstahl kontrollierte und autorisierte Schau. In größerem Umfang wurde sie erstmals 2004 im Ernst- Barlach-Museum Wedel bei Hamburg gezeigt. Anders als damals beschäftigt sich die Dokumentation in Prora fast ausschließlich mit ihrem Wirken im Dritten Reich, wie der Leiter des Dokumentationszentrums, Jürgen Rostock, sagte. Gezeigt werden rund 300 Exponate, darunter etwa 200 Fotografien, 100 historische Dokumente sowie einige Filmsequenzen aus der NS-Ära.

Riefenstahls bekannteste Arbeiten sind die Dokumentation „Triumph des Willens“ über den Reichsparteitag der NSDAP 1934 in Nürnberg und der Olympia-Film über die 1936 in Nazi-Deutschland veranstalteten Olympischen Sommer- und Winterspiele. Der Reichsparteitags-Film mit seiner suggestiven Kameraführung, den inszenierten Massenszenen und Hitlers Überhöhung als Führer habe dazu beigetragen, dass sich die Bevölkerung für das NS-Regime einnehmen ließ, erklärte Rostock. Der Olympia-Film sollte das Ausland über das nationalsozialistische Deutschland täuschen.

Die Regisseurin hatte eine Verstrickung mit dem NS-Regime bestritten und stets betont, während des Nationalsozialismus ideologisch unabhängig und rein dokumentarisch gearbeitet zu haben. Dokumente in der Schau belegen ihre Nähe zu Hitler, Speer und Goebbels und zeigen, dass Szenen des ersten Reichsparteitagsfilms „Sieg des Glaubens“ (1933) von Riefenstahl später im Studio nachgedreht und Situationen inszeniert wurden, wie Kurator Reichelt sagte. „Riefenstahl war eine Meisterin im Verdrängen, Vergessen und dem Kreieren ihrer eigenen Wahrnehmung“.

Gezeigt werden auch Stasi-Dokumente, mit denen Riefenstahls Rehabilitierung nach dem Krieg verhindert werden sollte. Zu sehen sind Fotos, die die Stasi 1952 der Illustrierten „Revue“

zugespielt hatte. Sie zeigen Riefenstahl als Zeugin eines Massakers von Wehrmachtssoldaten an jüdischen Zivilisten in Polen.

Reichelt (55) war ab 1986 Ausstellungsagent von Riefenstahl und trennte sich einige Jahre vor ihrem Tod von der Künstlerin. Für die Ausstellung „Leni Riefenstahl“, die er mit Fotografin Ina Brockmann konzipierte, hat Reichelt in staatlichen Archiven und privaten Sammlungen recherchiert. Gezeigt werden auch Arbeiten aus der eigenen Sammlung, die von Standfotografen Riefenstahls während der Filmarbeiten angefertigt wurden.

Die Riefenstahl-Ausstellung dauert bis 28. August. Sie war schon an rund 20 Orten in Europa zu sehen.

Kunst und Propaganda
Die Regisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl (1902 — 2003) hatte ihre Karriere einst als Tänzerin begonnen. Eine Verletzung zwang sie zur Aufgabe und brachte sie zum Film. Hier feierte sie als Schauspielerin und Regisseurin Erfolge. Später wandte sie sich der Fotografie zu. Unbestritten sind künstlerisches Können und der Stil ihrer Werke. Doch ihre Nähe zur NS-Diktatur, ihre Propagandafilme über den Nürnberger Parteitag, die Olympischen Spiele 1936 und die Wehrmacht blieben ihr Makel. Riefenstahl starb in Pöcking (Bayern) im Alter von 101 Jahren.

Martina Rathke

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