Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Lernen 2.0: Lehrbuch oder Smartboard?
Nachrichten Kultur Lernen 2.0: Lehrbuch oder Smartboard?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:10 04.05.2018
Der Mix macht’s: Schüler lernen sowohl mit klassischen als auch digitalen Lehrmitteln. Quelle: Foto: Arne Lehmann
Stralsund

Die fortschreitende Digitalisierung macht auch vor Schulen nicht Halt – so werden vielerorts digitale Medien wie Tablets aktiv im Unterricht eingesetzt.

Aber welche Medien nutzen Stralsunder Schüler eigentlich lieber? Und womit lernen sie effektiver?

Bei uns machen Bücher das meiste Gewicht in einer Schultasche aus. Anders ist das in Finnland: Einige Schulen im Land, das immer wieder an der Spitze von PISA-Tests zu finden ist, verzichten mittlerweile vollends auf Schulbücher. Die Schüler tippen ihre Mitschriften in Tablet-PCs und üben mit Lern-Apps. Lehrer arbeiten hauptsächlich mit Präsentationen über entsprechende Beamer.

Zumindest in diesem Punkt können wir mithalten: Der gymnasiale Schulteil des Schulzentrums am Sund verfügt bereits über sechs Smartboards, am Hansa-Gymnasium haben Lehrer mit dem Medienwagen die Option, über einen Beamer Videos oder Präsentationen zu zeigen. „Wir haben an unserer Schule eine gute Mischung aus digitalen und analogen Medien“, sagt Lucas Hauke, Elftklässler am „Hansa“. Neben den klassischen Unterrichtsmaterialien kommen Whiteboards und Tablets zum Einsatz und die Schüler können die zahlreichen Computer im Schulhaus nutzen. Nur die Funktionsfähigkeit und Qualität der Technik wäre teilweise dringend zu verbessern.

Moderne Technik bietet viele Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung. Wissen kann über Filme oder Animationen vermittelt werden, was von den Schülern im Allgemeinen positiv angenommen wird. Also warum dann noch Bücher und Papier?

„Bücher sind noch zuverlässiger als Technik in der Schule, denn sie kann oft ausfallen. Außerdem kann die Schule noch gar nicht die Technik bereitstellen, um alles medial aufzubauen. Das ist auch eine Geldfrage“, sagt Kathleen Apelt, die stellvertretende Leiterin des Schulzentrums am Sund.

Die Ausstattung der Räume, die Wartung und die Fähigkeiten im Umgang mit der Technik sind Probleme, deren Lösung heute noch nicht in Sicht sei. „In zehn Jahren sieht das anders aus, aber momentan ist der technische Stand hier in den Schulen noch nicht soweit, dass wir sagen können, wir verzichten auf Schulbücher.“

Trotz der vielen Hindernisse nimmt die Idee von moderner Technik in Schulen immer mehr Gestalt an. Verschiedene Hersteller bringen mittlerweile Geräte auf den Markt, die speziell für den Bildungsbereich konzipiert sind. Mit einheitlicher Ausstattung könnte die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern und den Schülern untereinander stark verbessert werden. Ein weiterer Aspekt ist natürlich das Gewicht. Viele Bücher, Blöcke und Hefter wären in einem Gerät, ob Tablet oder Notebook, zusammengefasst, sodass das Problem der schweren Schultasche bald der Vergangenheit angehören könnte.

Privat wird diese Technik von Lehrern und Schülern schon heute genutzt. Aber kann man damit überhaupt effektiver lernen? Lucas Hauke präferiert die Aufzeichnungen aus dem Unterricht. „Da ist meistens einfach das Wichtigste zusammengefasst. Wenn ich aber noch Informationen zum Lernen brauche, oder etwas nicht ganz verstanden habe, dann würde ich eher im Internet nachschauen, als im Schulbuch.“ Im Internet könne man sich die benötigten Informationen schneller und mit weniger Aufwand heraussuchen, als aus dem Buch. Außerdem findet er, dass Lernvideos beim Verstehen von Unterrichtsinhalten hilfreich sein können, weil „eine andere Person bestimmte Sachverhalte anders erklärt als etwa der Lehrer.“ Eine Sache gibt Lucas allerdings zu bedenken: „Man lässt sich bei der Nutzung digitaler Medien leichter ablenken, als wenn man Buch oder Hefter zum Lernen nutzt.“

Moderne Technik bietet  zwar viele Möglichkeiten, aber analoge Lernmittel sind noch in manchen Punkten überlegen. Um vollständig auf Tablets oder Notebooks umzusteigen, müssen noch einige Hindernisse überwunden werden. Und dann bleibt die Frage: Wollen wir das überhaupt?

Arne Lehmann (16) besucht das Schulzentrum am Sund, Sandra Möller (17) lernt am Hansa-Gymnasium 

Vor- und Nachteile der digitalen Medien

Die Vorteile: Neue Lern- und Unterrichtsformen (Videos, Präsentationen, Animationen) können genutzt werden, Schüler haben weniger Gewicht zu tragen, die Kommunikation wird erleichtert und es gibt einen einfachereren Zugang zu Lernmaterialien.

Die Nachteile: Technik ist immer mit hohen Kosten verbunden, oft fehlen technische Fähigkeiten bei den Nutzern oder die Schulen sind nicht dafür ausgestattet und Technik kann auch mal ausfallen.

Arne Lehmann und Sandra Möller

Klaus-Dieter „KD“ Meyer öffnet Pfingsten sein Atelier und zeigt Holzskulpturen zu „Kunst offen“

04.05.2018

OZ-Redakteur Bernhard Schmidtbauer war auf Friedhöfen des Ersten Weltkriegs in Nordfrankreich unterwegs. Dort liegen auch viele Mecklenburger.

04.05.2018

Gregg Segal aus Kalifornien zeigt seine Bilder beim 11. Umweltfotofestival „Horizonte Zingst“/ Im OZ-Interview erzählt er, was ihn bei der Arbeit antreibt

04.05.2018