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Kultur Lothar Reher: schwarz auf weiß
Nachrichten Kultur Lothar Reher: schwarz auf weiß
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00:14 14.04.2018

Lothar Reher, den grandiosen Büchermacher, habe ich nie persönlich kennengelernt und doch bin ich zu Hause von der Vielzahl seiner Arbeiten umgeben. Es ist die Welt der sinnfälligen Bücher, die mein Leben stets beförderte und lenkte. Letztlich wurden mir die von Reher gestalteten Buchreihen und Buchumschläge, die man heute nur noch antiquarisch erhalten kann, immer wichtiger. Sie machten das Leben „draußen“ auch nach „innen“ verständiger und... lesbarer. Das Büchermachen hat Reher mit wachem Verstand gelernt. Er wuchs in seine Arbeit hinein und schaffte es, eine schwarze „Reihe“ so gesehen unverwechselbar zu halten. Seine diesbezügliche „Spektrum-Reihe“ brachte es auf 279 Taschenbücher, die das hatten, was auf gute Bücher neugierig macht: wenig nuancierte Schriftsetzungen, gepaart mit Montagen der Fotografie, ganz im Sinne eines Gestalters wie Heartfield, der dem Malik-Verlag zu Höhenflügen in der Buchmacherkunst der Weimarer Zeit verhalf. Oft nur im Kleingedruckten verrät sich der Name Reher. Wer, ich habe es dieser Tage überprüft, schaut da schon nach? Wer kennt Lothar Reher? Ich fand Überraschendes: Zunächst sei da das Buch Wieland Försters „Rügenlandschaft“

Am 6. April starb im 85. Lebensjahr der Büchermacher Lothar Reher. Quelle: Zeichnung: Artus

aus dem Jahr 1974 genannt. Für mich das wichtigste Künstlertagebuch über Rügen zu DDR-Zeiten. Ein Exemplar der nur mit 100 Exemplaren bezifferten Vorzugsausgabe erhielt ich erst nach langer Suche im Jahr 2007. Dann aber mit einer Widmung Försters: „in herzlicher, freundschaftlicher Verbundenheit“. Der Band „Erzählungen“ von Stefan Heym erschien 1976 im Buchverlag Der Morgen, im Jahr der Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR. Reher hat dem Band einen gestalterisch zauberhaften Fotomontage-Schutzumschlag beigefügt. Und... unterschrieb den Protest gegen die Ausbürgerung Biermanns!

Das kostete ihm die Funktion des „Künstlerischen Leiters“ im Verlag Volk und Welt. Die „Schwarze Reihe“ aber betreute er weiter. Er ließ sich „Das Öffnen und Schließen des Mundes“ (ein seinerseits betreuter Jandl-Titel der Reihe) nicht verbieten. Technische Mängel in den Gestaltungsbereichen wusste Reher zu Kunst zu modeln. Die paarte sich mit dem im November 2017 verstorbenen Illustrators Horst Hussel zu einer wunderbar schlüssigen Zweisamkeit in der „weißen“ Lyrik-Reihe. Sie begann 1967 mit dem Band der Anna Achmatowa, der sich „Ein niedagewesener Herbst“ nannte. Selten in der DDR verlegte Dichter wie Pasternak, Lorca, Benn, Pound,... sollten folgen. Dieser Tage warte ich auf ein Meisterwerk Rehers aus dem Antiquariat, das der Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1986 in 3000 Exemplaren druckte. Der außergewöhnliche „Leitfaden der Liebeskunst“ (die Vorzugsausgabe erschien in nur 130 Exemplaren!) enthält eine original nummerierte Farbgrafik von Lothar Reher. Auf die freut sich besonders und im Nachklang des stimmigen Lebenswerkes... ARTus

OZ

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