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Lustig, brutal, wahr und schön: Goethes „Reineke Fuchs“ am Volkstheater

Rostock Lustig, brutal, wahr und schön: Goethes „Reineke Fuchs“ am Volkstheater

Steffen Schreier, der Schauspieler und diesmal auch Regisseur, und Christian Kuzio, der Gitarrist: Zwei Mann auf kleiner Bühne, dazu ein übergroßer Holzstuhl als Thron für den König.

Rostock. Steffen Schreier, der Schauspieler und diesmal auch Regisseur, und Christian Kuzio, der Gitarrist: Zwei Mann auf kleiner Bühne, dazu ein übergroßer Holzstuhl als Thron für den König. Und ein Appetit erzeugender Duft von gebratenem Hähnchen weht aus einem E-Grill am Bühnenrand durch die Kleine Komödie Warnemünde. Was da brutzelt, ist ein Opfer des garstigen Reineke Fuchs, der es dann auf der Bühne verspeist, während das Publikum in der Pause seinen Hähnchenteller im Foyer kaufen und sich so mitschuldig machen kann.

Wenn alle Schranken fallen, alle Regeln gebrochen werden, um zum eigenen Vorteil Gegenspieler auszuschalten – dann glauben wir, es handele sich um unsere Zeit mit gierigen Börsenzockern und intriganten Lobbypolitikern. Doch schon Goethe bedichtete so etwas: im „Reineke Fuchs“. Weil das so schön idyllisch mit „Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen“, beginnt, brachte das Volkstheater Rostock das Epos von 1793 am Pfingstsonntag heraus. Und fand noch mehr gute Gründe, es zu spielen. Der damals schon reife und einflussreiche Dichterfürst betätigte sich darin als Großmeister des Spotts und der Bosheit – Spott auf dumme Machtspitzen und auf katzbuckelnde Höflinge. Und ein sarkastisches Interesse für jenen Fabel-Fuchs, der mit seinen Missetaten nur die Dämlichkeit seiner Feinde ausnutzt (erntet unsere Sympathie), aber mit seinem skrupellosen Aufstieg zur Spitze doch der Brutalste im Intrigantenlande ist (lässt uns erschaudern).

All das wird in Steffen Schreiers sehr genauer, lustvoller Sprachgestaltung zum Erlebnis: Ausgiebig und geradezu liebevoll artikuliert er, lässt den Reichtum der Sprache zum Klang werden, ebenso lustvoll spielt er all die Fabeltier-Typen, die da Klage gegen Reineke Fuchs führen, oder den König, der sich den Windrichtungen der öffentlichen Meinung anpasst.

Dazu Kuzio, der auf der Gitarre mit wenig Material eine vielseitig illustrierende Klangkulisse schafft – und zudem als Dachs Grimbart schauspielerisch debütiert. Zwei Mann auf kleiner Bühne – am Ende ernteten sie viel Applaus für ein Spiel, das nach Ansicht des Autors „vom Laufe der Welt“ handelt: „Denn so ist es beschaffen, so wird es bleiben.“ Nächste Termine: 21. und 28. Mai, Kleine Komödie Warnemünde

Dietrich Pätzold

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