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Kultur Lustvoll die Welt geraderücken
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00:00 15.09.2018
Künstlerin Gerlinde Creutzburg vor ihrer interaktiven Installation „First“ (2017/2018), mit der sie Besucher zum Mitmachen auffordert. Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal
Wismar

An den Bildern von Gerlinde Creutzburg möchte man sich mit den Augen festsaugen. Überbordend und farbenfroh wirken sie wie Wimmelbilder, die in liebevollen Details unzählige kleine Geschichten erzählen. Was auf den ersten Blick leicht und spielerisch wirkt, ist eine Form ästhetisierter Gesellschaftskritik, hintergründig verarbeitet auf mehreren Bildebenen. Wie beispielsweise in ihrer aktuellen Arbeit „Das duale System“ (2017/18).

Gerlinde Creutzburg: „Das duale System“, (Triptychon, 2017/18) Quelle: Foto: Christoph Creutzburg

Die Ausstellung

Gerlinde Creutzburg: „Zeichen der Zeit“, Zeichnungen und Künstlerbücher, in der Galerie Hinter dem Rathaus 8 in Wismar bis 13. Oktober, geöffnet Do. und Fr. von 12 bis 18 Uhr

Das großformatige Triptychon zeigt rechts und links übergroß Mann und Frau, die durch Drähte mit einer Reihe von symbolträchtigen Gegenständen verbunden sind: Leere Kaffeebecher und Plastikdeckel, unzählige kleine Papierschiffchen, die wie viel zu kleine Rettungsboote wirken, zu ihren Füßen nur noch ein Rest Wasser. Parallel dazu bewegt sich in der Mitte des Triptychons ein riesiger Müll-Ball – oder ist es gar die deformierte Erde – aus Dreck und Plastik auf zwergenhafte Menschen zu, die vergeblich versuchen, ihn aufzuhalten.

Creutzburgs Bilder haben etwas Surreales, sind gleichsam schön und latent beunruhigend. Rund 20 Arbeiten der Zeichnerin, Malerin und Buchgestalterin werden bis zum 13. Oktober in der Wismarer Galerie „Hinter dem Rathaus“ gezeigt. Themen gibt es viele, die die Künstlerin inspirieren: Umweltverschmutzung, Erderwärmung, Migration oder das Thema Europa, das sie in dem Werk „Europas Maß. Das große Spiel – oder wer nimmt welchen Stein“ (2013) in einem überdimensionalen Dominospiel verarbeitet hat. „In welche Richtung bewegt sich Europa, wie gehen die reichen Länder des Nordens mit dem Süden um, und was passiert in dieser Auseinandersetzung mit den Menschen?“, fragt sich Creutzburg.

Genau wie die liebevoll in Szene gesetzten Figuren auf den Bildern, die alle in irgendeiner Weise miteinander verbunden sind, lassen sich auch ihre Themen nicht separat betrachten sondern sind immer Teil eines größeren Ganzen, eines komplexen Weltgefüges.

„Ressourcenverschwendung, Erderwärmung, Migration und die Frage, wie gehen wir miteinander um – letztlich hängt alles zusammen“, sagt Creutzburg. Und so lassen sich ihre Arbeiten letztlich auch immer auf den Menschen reduzieren, den Menschen in seiner Gesamtheit und als Individuum.

Es ist der respektvolle Umgang miteinander, den Creutzburg in ihren Bildern anmahnt, es ist die Forderung nach mehr Verantwortung, der sie in der Arbeit „Das duale System“ auch typografisch Ausdruck verliehen hat.

„Kunst nur um der Kunst willen zu machen, reicht in diese Zeiten nicht mehr aus“, sagt sie. Als politische Künstlerin würde sich Creutzburg trotzdem nicht bezeichnen. „Eher als politisch interessierten Menschen“, sagt sie. „Das spiegelt sich natürlich in meinem Werken wider.“

Dennoch: Eine Weltverbesserin mit erhobenem Zeigefinger will Gerlinde Creutzburg nicht sein. „Lustvoll die Welt geraderücken, das ist es, was ich will“, sagt sie mit einem Lächeln.

Und dabei bedient sie sich verschiedener Stilmittel: Oft haben ihre Arbeiten etwas Haptisches, ragen in Form von selbst gebastelten Papierschiffen oder überdimensionalen Domino-Spielsteinen dreidimensional in den Raum. „Ich mag das Spiel mit ungewöhnlichen Formaten“, sagt sie. In ihrer interaktiven gezeichnete Installation „First“ (2017/2018) sind die Besucher eingeladen, das eigene Leben kritisch zu betrachten.

Das Spiel, das Spielerische ihrer Bilder, die Spielsteine – all das zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Arbeiten: „Letztlich“, sagt sie, „ist das ganze Leben ein Spiel. Ein schönes, aber auch gefährliches.“

Stefanie Büssing

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