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Kultur Lothar Dräger – der Schöpfer der „Abrafaxe“ ist tot
Nachrichten Kultur Lothar Dräger – der Schöpfer der „Abrafaxe“ ist tot
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00:00 20.08.2016

. Lothar Dräger, Schöpfer der Comic-Helden „Abrafaxe“ in der Comiczeitschrift „Mosaik“, ist tot. Er starb bereits am 9. Juli im Alter von 89 Jahren in Potsdam, wie der Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag in Berlin jetzt mitteilte. Dräger hatte zunächst als Text- und Ideenmitarbeiter bei „Mosaik“

gearbeitet. Von 1976 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1990 war er künstlerischer Leiter. Mit seiner klassischen Bildung und seinem enzyklopädischen Wissen, gepaart mit urwüchsigem Humor, habe Dräger seit den 50er Jahren das Bild des Comics als Dramaturg und Texter entscheidend mitgeprägt, erklärte der Verlag.

Der am 19. Januar 1927 in der Nähe von Stettin geborene Dräger war ursprünglich Opernsänger; erst an der Bühne der Stadt Nordhausen, dann am Hans-Otto-Theater Potsdam. Wegen seiner offenen, kritischen Art sei er in den 50er Jahren in Konflikt mit den Chefs der Potsdamer Bühne geraten – und habe sich daher 1957 beim „Mosaik“ beworben.

Um 1950 hatten die DDR-Oberen nach einer sozialistischen Antwort auf West-Comics wie „Micky Maus“ gesucht. Am 23. Dezember 1955 erschien das erste „Mosaik“ – mit den drei Helden „Dig, Dag und Digedag“, geschaffen vom Grafiker Hannes Hegen (1925-2014). Nach einem Streit um die politische Ausrichtung des Heftes stieg Hegen 1975 aus.

Der künstlerische Leiter der Anfangsjahre des „Mosaik“ Johannes Hegenbarth, und Lothar Dräger bemerkten schon bei ihrer ersten Begegnung im Frühjahr 1957 in Berlin-Lichtenberg ein übereinstimmendes Interesse an römischer Geschichte. Dräger hatte schließlich eine klassische humanistische Bildung erfahren. Die Schriften von Vergil oder Horaz, Tacitus oder Julius Cäsar waren ihm so im Originaltext früh vertraut. Man wollte die monumentalen Filmbilder der „Sandalenschinken” der Fünfziger mit in prächtigen Kostümen und üppiger Ausstattung schwelgenden Massenszenen grafisch im Comic umsetzen.

Dräger präsentierte bei diesem ersten Treffen seine Zeichnungen und Parodien aus dem Potsdamer Theaterspiegel, einer von ihm in Bild und Text gestalteten Zeitung. Drägers zukünftiger Chef erkannte mit sicherem Blick dessen künstlerische, insbesondere erzählerische, Qualitäten. Schon am Ende jener ersten Unterredung stand laut Dräger die Abmachung, dass er ab September 1957 als Mitarbeiter beim „Mosaik“ beginnen sollte.

Durch ihn habe sich die Zeitschrift dann zu einem Puzzle aus Hunderten versteckten, zu verschlüsselnden Anspielungen und Zitaten entwickelt, heißt es im Nachruf des Verlages.

„Dig, Dag und Digedag“ wurden von „Abrax, Brabax und Califax“ abgelöst. Gemeinsam mit der Grafikerin Lona Rietschel entwickelte Dräger die „Abrafaxe“. Die drei koboldartigen Wesen mit einer riesigen Muskete blickten zum Jahreswechsel 1975/76 vom Titel des DDR-Comic-Heftes. Ende vergangenes Jahres feierten die drei Knollen-Nasen-Helden mit ihrem 480. Abenteuer ihren 40.

Geburtstag. Zu DDR-Zeiten waren die „Mosaik“-Hefte begehrte Mangelware. Heute werden von der Zeitschrift im Monat noch etwa 70000 Exemplare verkauft. Den Comic gibt es aber auch in Österreich, Belgien, Spanien sowie Italien.

Im Jahr 1990 zog sich Lothar Dräger in den Ruhestand zurück. Doch Drägers Leben änderte sich nach seiner Pensionierung nicht wesentlich. Dräger blieb nach über drei Jahrzehnten als Comic-Autor auch nach seiner Pensionierung noch schöpferisch aktiv. Und so entstanden dann drei Romane, in denen ein gealterter Ritter Runkel neue Abenteuer bestehen muss.

Sophia-Caroline Kosel

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