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Lyrische Anmut, virtuoses „Getöse“

Greifswald Lyrische Anmut, virtuoses „Getöse“

Für Vorpommerns Konzert- und Musiktheaterfreunde geht wieder einmal eine Ära zu Ende: Generalmusikdirektor Golo Berg verlässt das Land; vorzeitig, aber verständlich ...

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Ekkehard Ochs über das Greifswalder Abschiedskonzert von Golo Berg

Greifswald. Für Vorpommerns Konzert- und Musiktheaterfreunde geht wieder einmal eine Ära zu Ende: Generalmusikdirektor Golo Berg verlässt das Land; vorzeitig, aber verständlich angesichts einer „beunruhigenden Neuordnung der Theaterlandschaft“ und eines künftigen Modells, das ihm „unausgegoren und praxisfern“ erscheint. Nicht nur ihm, also wahr gesprochen! Den Vorpommern bleibt die Erinnerung an einen GMD, der in den fünf Jahren seines Wirkens eine Menge bewegt hat. Er gewann neue Partner (Stettin), präsentierte spannende, weil innovative Spielplanangebote, kreierte neue, attraktive Formate und sorgte damit für einen signifikanten Anstieg der Besucherzahlen; von der Bedeutung so anspruchsvoller wie intensiver künstlerischer Arbeit für Vorpommerns Philharmoniker ganz zu schweigen. Nun also das 7. und letzte Philharmonische Konzert, das eigentlich als künftige Zusammenarbeit vorwegnehmendes Gemeinschaftsprojekt mit Neubrandenburgs Philharmonikern (GMD Sebastian Tewinkel) vorangekündigt war – aber nicht zustande kam! Kein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt! Geht ja auch allein. Und wie!

Mit einem wahrlich fulminanten Programm und den sich selbst übertreffenden Philharmonikern begeisterte Berg vorgestern in Greifswald ein an diesem Tag besonders sensibilisiertes Publikum. Wie auch nicht, wenn schon mit Richard Strauss’ „Don Juan“ ein ungemein schwungvoll musizierter Einstieg „mit Getöse“ (Strauss) gelang: kontrastgeschärft leidenschaftlich, schwärmerisch schmachtend bis heldisch strahlend und voll bildhaft griffiger Klangsinnlichkeit. Letztere galt auch für Wagners „Fünf Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonck“. Hier aber glänzte man mit den Tugenden sensibler, gefühlsintensiver und vielfach kammermusikalisch intendierter Lyrik – eindrucksvoll eine gestalterisch sehr feinfühlige Anne-Theresa Møller – ,ehe mit Schumanns 3. Sinfonie Es-Dur „Die Rheinische“ eine aus der Fülle lebendig pulsierenden, überschäumend glücklichen Erlebens gespeiste Botschaft kraftvoll herzhaft gestalteter Romantik den Abend triumphal beendete. Tosender Beifall, Dankesworte – und Berg selbst tröstend und mahnend: „Dirigenten kommen und gehen, das Orchester aber gehört an diesen Ort“. Recht hat er!

OZ

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