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Literarische Mönchgut-Reise

Binz/Rügen Literarische Mönchgut-Reise

Bisher war das Buch im geschlossenen Raum zu Hause. Beispielsweise im Hotel Vier Jahreszeiten in Binz, wo gerade der gleichnamige Literaturkreis wieder begonnen hat.

Binz. Initiator ist Prof. Karl-Ewald Tietz. Zusammen mit dem Hotelier Gunther Preußker konnte er viel Wirbel ums Buch machen, so dass der Umbau des Hotels heute einen repräsentativen Saal bietet, der literarischen Veranstaltungen dienen wird. Doch das literarische Interesse der Gäste auf Rügen zeigt sich auch anderswo.

Tietz gibt schon im zweiten Jahr eine Vorlesungsreihe an der Volkshochschule, die sich „Insel im Bücherwind“ nennt. Dass dort ein erheblicher Anteil des Klientels aus Reiseleiterinnen besteht, spricht für sich. Warum also nicht das Buch an die Stätte seiner Entstehung tragen? Und so beschloss Tietz in unregelmäßigen Abständen mit Gruppen über die Insel zu reisen.

Göhren ist eine solche Stätte, wie überhaupt das Mönchgut über Jahrhunderte viel literarischen Stoff hergegeben hat. Einer der großen Mönchguter Söhne, der es als Zugezogener immerhin zu einem von drei dortigen Ehrenbürgern gebracht hat, ist der am 27. November 1946 gestorbene Max Dreyer. Sein Grab liegt in Göhren und sein Vermächtnis besteht aus mehr als dem noch heute existenten Drachenhaus, das er anfangs zum Gespött der Nachbarn auf einem windigen Hügel als Wolgaster Fertighaus errichten ließ.

Beim Besuch mit der Gruppe dort nahe des Wasserturms begegnet Tietz „zufällig“ ein Herr, der viel über Dreyer weiß. Uwe Weidemann begleitet an den Zaun des Drachenhauses, erzählt die Anekdote von der Haushälterin, die neugierigen Urlaubern erklärte, wenn die Körbe im Sturmmast gesetzt seien, gebe es bei Dreyers Kaffee. Auch eine der im Buch „Mein Drachenhaus“ beschriebenen Eichen steht noch da. Schnell noch ein Gedicht von Bernhard Trittelwitz, vorgetragen durch Weidemann, und die literarische Reise geht weiter.

Nordpeerd, benannt nach der gleichnamigen vorwitzigen Landnase Göhrens, heißt die nächste Station. Nikolaus Kleiner, der Hotelmanager, begrüßt die Gäste. Auch er eröffnete einen neuen literarischen Salon. Als kleinen Vorgeschmack liest die Schriftstellerin Susanne Dill Gedichte und Prosa, bevor die Runde wieder nach Luft verlangt.

In Klein Zicker am Wasser bietet sich auf einer Bank für vorbeiradelnde Gäste dann folgendes Bild: Vorträge aus Schriften und Büchern, stehend gegen den Wind gerufen, wie aus längst vergessenen Zeiten, als die Lotsen noch Zoll erhoben. Nahe der früheren sowjetischen Radarstation klopft Tietz wieder an ein Haus. Heraus kommt eine kleine, zierliche, aber agile Frau, hinter deren Gebaren die Lehrerin nicht zu verstecken ist. Margot Mandelkow wird erkannt und aus dem alten, mit Bleistift gekritzelten Gästebuch, das sie mitbringt, erfahren die Gäste manch authentische Geschichte zum eigenwilligen Mönchgut von Georg Paris, die sicher auch viele Rüganer nicht kennen.

Besser bekannt ist den Mönchgutern aber ihre Ina Rex, deren Geburtsort unter bürgerlichem Namen Alwine Hinrichsen jenes unweit erbaute Zollhaus 1845 gewesen ist. Ihr sind die Überlieferungen zu verdanken, die Uneingeweihte als eigentümlich, Volkskundler aber als unschätzbar benennen.

Dr. Gabriela Risch kommt das Verdienst zu, im Reprint-Verlag Bücher von Ina Rex oder über Ruth Bahls lesbar zu bearbeiten und gleichzeitig zeitgenössische Dokumente mit überragendem Wert zu sichten. Risch weiß auch, was sie täte, wenn sie anstelle der Besitzer des alten Zollhauses wäre. Alles mehr auf Ina Rex ausrichten und an die Tochter der Poken, so die spöttische Bezeichnung für Mönchguter, erinnern. Dort oben auf den Zickerschen Bergen endet dann auch diese besondere Rundreise.



ANDREAS KÜSTERMANN

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