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Lyrische Dramatik mit viel Ausdruck

Lyrische Dramatik mit viel Ausdruck

Oper konzertant? Warum nicht! Auch wenn damit Wichtiges fehlt – dem Verzicht auf Bühne, Bild und Aktion kann durch musikalische Intensivierung und Direktheit durchaus ...

Oper konzertant? Warum nicht! Auch wenn damit Wichtiges fehlt – dem Verzicht auf Bühne, Bild und Aktion kann durch musikalische Intensivierung und Direktheit durchaus attraktiv entgegengewirkt werden – von rein praktischen Erwägungen mal ganz abgesehen. Das Theater Vorpommern hat genau das wieder gewagt und in Stralsund mit Charles Gounods französisch gesungenem Welterfolg „Margarethe“ (Faust) ein erhellendes und spannendes Stück europäischer, konkreter: französischer Operngeschichte präsentiert. Details dazu müssen hier außen vor bleiben, nur so viel: Das auf einem Libretto (Barbier/Carré) nach Carrés Drama „Faust et Marguerite“ und Goethe basierende Werk stellt dezidiert die Gretchen-Tragödie in den Mittelpunkt. Faust ist kein Suchender, sondern jagt lediglich bislang entgangenem Liebesabenteuer nach; und Mephisto bleibt manipulierender Drahtzieher ohne (Goethesche) Tiefendimension. Also ein auf bürgerliches Rührstück reduziertes Unternehmen? Wie immer die Urteile seit der Uraufführung 1859 auch ausfielen – konträr bis heute – diese Oper bleibt gattungsgeschichtlich wichtig als ein erstes gültiges Beispiel für die neue Form des „Drama lyrique“.

In Stralsunds konzertanter Aufführung war das musikalisch durchaus ein Thema. Florian Csizmadia und die Vorpommersche Philharmonie musizierten hier ausdrucksstark ein handwerklich perfekt beherrschtes Werk von beeindruckendem, oft schwelgerischem Lyrismus und dramatischer Schlagkraft, expressiver Eindringlichkeit und oft unwiderstehlichem Drive; Kritik an zeitbedingter, chor-und orgelverstärkter religiöser Obsession (Margarethe) scheint schon großartiger Gestaltungsintensität wegen gegenstandslos. Bleibt ein Sängerensemble, das vor allem in den großen Rollen mit Joska Lehtinen (Faust, a. G.), Andrey Valiguras (Mephisto), Jardena Flückiger (Margarete) und Alexandru Constantinescu (Valentin) Gounods Forderung, der Sänger sei vor allem ein großer Redner, die ausdrucksstark sprachorientierte Melodik des Werkes traf; ergänzt von Katarzyna Rabczuk (Siebel), Vilmar Saar (Wagner, Doris Hädrich-Eichhorn (Marthe und dem ausgezeichneten Chor (Julija Domaševa).

Ihnen allen verdankte das Publikum einen bewegenden Abend.

OZ

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