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Kultur Macht Kindern Mut: Elizabeth Shaws „Kleiner Angsthase“
Nachrichten Kultur Macht Kindern Mut: Elizabeth Shaws „Kleiner Angsthase“
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00:00 27.06.2017

Der kleine Hase hat vor allem eines: Angst. Er zittert bei Dunkelheit, möchte sich vor Hunden am liebsten verstecken und traut sich nicht einmal ins flache Wasser. Als ein anderer, noch kleinerer junger Hase in Gefahr ist, wächst er aber über sich hinaus. Das Buch „Der kleine Angsthase“ und andere Kinderbücher der Autorin und Zeichnerin Elizabeth Shaw (1920-1992) waren zu DDR-Zeiten Kult. Auch 25 Jahre nach dem Tod der irischstämmigen Autorin ist die Beliebtheit ihrer Werke ungebrochen – bei kleinen Lesern ebenso wie bei ihren Eltern.

„Sie hat damit vielen Menschen Freude gemacht, ohne mit erhobenem Zeigefinger eine Geschichte zu erzählen“, sagt ihre Tochter Anne Schneider. Ihrer Mutter hätten die Kinderbücher, die sie illustrieren sollte, oft nicht gefallen. „Also schrieb und zeichnete sie selbst für Kinder“, erinnert sich die 69-Jährige. Sie verwaltet den immensen Nachlass ihrer Mutter: mehrere hundert Originalzeichnungen für Kinderbücher, politische Karikaturen und Arbeiten, die auf Reisen entstanden sind.

„Ich habe mich oft gefragt, weshalb meine Kinderbücher so beliebt sind. Ich mache eines fertig, gebe es ab und fange mit dem nächsten an, ohne nochmals einen Blick darauf zu werfen, wenn es gedruckt ist“, erzählte Shaw in ihrer Autobiografie „Wie ich nach Berlin kam. Eine Irin in der geteilten Stadt“ (Verlag Berlin Brandenburg).

1963 erschien „Der kleine Angsthase“ – ihr erstes Buch für Kinder und ein Klassiker der Kinderliteratur im Osten. Bis 1990 waren im DDR-Kinderbuchverlag 20 Auflagen mit rund 736000 Exemplaren herausgegeben worden. Und nach dem Mauerfall gehörte der „Angsthase“ zu jenen Rennern, die bis heute überlebt haben. Die Kinderbücher von Elizabeth Shaw seien auch heute noch immer erstaunlich beliebt, sagt die Sprecherin des Verlages Beltz/Der Kinderbuchverlag (Weinheim), Anja Lösch. „Der kleine Angsthase“ sei derzeit in der 16. Auflage lieferbar. Von „Die Schildkröte hat Geburtstag“ gebe es bereits die 14. Auflage. Aktuell habe der Verlag 14 Shaw-Titel im Angebot, dazu vier Bücher mit ihren Illustrationen.

„Meist schrieb ich sehr moralische Geschichten“, erklärte Shaw selbst. „Ich wollte bestimmte Werte wie Mut und Freundlichkeit vermitteln und dass man nicht für sich selbst lebt.“

Shaw wurde 1920 in Belfast geboren. Kindheit und Jugend verbrachte sie in Nordirland und England. In England lernte sie den Bildhauer René Graetz (1908-1974) kennen, der dort im Exil lebte. 1946 siedelte das Paar nach Ostberlin über. In England hatte sie bereits für Monatszeitschriften gezeichnet. In Berlin griff sie wieder zu Stift und Feder – auch um Geld in die Familienkasse zu bringen.

Shaw hielt zunächst das Leben im geteilten Berlin nach Kriegsende fest. Sie pflegte Kontakte zu vielen Künstlern und schuf sehr prägnante Porträts, unter anderem von Helene Weigel oder Bertolt Brecht.

Ihre Ideen und Inspirationen habe sie als genaue Beobachterin im Alltag gefunden, sagt Tochter Anne. Mit Witz und Humor habe sie mit wenigen Strichen eine Szene festgehalten oder die Stimmung der Ostseelandschaft einfangen.

Shaw schrieb insgesamt 18 Kinderbücher, erzählte darin auch vom Wildschwein Walter, vom scheuen Schneck oder vom kleinen schwarzen Schaf. Außerdem illustrierte sie knapp 60 Bücher für Erwachsene und Kinder. Shaw - die mit ihren Kindern meist englisch sprach - blieb auch als Autorin ihrer Muttersprache treu. Ihre Bücher schrieb sie auf Englisch und übersetzte sie dann. Lektoren sorgten für den Feinschliff.

Zu DDR-Zeiten konnte die Irin einige Male ihre Heimat besuchen, kam jedoch immer wieder zurück. Nach ihrem Tod wollte sie aber wieder nach Irland. Der letzte Wunsch der Mutter, ihre Asche in die Irische See zu verstreuen, wurde ihr erfüllt, wie die Tochter berichtet. Gudrun Janicke

OZ

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